Outdoor Messer Test: Wie gut ist das Gerber Bear Grylls Ultimate Survival

Outdoor Messer zu kaufen ist eine langwierige Angelegenheit. Hier gilt es sich einige Fragen zu stellen: Wie viel darf das Messer kosten? Ist es in Deutschland zugelassen? Welche Funktionen hat das Messer? Wie ist die Qualität der Klinge? und viele weitere Fragen. Hinzu kommt, dass der Markt für Outdoor Messer unübersichtlich ist. Manche Hersteller setzen deshalb auf prominente Namen um sich aus der Masse abzuheben. Doch ist ein Outdoor Messer tatsächlich besser, nur weil es sich mit dem Namen von einem Bestseller Autoren schmücken darf? Wir wollten es wissen und haben das Bear Grylls Ultimate Survival (wir haben es regulär im Laden gekauft) einen längeren Test unterzogen.

Muss ja gut sein, ist ja…..automatisch geht dieser Satz manchen Leuten über die Lippen. Das Konzert muss ja gut sein, ist ja mit der Helene Fischer. Das Buch muss ja gut sein, ist ja von Joanne K. Rowling geschrieben. Das Fußballspiel muss ja gut sein, ist ja der FC Bayern München mit dabei. Ebenso könnte es lauten: Das Gerber Survival Ultimate muss ja gut sein, steht ja Bear Grylls drauf. Ein beeindruckender Selbstvermarkter. Bei unserem Test haben wir den Prominentenbonus völlig ausgeblendet. Schließlich geht es uns um die tatsächliche Handhabung von dem Gerber Outdoor Messer und nicht um das damit verbundene Image. Mit zwölf Zentimetern Klingenlänge befindet sich dieses Modell gerade noch im Bereich des Erlaubten. Seit 2008 gilt der Paragraph 42 a WaffG und darin heißt es unter Absatz eins:

(1) Es ist verboten

1.Anscheinswaffen,

2.Hieb- und Stoßwaffen nach Anlage 1 Abschnitt 1 Unterabschnitt 2 Nr. 1.1 oder

3.Messer mit einhändig feststellbarer Klinge (Einhandmesser) oder feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 cmzu führen

Hier hat der Gesetzgeber eine klare Regelung getroffen und das von uns getestete Messer fällt nicht unter dieses Verbot. Teilweise mit einem Wellenschliff ist das Überlebensmesser augerüstet. Zum Griff hin hat es Wellen in der Klinge, während die vordere Hälfte konventionell geschliffen ist. Hier sind wir an einem zweischneidigen Thema. Zum Schnitzen oder bearbeiten von Holz, das tut Ihr meistens mit dem hinteren Drittel vom Messer, scheidet das Survival Messer somit wegen des Wellenschliffs aus. Andererseits ist dieser Teil der Klinge stark genug um festeres Material, wie Seile, zu durchtrennen. Enttäuschend fiel die Qualität beim Schnitzen aus. Als wir für Lagerbauten diverse Stangen und Stöcke anspitzten, ist die Klinge schnell stumpf gewesen. Doch dafür gibt es ja den mitgelieferten Schleifstein. Dieser ist allerdings ziemlich grob. Als wir versuchten die Klinge damit zu schleifen, zeigte sich warum das Messer schnell an Schärfe verloren hatte: Der Stahl ist zu weich.

Outdoor Messer im Test: Nur bedingt hat uns das Gerber Bear Grylls Ultimate Survival überzeugen können. foto (c) kinderoutdoor.de

Über den Griff und seine Qualtiät lässt sich streiten. Wer lieber einen Messergriff aus Holz bevorzugt, der ist wahrscheinlich mit diesem Griff aus Kunststoff weniger glücklich. Bei Regen präsentierte sich der Griff rutschfest. Ein Abgleiten auf die Klinge ist ausgeschlossen. Am Daumenschutz befinden sich zwei durchgehende Löcher, damit sich das Messer an einem Stock befestigen lässt. Die Idee dahinter: Dadurch hat der Outdoorer einen Speer oder eine Streitaxt. Ein Detail, dass eher für´s Ego ist. Mit zum Messer gehört auch ein Feuerstarter, der an der Messerscheide untergebracht ist. Dieser funktioniert zuverlässig und wertet das Messer bedingt auf. Für wenige Cent lässt sich solch ein Feuerstahl kaufen. Halbwegs gut ist das Gerber Survival Messer ausbalanciert und liegt entsprechend in der Hand. Der Kopf vom Messer lässt sich als “Hammer” verwenden. Uns hat während des Langzeittests das Gerber Messer nur bedingt überzeugt.

Technische Daten:

  • Klingenlänge 12 cm
  • Griff:Kunststoff
  • Zubehör: Messerscheide, Schleifstein und Feuerstarter

Unsere Bewertung: Drei von sechs möglichen Kompassen

Kinder Outdoor Schnitzmesser von Morakniv: Alter Schwede!

Ein Schnitzmesser ist kein klassischer Wegwerfartikel. Im Gegenteil. Viele Jahre kann es einen Outdoorer begleiten. Wir haben den Morakniv Woodcraving Kit getestet. Zu einem Rohling in Pferdeform gehört auch ein hochwertiges Messer mit einer Klinge aus schwedischen Stahl. Sind die über 30 Euro dort gut investiert?

“So ein Spielzeug kriegst Du nicht scharf!” schimpft ein professioneller Messerschleifer. Er hat das Schnitzmesser in der Hand, welches ein bekannter Kinderbuchverlag vertreibt und verzweifelt an der Klinge. Offensichtlich handelt es sich hierbei minderwertigen Stahl. Mit kritschen Blick dreht der Experte das Messer mit fester Klinge in den Händen, während unter ihm der Schleifstein rotiert. “Aha!” räuspert er sich und meint nur “China!” Er schaltet seine Schleifmaschine ab und kapituliert. Dauerhaft bekommt er so einen Stahl nicht scharf, erklärt er und erzählt viel über die Zusammensetzung von diesem Material. Bei diesem Modell ist scheinbar alles zu spät. Auf den Preis von diesem Schnitzmesser angesprochen schüttelt er den Kopf und meint nur “Viel zu viel!” Eine alte Weisheit der Schnitzer ist, dass die Klinge scharf sein muss. Dafür gibt es einen guten Grund: Bei einer stumpfen Klinge braucht es deutlich mehr Druck darauf, was beim Schnitzen fatale Folgen haben kann! Es kann zu einem Abrutschen des Messers am Holz führen und die Klinge findet den Weg in den Finger, die Hand, den Oberschenkel oder den Arm. Keine Variante davon ist besonders attraktiv. Über die Anzahl der verbrauchten Wundpflaster und die Qualität des Werkstücks entscheidet auch die Qualität vom Schnitzmesser. Mit einer scharfen Klinge aus hochwertigen Stahl lassen sich auch kleine Details ausarbeiten, während bei weniger schneidigen Modellen, die Fasern vom Holz stumpf abreissen. Während andere Hersteller billig in Fernost produzieren, stellt Morakniv in Schweden her. Der Firmenname, es funsionierten zwei über hundert Jahre alte Messerhersteller im Jahr 2005, kommt von der schwedischen Stadt Mora und dem Wort Kniv für Messer. Wie die Bedinungen der Arbeitskräfte dort sind und wie es mit dem Umweltschutz dabei aussieht, braucht sich bei dieser Marke niemand Gedanken machen. Ganz im Gegensatz zur Ware aus China. Am Siljan See entstehen täglich Messer für Profis und Amateure in Handarbeit. Wer sich dafür entscheidet, ein Schnitzmesser aus europäischer Produktion an ein Kind zu verschenken, der bekommt für sein Geld eine hohe Qualität. Wie sagt ein guter Freund immer so richtig “Nichts ist so teuer, wie etwas Billiges!” Im Vergleich zu dem in Fernost hergestellten Messer kostet das von uns getestet Morakniv etwas über 30 Euro. Was doppelt so viel ist, wie für das vom Kinderbuchverlag vertriebene Modell. Doch im direkten Vergleich sind die Unterschiede schnell zu erkennen. Es beginnt damit wie das Messer ausbalanciert ist. Die Ware aus China ist Klingenlastig und kippt entsprechend nach vorne. Wer damit schnitzen will, muss es immer fest umklammert in der Faust halten. Anders das Morakniv. Es liegt pefekt in der Schnitzhand mit seiner filigranen Klinge. Ein weiterer Unterschied: Die Spitze vom Chinamesser ist abgerundet, während das Morakniv eine echte Spitze hat. Manche Eltern bevorzugen lieber diese sichere Variante, weil sich das Kind damit nicht selbst stechen kann.Dabei sind derartige Verletzungen eher selten, sondern die Kinder schneiden sich mit der Klinge in den Finger. An den Spänen lassen sich am besten die Unterschiede in der Qualität erkennen. Bei dem Billigmesser sind die Späne am Rand und an der Spitze erkennbar ausgefranst. Anders ist das Bild bei dem schwedischen Schnitzmesser: Es sind Späne die sich, aufgrund des glatten Schnitts, aufringeln. Entsprechend leicht arbeitet sich die Klinge durch das Holz. Was machen die Schweden anders? Bei dem Mora Wood Carve 120 ist der Stahl laminiert. Zwischen zwei Stahlteilen ist ein harter Kern eingearbeitet. Der Vorteil an diesem aufwändigen Verfahren: Die Gefahr, dass die Klinge bricht ist deutlich geringer. Bei dem Härtegrad, nach dem Rockwell Verfahren, erreicht dieses Messer einen Wert von 59 HRC. Geschliffen ist die Klinge vom Mora Wood Carve 120 im flachen Scandi Schliff. In einem Winkel von 14 Grad ist die Schneide geschliffen und die Klinge präsentiert sich in der klassischen Drop Point Form. Entsprechend präzise lässt sich, auch dank des großen Griffes. schnitzen.Bei dem China-Produkt ist der Griff eine Qual. Eine Mischung aus Leder- oder Holzimitat und Kunststoff. Die Hände beginnen hier zu schwitzen und der Griff fühlt sich auf die Dauer unangenehm an. Das einzigst Positive: Ein Stopper aus Metall ist am Ende vom Griff angebracht, so kann kein Kind vom Griff auf die Klinge abrutschen. Ein derartiger Stopper fehlt leider beim Morakniv aus Schweden. Den Griff haben die Skandinavier aus lackierten, wahrscheinlich Birke, Holz gefertigt. Ergonomisch liegt das Messer angenehm in der Hand. Ein entscheidender Pluspunkt gegenüber einem Taschenmesser.

Kinder Outdoor Schnitzmesser von Morakniv: Eine scharfe Sache. foto (c) kinderoutdoor.de

Ein reines Schnitzmesser unterscheidet sich auch im Gewicht deutlich von einem Fahrten- oder Taschenmesser. Lediglich 120 Gramm bringt das Morakniv mit Plastikscheide auf die Waage. Das Messer alleine wiegt nur 50 Gramm. Das ist eso wenig wie eine Packung Schokomandeln. Entsprechend lange können große und kleine Holzschnitzer mit diesem Messer arbeiten. Zum Vergleich: Das Schnitzmesser aus China wiegt über 140 Gramm. Mit der kurzen Klinge ist das Modell von Morakniv ideal um damit zu arbeiten, jedoch weniger für Outdoorzwecke geeignet. Auch wegen der Form der Klinge lässt es sich nur bedingt einsetzen, um damit zu kochen. Dafür ist dieses Schnitzmesser auch viel zu schade.

Die Hülle macht auch den Unterschied

Ein Messer mit stehender Klinge braucht eine Messerscheide. Bei dem Kindermesser aus Fernost steckt es in einem billigen Futteral aus Kunstfaser. Trotz stumpfer Klinge ist dieser Schutz, so unsere Erfahrungen, relativ schnell durchgescheuert. Ein Klettband läuft über den Griff und soll das Messer entsprechend fixieren. Leider funktioniert diese Idee in der Realität kaum und das Schnitzmesser rutscht heraus. Wenn ein Kind sich diesen Fernostexport an den Gürtel schnallt, kann dies zu Verletzungen führen. Was die Aufbewahrung betrifft, geht Morakniv keine Experimente ein. Eine solide Hülle aus Plastik lässt sich an den Hosenbund klipsen oder der Gürtel durchführen. Das Messer ist dort fixiert und kann sich nicht selbständig machen. Ein gutes Gefühl, wenn das scharfe Mora Wood Carving 120 dort sicher verstaut ist. Auch in den Rucksack lässt sich dieses kurze Schnitzmesser problemlos verstauen und niemand muss Angst haben, in die offene Klinge zu greifen. Mit einem Messer, wie die Mora Wood Carving 120 macht das Schnitzen auf jeden Fall Freude und ein Rohling von einem Dala Pferd ist auch dabei.

Unsere Bewertung: Fünf von sechs möglichen Kompassen

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