Outdoor Buch Rezension: Harz, Eifel, Dümpel, uralte Bäume, Spiel & Spass

Outdoor Buch Rezension und Ihr könnt sicher sein, dass wir diese Bücher tatsächlich gelesen. Auch wenn es bei manchen alles andere als angenehm ist. Heute haben wir bei unserer Kinder Outdoor Buch Rezension sechs Titel, die kaum unterschiedlicher sein können. Vom Inhalt und von den Thmen. Welche Titel und überzeugt haben und welche weniger, gibt es bei unserer heutigen Outdoor Buch Rezension. Alle vorgestellten Bücher haben wir uns selbst gekauft und keines kostenlos von den Verlagen erhalten. Damit wollen wir unsere Unabhängigkeit gewährleisten.

Der Mensch wird nicht dadurch zum Filmkritiker, dass er einen Film nacherzählt. Das kann meine Mutter auch.

Schrieb der TEMPO Redakteur Uwe Kopf an seine Kollegen.

Ein Reiseblogger ist kein Garant dafür, dass von seinem angesammelten Wissen und Fotos ein passables Buch gelingt. Dies zeigt sich auch in 52 kleine & große Eskapaden im Harz von Jana Zieseniß, erschienen im Dumont Verlag. Bei der Autorin handelt es sich um eine Bloggerin. Positiv ist in diesem Buch, dass alle Fotos von der Autorin stammen. Im Gegensatz zu anderen Reise- oder Wanderführern die durch Internetrecherche entstanden sind, kann das von uns rezensierte Buch damit punkten, dass die Autorin tatsächlich vor Ort gewesen ist. Auch die Zusammenstellung der verschiedenen Ziele bildet die ganze Bandbreite an Outdoor Aktivitäten im Harz ab. Leider sind wir damit schon am Ende was uns positiv an diesem Reisebuch 52 kleine & große Eskapaden im Harz von Jana Zieseniß aufgefallen ist. Die Fotos zeigen, ganz in diesem unseligen Stil von Instagram, zu oft die Autorin von hinten. Manche Fotos wirken wie mit einem billigen Filter bearbeitet. Manche Bilder, wie die Autorin in einem Blaubeerenfeld können überall entstehen und sind zu wenig spezifisch für den Harz. Grotesk ist die Aufnahme auf Seite 108. Dort ist die Autorin mit einem Muskle-Skirt und Tight sowie Trekkingsandalen zu sehen, wie sie in einer Felswand post. Auf Seite 110 ist eine Hand auf einem Felsen zu sehen. Jeder der über Grundkenntnisse im Klettern verfügt, blättert belustigt weiter. Das Buch leidet auch unter Kalenderweisheiten wie “Es gibt kein schlechtes Wetter, nur dramatische Wolken”. Was an diesem Reiseführer am meisten negativ auffiel: Es begeistert nicht. Hier zeigt sich der große Unterschied zwischen einem Blogger und einem Schriftsteller oder Journalisten. Die Profis wissen wie wichtig es ist, die Leser in den Text hineinzuziehen und selbst, auf den ersten Blick, weniger prickelnde Themen interessant und spannend zu machen. Expemplarisch für die gepflegte Tristesse von 52 kleine & große Eskapaden im Harz ist der Teaser auf Seite 35:

Wandern zwischen Teichen und Bergwiesen – das zeichnete diese Eskapade aus.

Es gibt zig andere Urlaubsregionen in denen die Outdoorer zwischen Teichen und Bergwiesen wandern können. So ist es mit vielen Phrasen in diesem Buch und Beschreibungen: Sie sind austauschbar und könnten genauso gut in einem Reiseführer für eine völlig andere Region stehen. Mit entbehrlichen Fakten kommt beim Leser höchstens Langeweile auf, wie auf Seite 73 Heimkehle (eine Höhle bei Uftrungen):

…wird der Große Dom, eine riesige Halle mit einer maximalen Höhe von 22 Metern und einem Durchmesser von bis zu 65 Meter,….

Das ist wiedergegebenes Wikipedia Wissen. Bei aller Kritik an Claas Relotius: Bilder im Kopf konnte dieser in Verruf geratene Reporter perfekt erzeugen. Was sind 22 Meter? Diese Angabe ist für den Leser zu komplex. Anders ist es, wenn es heißt: So hoch wie ein Finnwal lang ist. Plötzlich hat der Leser ein Bild im Kopf und kann sich mehr unter der Angabe vorstellen. Es gilt in einem Reiseführer nicht den Lesern mit Wikipedia Wissen oder Infos von Infotafeln zu langweilen, sondern für die vorgestellten Reiseziele zu begeistern. Dies gelingt 52 kleine & große Eskapaden im Harz nicht. Die Sprache in diesem Reisebuch, mag den Lesern von einem Blog genügen, für einen Dumont Reiseführer fallen die Texte eher schlicht aus. Deshalb geht auch völlig der essentielle Grund unter: Warum soll der Leser in den Harz fahren? Was ist hier so besonders und einzigartig? Diese grundlegenden Antworten für eine Motivation in den Harz zu reisen liefert das von uns rezensierte Buch nicht. Bei einem Reiseblog ist dies weniger von Belang, denn wer nach wenigen Zeilen feststellt, dass ihm dieser Text zu nichtssagend ist, der klickt weiter. Anders ist es bei einem gedruckten Reiseführer. Dieser kostet, in unserem Fall 14,99 Euro. Der Blog hingegen ist, in den meisten Fällen, kostenlos. Eine Unsitte von diesem Buch sind auch die vielen Hashtags. #sagenumwoben #Gipfelkreuz #Brockenblick wahrscheinlich dachte sich ein findiger Produktmanager im Verlag, dies peppt das Buch ein wenig auf. Das Ganze wirkt so deplatziert wie der Hashtag #achtungdrama oder #philosophisch bei den Brüdern Karamasow von Fjodor Michailowitsch Dostojewskij. Auch die Bibel lässt sich mit Hashtags verunstalten #auferstehung #martyrium Es stellt sich die Frage: Was hat der Leser davon? Nichts! So mangelt es diesem Reiseführer auch an anderen Mehrwerten für den Käufer und hier kommt Uwe Kopf wieder ins Spiel:

Der Mensch wird nicht dadurch zum Filmkritiker, dass er einen Film nacherzählt. Das kann meine Mutter auch.

Unsere Bewertung: Zwei von sechs möglichen Kompassen

Outdoor Buch Rezension: Eine Sammlung für die Hosentasche Spiel & Spass

Druckwerke aus Ministerien sind meistens weniger prickelnd. Gut gemeint, aber so trocken wie ein Gugelhupf, der 14 Tage auf der heißen Fensterbank lag. Es geht auch anders. Viel besser. Eindrucksvoll beweist dies das sächsische Staatsministerium für Kultus. und dem Buch “Eine Sammlung für die Hosentasche Spiel & Spass” Manches Buch aus renommierten Kinderbuchverlag reicht an diese Qualität nicht heran! Kurzweilig, Mehrwert für die Leser und graphisch ansprechend gestaltet. Mit diesen Worten lässt sich dieses Spielebuch charakterisieren. Aufgeteilt ist das Buch in die Kategorien

  • Alltagsmaterialien
  • Ballspiele
  • Laufspiele
  • Wahrnehmungsspiele
  • Alte Abzählreime

Die Macher von dieser Spielesammlung haben sich viel Arbeit gemacht und kommen ohne viel Geschwurbel auf den Punkt. Das Buch begeistert Eltern und Kinder. Sie lernen wie leicht sich Handtuchball spielen lässt, Dreieckfangen spannend sein kann oder Reifenspringen. Ideal für einen Spaziergang oder eine Wanderung wenn den Kleinen langweilig ist. Dank dem kleinen Format könnt Ihr dieses Spielebuch in die Hosentasche stecken und seid für Quengelattacken perfekt ausgerüstet. Mit hochwertigen Zeichnungen ist das Buch illustriert. Das Tollste an Eine Sammlung für die Hosentasche Spiel & Spass ist: Es kostet keinen Cent! Das sächsische Staatsministerium für Kultus gibt dieses hilfreiche Buch kostenlos heraus.

Unsere Bewertung: Sechs von sechs möglichen Kompassen

Outdoor Buch Vorstellung: Dumont Bildatals Eifel Aachen

Der amerikanische Zirkusunternehmer P.T. Barnum, seine Zirkusse hatten teilweise drei Managen paralell, soll zum Publikum gesagt haben: We have everything for everyone! Dies scheint auch das Motto vom Dumont Bildatlas Eifel Aachen zu sein. Der Titel hat die Nummer 152 und entsprechend erfahren ist der Verlag in diesem Bereich. Leider ist der Bildatlas ein schwer übersichtliches Sammelsurium. Zwar ist das Heft in verschiedene Kategorien wie Aachen, Nordeifel oder Ahrtal aufgeteilt, aber damit hört es sich schon auf mit der Ordnung. Der Leser braucht aber eine gewisse nachvollziehbare Gliederung. Entsprechend fallen die Sprünge zu den Themen aus: Von Karl den Großen zur Verkehrsplanung in Aachen. Doch welchen potenziellen Urlauber interessiert, warum ein Volksentscheid die “Campus-Bahn”(S 34 – 35) stoppte? Diese Doppelseite ist entbehrlich. Leider fehlt dieser Platz bei wirklich wichtigen Informationen zu Aachen. Auf eine Spalte sind die Sehenswürdigkeiten komprimiert. Wenig Struktur hat auch der Beitrag über die Südeifel “Von Bier, Burgen und und Felsen” (das dpplete Und kommt so tatsächlich so im Heft vor. Bei den zahlreichen Bildern handelt es sich um professionelle, aber unspektakuläre Fotos wie wir sie aus der Tourismusbranche gewöhnt sind. Solid gearbeitet wie ein VW Golf.

Unsere Bewertung: Drei von sechs möglichen Kompassen

Outdoor Buch Rezension: Alpen Dämonen

Die Kunst von einem außergewöhnlichen Journalisten besteht darin, dass Unbekannte im Bekannten zu finden. Eigentlich ist alles über Tirol geschrieben, was die Reiseführer an. Gleiches gilt für Südtirol. Auch über das Allgäu gibt es mehrere Regalmeter Wander- oder Freizeitführer. Nun kommt der ausgezeichnete, im tatsächlichen Sinne, Carsten Peter und beweist mit dem Bildband “Alpen Dämonen” das Gegenteil. Ja es gibt noch das Exotische und völlig Unentdeckte in den Alpen, abseits der Touristenschließfächer mit angeschlossenen Spaßbädern. Beeindruckende Fotos zeigt Carsten Peter aus dem Allgäu sowie dem Berchtesgadener Land, Tirol, Südtirol, der Schweiz, dem Salzburger Land, der Steiermark und Oberösterreich. Was es hier zu sehen gibt, fällt aus unserer engen Welt, in der fast schon jeder Quadratmeter von Instagram Bloggern fotografiert und ins Netz gestellt ist. Geheimnisse sind eigentlich ausgeschlossen. Hier zeigt sich der erhebliche Unterschied zwischen dem schnellebigen und oberflächlichen Agieren in den sozialen Medien. Wer Trolltunga in einer Internetsuchmaschine eingibt, der bekommt die geballte Langeweile. Tausende von Fotos zeigen dasselebe: Ein Steintisch, der über einen Fjord hinausragt. Manche lassen sich von hinten fotografieren oder knipsen ihre Wanderschuhe die über dem Abgrund baumeln. Originell sieht anders aus. Zu was ein Profi fähig ist, beweist Carsten Peter in dem Buch Alpen Dämonen, erschienen bei National Geographic. Auf Seite 119 “Die Wampeler aus dem Inntal” bekommt der Betrachter, dank der ausgeklügelten Perspektive, den Eindruck mitten in dem Gerangel der Wampeler verwickelt zu sein oder auf den Seiten 194, 195 “Vom Faschingsrennen” nimmt der professionelle Fotograf einen außergewöhnlichen Standort ein, als das Brautpaar durch das Spalier der Faschen mit ihren ungewöhnlichen Hüten spaziert. Die Fotos der Flinserlnkostüme wirken wie aus einem Scienefiction Film oder einer völlig anderen Kultur. Beeindruckender kann der Unterschied zwischen trivialen Knipsen von Motiven die zigtausendmale online zu sehen sind, zu hochwertigen professionellen Fotos kaum sein. Ein durch und durch gelungenes Buch, es macht Lust darauf, dass Unbekannte im Bekannten zu entdecken.

Unsere Bewertung: Sechs von sechs möglichen Kompassen

Outdoor Buch Vorstellung: Dümpel bei den Glitzerfischen

Geomar. Dabei handelt es sich nicht um ein neues Fach in der Schule. Geomar ist das Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Weltweit haben die Experten vom Geomar einen hervorragenden Ruf. So weisen auch die Forscher darauf hin, wie stark die Weltmeere verschmutzen und sich stetig aufwärmen. Verursacht durch den Menschen. Mit dem Buch Dümpel bei den Glitzerfischen lernen Eltern und Kinder was es mit Makro- und Mikroplastik in den Meeren auf sich hat. Wozu der Sauerstoffmangel im Wasser führt und was die Versauerung der Ozeane ist. Alles ohne erhobenen Zeigefinger. Die spannende Geschichte haben künstlerisch die Kinder der evangelischen Kita Hasseldiecksdamm Kiel gestaltet. Ein Design, dass sich von den 3 D Grafiken anderer Kinderbücher wohltuend abhebt. Aus dem Müll der bei einem Frühstück übrig blieb, gestalteten die Kinder dieses Kunstprojekt. Spannender kann ein Kinderbuch grafisch kaum sein. Gedruckt ist das Buch klimaneutral auf 100% Altpapier. Die Geschichte ist kurzweilig und der Lerneffekt stellt sich ein. Den Plot von Dümpel bei den Glitzerfischen behalten wir für uns…..

Unsere Bewertung: Sechs von sechs möglichen Kompassen

Outdoor Buch Rezension: Hüter der Zeit

Früher, bevor die Digitalfotografie aufkam, ist der Fotograf ein angesehener Beruf gewesen. Er bewegte sich zwischen einem Ingenieur und Künstler. Zum einen musste der Fotograf die Technik seiner Kamera beherrschen, zum anderen brauchte er den Blick eines Malers für den Bildaufbau. Heinz Wohner geht in seinem Bildband “Hüter der Zeit”, erschienen bei Frederking&Thaler, noch einen radikalen künstlerischen Schritt weiter! Er fotografierte die 120 der ältesten Bäume Deutschlands mit einer analogen Kamera (Womo Fahrer bitte analog googeln!) und kolorierte die Fotos alle per Hand nach. Eine Technik, die nahezu in Vergessenheit geraten ist. Dazu braucht es viel handwerkliches Geschick, Zeit, eine ruhige Hand und Eiweißlasurfarben mit Abdecklack. Eine Technik, die schon zu Kaiser´s Zeiten die Fotografen anwandten. Warum, so stellt sich die Frage, geht Heinz Wohner einen derartig radikalen Schritt zurück?Es gibt doch Programme mit denen sich Fotos digital bearbeiten lassen oder bestimmte Effekte die sich bereits in der Kamera anwählbar sind wie Sepia Effekte. Wohner geht mit diesem gelungenen Buch zurück zu den Wurzeln. Damit sind wir schon bei den Protagonisten: Die ältesten Bäume Deutschlands. Von den Kastanien bei Gute Horst im Norden der Republik, bis zu Linde bei Ramsau im Berchtesgadener Land. Wohner kennt diese Methusaleme alle. Unterteilt sind die diese uralten Bäume in Holly Wood. Hier sind sakrale Figuren an den Bäumen angebracht. Bei “Dancing Queens” sind die Tanzlinden zusammengefasst. “Law and Order” erklärt die Gerichtsbäume. Hier saßen unsere Vorfahren zusammen um Recht zu sprechen und vollstreckten teilweise sofort die gefällten Urteile am Baum. Wohner schafft es, dass die Leser ein Bewusstsein für das Alter und die Geschichte dieser Bäume zu bekommen. Nicht nur Brücken aus dem Mittelalter oder historische Fachwerkhäuser sind Denkmäler, auch Bäume fallen unter diese Kategorie. Perfekt in szene gesetzt sind diese Eichen, Dorflinden und Süntelbuchen. Es lohnt sich mit den Kindern zu dem einen oder anderen uralten Baum zu radeln oder zu wandern.

Unsere Bewertung: Sechs von sechs möglichen Kompassen

Outdoor Buch Rezension: Zürich, Litauen und Insekten!

Heute haben wir für Euch gelesen und manche eine Outdoor Buch Rezension verfasst. “Rund um Zürich”, “Litauen” und “Bei dir summt´s wohl” haben wir für Euch gelesen und dazu eine Kritik geschrieben. Welches Outdoor Buch gut davon gekommen ist und welches weniger überzeugte, könnt Ihr bei uns nachlesen.

48. So viele Viertausender gibt es in der Schweiz. Doch wer in der Eidgenossenschaft wandern möchte, muss nicht immer die Steigeisen und die Eisgeräte dabei haben. Viele gemütliche Wanderungen erwarten die Outdoor Familien zwischen dem Rheinfall und dem Genfersee. Der Schweizer Autor Rene P. Moor hat in den 80ern eine Trekkingagentur gegründet und hat sämtliche Landesteile der Eidgenossenschaft erwandert. Mit dem Buch “Rund um Zürich” bietet er im Bergverlag Rother ein neues Werk an. “Zwischen Schaffhausen und Gotthard” heißt es im Zusatz auf der Titelseite und damit sind wir schon in einem Dilemma. Von Zürich bis zum Gotthardpass sind es etwa 170 bis 190 Kilometer Luftlinie. Somit finden sich auch Touren in dem Buch “‘Rund um Zürich” die sich in den Glarner und Urner Alpen befinden. Vergleichbar ist dies mit einem Wanderführer der sich “Rund um Frankfurt am Main” nennt und Teile des Thüringer Waldes beinhaltet. Meiningen ist von der Mainmetropole so weit entfernt wie Zürich vom Gotthardpass. Die Touren in den Glarner und Urner Alpen sind bekannt, aber richtig glänzt der Autor, wenn er Wanderungen beschreibt die tatsächlich im näheren Umfeld von Zürich sind. Wie die Tour über die Lägeren (Tour Nummer zwei) im Zürcher Mittelland oder Cholfirst und Rheinfall im Zürcher Weinland (Tour Nummer 52).

Hier punktet Rene Moor. Ein großer Pluspunkt ist auch, dass sämtliche Fotografien in dem Buch vom Autoren selbst stammen. Bei den Bildern handelt es sich nicht um penetrante Instagram Selfiesa, sondern um handwerklich ordentlich komponierte Aufnahmen. Hierbei zeigt sich, dass Rene Moor ein sensibler Beobachter der Berge ist. Weniger umsichtig ist die Kategorisierung der einzelnen Touren. Von den 52 Touren sind 29 für Kinder geeignet. Alle Wanderungen dauern mindestens fünf Stunden. Beispielhaft ist die Tour 14 Gräfimattstand und Arvigrat. Das Anforderungsprofil entspricht T3 der SAC Skala und dazu gehört auch “zum Teil exponierte Stellen mit Absturzgefahr”. Manche Kinder und Eltern kommen hier an ihre Grenzen. Gut ist der praktische Teil am Anfang des Buches. Hier gibt es hilfreiche allgemeine Tipps zur Tourenplanung und dem richtigen Verhalten in den Bergen.

Unsere Bewertung: Vier von sechs Kompassen

Outdoor Buch Rezension: Litauen, Handbuch für individuelles Reisen

Noch sind die baltischen Staaten eher weiße Flecken auf der Urlaubskarte von vielen Deutschen. Die Masse zieht es in den sonnigen Süden und alle die es lieber kühler wollen, fahren nach Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark oder fliegen nach Island. Die Insel quoll letztes Jahr vor Touristen über. 1991 erschien erstmals “Litauen Handbuch für individuelles Entdecken” im Reise Know How Verlag. Uns lag die neunte Auflage zur Outdoor Buch Rezension vor. Grob geschätzt sind etwa die Hälfte der Fotos in diesem Buch vom Autoren Günther Schäfer. Das Durchblättern macht Lust darauf, Litauen zu entdecken. Kultur und Outdoor sind in diesem baltischen Staat eine gute Kombination. Die Beschreibungen sind gut und verlieren sind regelmäßig in Details. Das Kaunas (S 126) 1408 das Magdeburger Stadtrecht erhielt, dürfte für den Standardtouristen eher weniger von Interesse sein.

Gut kam bei unsere Oudoor Buch Rezension das Handbuch “Litauen” davon. foto (c) Reise Know How Verlag

Gut gelungen sind die Beschreibungen der Nationalparks Aukstaitija (S. 329), kurische Nehrung (239), Dzukija (S 116), Trakai (S. 96) und Zemaitija (283). Beispielhaft sind diese Nationalparks für Litauen und die abwechslungsreiche Natur. Von Mooren, tiefen Kiefernwäldern, malerische Sandstrände und pittoreske Seenlandschaften ist alles geboten. Gut aufbereitet präsentiert sich das Handbuch “Litauen” und es finden sich auch ungewöhnliche Aspekte wie der Aberglaube. So gehen die Litauer, laut dem Autoren Günther Schäfer, davon aus, dass pfeifen im Haus Unglück bringt. Wem bei Tisch eine Gabel herunterfällt, so der Aberglaube, bekommt Besuch von einer Frau und wenn das Messer zu Boden geht, soll dies auf den Besuch von einem Mann hinweisen.

Unsere Bewertung: Vier von sechs möglichen Kompassen

Outdoor Buch Rezension: Bei dir summt´s wohl!

In den letzten 25 Jahren ging die Population der Insekten in Deutschland um 25% zurück. Die Tobias Köcherfliege ist Ende der 70er für immer in unserem Land verschwunden. Es ist ein leises Sterben. Aber warum, so fragen sich eher schlichtere Zeitgenossen, sollten wir die Insekten vermissen? Weil sie ein wichtiger Baustein im Mosaik der Natur sind. Unter dem Verschwinden der Insekten leiden auch andere Arten und sind deswegen vom Aussterben bedroht. “Bei dir summt´s wohl!” ist ein Buch von Bärbel Oftring und im Kosmos Verlag erschienen. Mehr als 150 verschiedene Insekten sind darin mit Fotos vorgestellt. Gegliedert ist das Buch in braune und schwarze Insekten (ab Seite 12), schwarz-gelbe und schwarz-rote Insekten (ab Seite 66) sowie bunte und weiße Insekten (ab Seite 100). In diesem Buch lernen die Kinder und Erwachsenen, dass der Braune Bär kein Häuptling oder ein Speiseeis ist, dass es sich beim mittleren Weinschwärmer um keinen Alkoholiker handelt und die Gammaeule nicht zu den Vögeln gehört. In diesem Sachbuch gibt es immer wieder Hinweise wie sich die Insekten unterstützen lassen (S 89) wie mit dem Bau von Nisthilfen für unterirdisch nistende Hummeln. Leider kommen diese Tipps etwas zu kurz. So finden sich in der vorderen Klappe vom Buch zehn Tipps für mehr Insekten im Garten. Oftring zeigt auch auf, Seite 8 bis 9, warum Insekten für die Natur wichtig sind (Bestäubung, Stoffkreislauf, Nahrungstiere, sich untereinander in Schach halten). Auch die Gründe für das Sterben der Insekten reisst die Autorin an. Bei den Steckbriefen der einzelnen Insekten ist neben dem Namen auch

  • die Länge
  • Flugzeit
  • Vorkommen
  • Nahrung

angegeben. Ein solide aufbereiteter Naturführer, dem aber das gewisse Etwas fehlt.

Fünf von sechs möglichen Kompassen:

Outdoor Buch Rezension: Die Kunst des Gehens

Outdoor Bücher können motivieren, neue Ideen geben oder nachdenklich stimmen. Sie können auch Fragen aufwerfen oder nur langweilig sein, wenn es sich um inhaltsfreie Selbstdarstellung handelt. Uns kamen von hervorragenden Büchern bis zu entbehrlichen Werken dieses mal alles unter die Leselampe. An dieser Stelle noch ein Hinweis: Wir haben keines der vorgestellten rezensierten Outdoor Bücher über einen Verlag erhalten, sondern uns selbst organisiert.

Einen Text in der Ich-Form akzeptiere ich nur in Ausnahmefällen……Wer meint, sich als Autor in Porträts oder Rezensionen einbringen zu müssen, der nimmt sich zu wichtig

schrieb der Textchef und anerkannte Journalist Uwe Kopf an seine lieben Kollegen vom damaligen Lifestyle Magazin TEMPO. Ein Ratschlag, der den Büchern von Christo Foerster auch gut täte. Nach seiner Vita, ließ er sich an der Berliner Journalistenschule ausbilden und ist leitender Redakteur von Fit for Fun und Men´s Fitness gewesen. Der Autor muss sich deshalb mit einem deutlich höheren Maßstab messen lassen.

Das Titelbild sagt alles: Hier geht es nur um die vermeintlichen Oudoorheldentaten des Autoren. foto (c) kinderoutdoor.de / HarperCollins Germany

Das Titelfoto, in Selfiemanier aufgenommen, zeigt worum es in diesem Buch geht: Um Christo Foerster. Eine journalistischer Text soll auch Bilder erzeugen und so beginnt das Buch auf Seite 9 mit einer unglaublichen Beobachtung: “Als ich gerade zwei Möwen beobachtete, die sich um die heruntergefallenen Currywurst-Reste von einem älteren Herren in Touristenmontur streiten…” Lothar-Günther Buchheim schaffte es, über mehrere Seiten einen zerstörten Platz einer franzöischen Hafenstadt zu beschreiben ohne, dass bei dem Leser Langeweile aufkommt und vor dessen geistigen Auge plötzlich diese Szenerie entsteht. Doch derartiges gelingt nur wahren Ausnahmeautoren. Christo Foerster kredenzt hier lieber Triviales wie auf Seite 10, dass etwa 400 Menschen ohne Zelt die Nacht draußen zu verbringen. Was will uns der Autor damit sagen? Dass er Massen begeistert? Im Klappentext steht auch, in aller Bescheidenheit, dass der Autor das Fitnesskonzept “Junglefit” entwickelt hat. Das passt ins Bild zu den Qualitätsmagazinen für die er gearbeitet hat. Hier kommen auch wertvolle Beiträge über Bodyhacking und andere tiefgreifende Dinge. Auf Seite 18 rutscht er völlig ab. Hier setzt sich der Autor mit den kruden Thesen von Rhonda Byrne auseinander und dem völlig substanzlosen “Gesetz der Anziehung”. Ein wilder Mix aus verschiedenen Religionen, philosophischen Strömungen und unhaltbaren Behauptungen. Mit Zitaten, deren Echheit nicht zu überprüfen ist, geben ihm Leser/innen Recht wie “Christo ist ein Macher, dass spürt man sofort Marcel” Claqueure gab es bereits vor über hundert Jahren, sie klatschten wie wild Beifall in den Opernhäusern und Theatern. Gegen Geld bejubelten sie, die noch so mißglückteste Aufführung. Das Buch rundet Foerster mit Fotos von Mikroabenteuern ab. Die Motive sind, zigtausendmal gesehene Instagram Werke. Morgenstimmung in der Hängematte, Füße mit Wanderschuhen vor einem Gletscher, ein Kanu im Wasser. Alles nur nicht besonders originell und motivierend. Manche seiner Schilderungen sind langatmig und kommen kaum auf den Punkt.

Einen Text in der Ich-Form akzeptiere ich nur in Ausnahmefällen……Wer meint, sich als Autor in Porträts oder Rezensionen einbringen zu müssen, der nimmt sich zu wichtig

Das Buch erreicht einen Tiefpunkt bei der zäh geschilderten SUP Tour nach Helgoland. Wenn Bergheroen wie Reinhold Messner oder der Extremkletterer Alexander Huber in der Ich Form schreiben, ist dies perfekt, denn solche Leute haben tatsächlich etwas Besonderes geleistet. Foerster leistet sich Sätze wie ” Auf dem breiten Board bin ich mittlerweile traumwandlerisch unterwegs” (S 127). Ein wenig Bescheidenheit ist oft ganz hilfreich. Drapiert ist dieses weniger gelungene Buch mit Fotos, die wie ein Aufguss aus Instagram wirken (S 157 und 158). Ein exzellenter Selbstdarsteller, vom Journalistischen betrachtet eher zweitklassig. Es bietet dem Leser keinen Mehrwert und es fehlen die besonderen Abenteuer. Alles schon mal dagewesen. Herausgekommen ist eine Melange aus Allerwelts-Motivationssprüchen, Selbstdarstellung und seltsamer Pseudo-Philosophie.

  • Christo Foerster “Raus und machen”
  • Verlag: HarperCollins Germany
  • 278 Seiten
  • Preis: 14,99 Euro D / 15,50 Euro A

Unsere Bewertung: Null von sechs möglichen Kompassen.

Mikroabenteuer: Shutterstock sei Dank!

Es lastet auf dieser Zeit, der Fluch der Mittelmäßigkeit

schrieb am 7. Juli 1931 der grandiose Satiriker Kurt Tucholsky in der Weltbühne. Wie lässt sich ein Buch einordnen, dessen meisten Fotos (alle in schwarz weiß) von Shutterstock stammen. Das Bild auf Seite 117 mit der Zugspitze stammt von Shutterstock. Foerster stellt darüber die 16 Summits der Bundesländer vor. Eine Idee die schon etwas angestaubt ist. Es ist verwunderlich, warum der Verlag in diesem Buch auf Shutterstock Fotos zurückgreift, der Autos fotografiert doch gerne; vor allem sich selbst für die sozialen Medien. Hier hätte doch perfekt ein Bild mit Foerster vor der Zugspitze gepasst. Auf Seite 140, wieder bebildert dank Shutterstock, leistet sich der Autor einen Offenbarungseid. Hier geht es um die Arbeit mit Karte um Kompass. Dazu empfiehlt Foerster, die mitgelieferte Gebrauchsanweisung zu nutzen oder sich im Internet schlau zu machen. Das Ganze ist vergleichbar, mit einem Veganer der über die Zubereitung von einem Schweinebraten schreibt. Was an diesem Buch auch auffällt, dass immer wieder Produktempfehlungen mit Preisen auftauchen. Derartiges hat sich bei Qualitätsdruckwerken wie Fit for Fun eingebürgert, müssen solche Produktplatzierungen auch in Büchern sein? Die auf Seite 137 beschriebene Art mit dem “Feuerbohrer” den Zunder zu entzünden hat nur zwei große Nachteile: Dazu braucht es Übung und Zeit. Hier empfiehlt der Autos: Recherchiere weiter und probiere es aus. Ob er selbst schon einmal auf diese Weise Feuer entfacht hat? Bei der Zeichentrickfigur Yakari oder den Aborigines mag dies in wenigen Minuten funktionieren. Andere Methoden die deutlich einfacher sind, wie mit dem Feuerstahl, erwähnt der Autor nicht. Sicher sind sie ihm aber bekannt. Interessanterweise kommen Taschenmesser und deren Gebrauch in diesem Buch nur homöopathisch vor.

Allgemeinplätze, Shutterstock Fotos und wenig hilfreich “Mikroabenteuer”. foto (c) Kinderoutdoor.de / Harper Collins Deutschland

Verstört könnten manche Allgäuer von dem Mikroabenteuer in und um München sein. Dort steht auf Seite 302 “Am magischen Schrecksee” Bad Hindelang zum Großraum München rechnen, dass ist mutig oder könnte ein Hinweis auf wenig Kenntnisse von den Begebenheit vor Ort sein. Richtig ist zumindest, dass der Schrecksee leider völlig überlaufen und als Party-Area missbraucht ist. Doch warum stellt der Autor diesen wie eine Münchener U-Bahnstation frequentierten Ort eigentlich vor? Wahrscheinlich weil sich für Instagram dort so tolle Fotos machen lassen. Die Wegbeschreibung ist auf jeden sehr mangelhaft. In diesem Buch finden Outdoorer wenig Neues oder Hilfreiches, dafür eine Menge diskret platzierte Empfehlungen für Outdoor-Produkte und Oberflächliches. Die langweiligen und altbekannten Outdoor Rezepte wirken so, als sollten sie in diesem Buch auf die Schnelle ein paar Seiten füllen. Auffällig ist hier, dass es keine Bebilderung gibt. Dabei fotografiert sich doch der Autor selbst so gerne, warum nicht mal ein Foto am Lagerfeuer oder Gaskocher? Auf jenen Fotos, die mal nicht von Shutterstock sind, sieht der Leser häufig den Autor posen um sich als Outdoorer zu produzieren. Hier gefällt sich einer selbst sehr gut. Mövenpick Outdoorer, die ganz originell mit dem Womo/VW Bulli / umgebauten Feuerwehrauto/ ausrangierten Sanka/ Leichenauto oder Bergepanzer sich an Dünen erfreuen, wenn es dort Stromanschluss und WLAN hat, können vielleicht mit diesem Buch etwas anfangen. Wie heißt es bei Tucholsky weiter:

Hast Du einen schwachen Magen?

Kannst Du keine Wahrheit vertragen?

Bist also nur ein Grießbreifresser?

Ja dann…..Ja dann verdienst Du es nicht besser!

  • Christo Foerster “Mikroabenteuer
  • Verlag: HarperCollins Germany
  • 276 SeitenPreis: 9,99 Euro D / 10,30 Euro A

Unsere Bewertung: Null von sechs möglichen Kompassen

Berührt im Innersten: Gehen Weiter Gehen

Als erster Mensch am Südpol ohne externe Unterstützung. Dasselbe mit einer Expedition am Nordpol und später stand Erling Kagge auf dem Mount Everest. Mit keinem Selfie in dem er grenzdebil grinst quält Kagge seine Leser. Dabei hat der Norweger wirklich eine Menge zu erzählen. Perfekt formuliert und ohne Geschwurbel präsentieren sich die Texte in seinem Buch “Gehen Weiter Gehen”. Eine solche reife Persönlichkeit muss keinen Kult um seine eigene Person betreiben. Hier reflektiert ein Intellektueller über das Gehen. Dabei schafft es Kagge das Innerste seiner Leser auf sanfte Art zu berühren. Erst Sekunden oder Minuten nach dem Lesen seiner Zeilen, kommt der “Aha-Moment”.

Ein Meisterwerk für alle die gerne selbst denken und ohne Instagram leben können. Foto (c) Kinderoutdoor.de / insel Verlag

“Einen Fuß vor den anderen zu setzen, gehört mit zum Wichtigsten, was wir tun” (S. 20) Für eine derartige Aussage gehört sich eine Portion Mut und Erkenntnis. Tempo ist für die meisten angesagt. Statt zu Fuß zu gehen setzen wir auf Immobilität in SUV´s und anderen PS Boliden, oder stehen auf Strom betriebenen Rollern sowie Segways. Fußgänger erscheinen dagegen so flott wie Schildkröten und als zu umfahrende Hindernisse. Aber warum haben wir es denn so eilig? In einem Satz schafft es der Abenteurer viel Wahrheit zu packen, die manchen Leser vielleicht zu viel ist. “”Der Gang eines Menschen kann mehr über ihn erzählen als sein Gesicht”. Hier lohnt es sich auf den eigenen Gang zu achten. Hetzen wir dahin? Schlurfen wir mit den Füßen über den Boden oder berühren wir ihn kaum? Was beeinflusst unseren Gang? Kagge bietet hier keine billigen Lösungen mit abgedroschen Phrasen Managementlehre an, sondern lässt den Leser bewusst alleine die Antwort zu finden. Er selbst gibt, in kurzen präzisen Worten eine eindrucksvolle Antwort “Am liebsten gehe ich, bis ich beinahe zusammenbreche. Ich will das Glück, die Erschöpfung und Absurdität beim Gehen spüren, wenn sich alles vermischt und ich nichts mehr trennen kann” (S 117) Wer so ehrlich zu sich selbst und den Lesern ist, steht über den Followerzahlen und Likes. Für so einen demütigen Menschen ist die Natur mehr, als nur die Staffage für ein Instagramfoto. Ein leises, unaufdringliches, anregendes und nachdenkliches Buch. Ein Meisterwerk.

  • Erling Kagge “Gehen Weiter Gehen”
  • Verlag: Insel
  • 160 Seiten
  • Preis: 16,00 Euro D / 16,50 Euro A

Sechs von sechs möglichen Kompassen.

Manuel Andrack wandert mit Kindern

Große Bekanntheit genießt der Journalist Manuel Andrack. Gerne auch als Wanderpapst bezeichnet. Er schafft dabei ein Kunststück, an dem manche Journalisten verzweifeln. Geschrieben kommen seine Texte und Pointen ebenso gut an, wie im Hörfunk oder Fernsehen. In seinem Buchn”Mit Kindern wandern” stellt er Touren quer durch die Republik vor. Ehrlich beschreibt Andrack auch, wie die Stimmung bei einer Familientour plötzlich in den Keller rutschen kann (S. 131) und wie sich dieses emotionale Tief wieder aufklaren lässt. In diesem Wanderbuch bietet Andrack keine klassischen Tourenbeschreibungen an, sondern verwebt diese mit Kurzgeschichten aus seinem Familienleben. Manche Eltern erkennen sich dort sicher wieder und Andrack beschreibt was für ein Glück es sein kann, mit den Kindern nach den Zahlen der Markierung vom Wanderweg zu suchen (S 74).

Die Illustration kann leider bei der hohen Qualität der Texte nicht mithalten. foto (c) Kinderoutdoor.de / Pieper Verlag

Die Texte sind unterhaltsam, kurzweilig und professionell. Eigentlich ein gutes Fundament für ein Buch. Leider mangelt es an Dingen, die der Autor nicht zu verantworten hat. Die 26 Touren, es fehlen lediglich die drei Stadtstaaten, führen quer durch Deutschland. Leider sind die Touren nur als grobe Zeichnungen skizziert. Es fehlten Längenangaben, Dauer und Höhenmeter. Solche Angaben sind aber wichtig, um eine Wanderung mit Kindern planen zu können. In der Mitte des Buches befinden sich die Fotos, alle vom Autoren selbst gemacht, und das zerstört auch den guten Eindruck von diesem Werk. So sind die einzelnen Touren beim Lesen Bleiwüsten und es fehlt eine Auflockerung durch Fotos.

  • Manuel Andrack “Mit Kindern wandern”
  • Verlag: Pieper
  • 208 Seiten
  • Preis: 14,00 Euro D / 14,40 Euro A

Unsere Bewertung: Vier von sechs möglichen Kompassen

Inspirierend: Stock&Stein

Wenn die Bücher von Christo Foerster ein Extrem sind, was die übertriebene Selbstdarstellung von Autoren angeht, so ist das Buch von Jarle Jäger ein Gegenpol dazu. Ein interessanter und wohltuender. Das Konterfei von Jäger fehlt komplett. Ebenso vermeintliche Outdoorheldentaten, die er in der Ich Form schreibt. Es ist ein gelungenes Sachbuch, dass unterhaltsam ist, Mehrwerte bietet und angenehm zurückhaltend ist. Im Unterschied zu den Foerster Büchern bekommen hier die Leser hilfreiche Tipps. Für Mövenpick Outdoorer ist diese Lektüre weniger etwas, denn dazu müssten sich die Instagram Poser tatsächlich auf die Natur und ihre Abenteuer einlassen.

Geniales und unterhaltsames Sachbuch für alle Nicht-Mövenpick-Outdoorer. foto (c) kinderoutdoor.de / Lübbe Verlag

So stehen auf Seite 191 Trekkingplätze in Deutschland. Kurz und trotzdem informativ. Aufgebaut ist das Buch Stock&Stein nach den Monaten und beginnt logischerweise mit dem Januar. Anstatt auf Shutterstockfotos, verlässt sich der Verlag auf wenige Zeichnungen und es gelingt minimalistisch das Buch zu illustrieren. In jedem Monat gibt es eine Wanderung des Monats. Im Juni ist dies der Soonwaldsteig (Seite 160) mit allen wichtigen Angaben die Outdoorer für die Planung brauchen Sänger schafft es mit wenigen Worten den Lesern die entscheidenden Impulse zu geben. So wie auf Seite 211: Regionen für Hüttentouren die als eher einsam gelten. Fundiert und teilweise originell sind die Tipps sich draußen zu orientieren. Bekannte Tipps wie Ameisenhaufen oder Bäume an denen sich die Himmelsrichtung ablesen lässt sind dabei, aber auch ungewöhnliche Hinweise, wie die Weinberge. Diese sind immer in den Süden ausgerichtet. Bei der Ausrüstung des Monats beweist Sänger auch Kompetenz und zeigt, wie sich seriös solche Packlisten zusammenstellen lassen, ohne dabei auch nur einmal einen Hersteller zu erwähnen. Wissenswertes für die breite Leserschaft bietet er, vestreut über das ganze Buch, an. Dazu gehören auch die AV- und SAC Skala. (S 186 und 187). Stock&Stein kommt ohne Geschwurbel aus und bietet Mehrwerte.

  • Jarle Sänger “Stock&Stein Das Buch vom Wandern”
  • Lübbe Verlag
  • 336 Seiten

Unsere Bewertung: Sechs von sechs möglichen Kompassen

Schneidig:Einfach schnitzen

Von wegen gute Schnitzbücher müssen eine bestimmte Farbe haben. Celinar Muire, eine texanische Holzwerkerin, erhebt nicht den Anspruch das Schnitzen erfunden zu haben und Ihr ist der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen. Was an diesem hochwertig gestalteten Buch auffällt: Alle Fotos entstanden im Zuge des Buches. Es ist kein Bild extern hinzugekommen. In “Einfach schnitzen” geht es weniger um die Handhabung vom Taschenmesser, sondern um die Bearbeitung von Holz mit Stechbeitel, Hammer und Säge. Entsprechend erwachsen sind auch die Texte. Muire schafft es, die Kapitel Holz auswählen (S. 14) und Werkzeugkunde (S. 20) auf das Notwendigste zu begrenzen. Mancher Schnitzautor findet an Ihr ein gutes Beispiel. Auch ist Muire jegliche Ideologie über das Schnitzen fremd. Ein völlig unaufgeregtes Sachbuch.

Mit dem Taschenmesser ist hier nichts mehr zu gewinnen. Foto (c) kinderoutdoor.de / Verlag Eugen Ulmer

Die Grundlegenden Schnitztechniken, Materialien und Werkzeuge (S 11 bis 46) nehmen nur ein Drittel des gesamten Buches ein. Das können manchen Autorinnen und Autoren locker überbieten. Entsprechend hoch ist der praktische Wert von diesem fein gestalteten Buch. Bei den zwölf Projekten erwartet die angehenden Schnitzer praktisches für die Küche (S 51 bis 90) oder Haushaltsutensilien (S 97 bis 124). Vorlagen runden das gelungene Schnitzbuch ab. Bemerkenswert ist daran auch, dass sich die Autorin nie in den Mittelpunkt stellt und nur auf selten Fotos zu sehen ist. Schließlich liegt der Fokus auf dem Schnitzen. Die einzelnen Anleitungen sind Schritt für Schritt aufgebaut. Textliches Drumherum fehlt hier. Murie kommt sofort zur Sache. Bei jeder Schnitzanleitung gehören auch eine Materialliste dazu. Was fehlt ist die Angabe von einem Grad der Schwierigkeit.

  • Celina Muire “Einfach schnitzen 12 kleine Kunstwerke für Einsteiger”
  • Verlag Eugen Ulmer
  • 144 Seiten
  • 19,95 Euro D 20,60 Euro A

Unsere Bewertung: Fünf von sechs möglichen Kompassen

Schnell geschnitzt: Weniger ist manchmal zu wenig

Jögge Sundqvist zeigt typische skandinavische Schnitzarbeiten in seinem Buch “Schnell geschnitzt für Küche und Garten”. Ein wenig holpert es im Aufbau. So kommen die Seiten über das Arbeiten mit Grünholz (S 72) oder dem Malen mit Leinölfarbe (S 78) erst zum Schluss. Eigentlich sind die Kapietal am Anfang besser positioniert, denn dieses Wissen sollten die Bastler haben, bevor sie loslegen.

Zu knappe Erklärungen, aber dafür ist teilweise viel Werkzeug nötig. Foto (c) kinderoutdoor.de / LV Buch

Manche der vorgestellten Schnitzarbeiten wie der Pfannenwender (S 28 und 29) lassen sich mit dem Taschen- oder Schnitzmesser umsetzen. Für andere, wie die auf den ersten Blick einfach wirkende Minileiter aus Ästen (S 66) sind eine Schraubzwinge, Spiralbohrer, Hammer, Pinsel, Axt und noch mehr an Werkzeug nötig. Beschrieben sind die einzelnen Projekte nur mit Worten und es ist nur das fertige Werkstück auf dem Fotos zu sehen. Das ist für Anfänger zu wenig. Um sich orientieren zu können hat der Verlag die einzelnen der 20 Schnitzideen mit Schwierigkeitsgraden versehen. Für Anfänger ist dieses Buch weniger geeignet und nur für Schnitzer, die entsprechend ausgerüstet sind.

  • Jögge Sundqvist “Schnell geschnitzt für Küche und Garten”
  • LV Buch
  • 96 Seiten
  • 8,99 Euro

Unsere Bewertung drei von sechs möglichen Kompassen

Survivalbücher gibt es bald, gefühlt, so viele wie Kochbücher. Trotzdem freuen sich die Hersteller von tiefgekühlter Kost über neue Umsatzrekorde. Sollte es mit den Outdoor Büchern gar auch so sein? Wir haben fünf Werke für Euch gelesen, denn die Bewertungssterne sind bekanntlich so hilfreich, wie der Wetterbericht vor 14 Tagen. Vom literarischen Debakel bist zu einem wirklich gelungenen Naturführer hatten wir alles dabei.

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Outdoor Bücher Rezension: Die Kunst Feuer zu machen, macht Lust auf mehr. Foto (c) kinderoutdoor.de/Fischer Verlag

Die Verlagsbranche ist unglaublich einfallsreich. Da kam doch ein ganz schlauer Kopf irgendwann einmal darauf, den Einband von einem Buch in Holzoptik zu gestalten. Das ist so originell wie Kaffee in Pappbechern und Deckeln auszuschenken oder über das Internet bestellte Speisen mit Kurier an die Haustüre anzuliefern. Tolle Ideen, die unglaublich einzigartig sind. Oder den Untertitel mit “für echte Männer” versehen. Chapeau! “The Art of Fire. the Joy of Tinder, Spark and Embre” so der ursprüngliche Titel von Daniel Humes Buch. Sein deutscher Verlag übersetzte das Ganze etwas frei “Die Kunst Feuer zu machen. Das Buch für echte Männer” Inhaltlich überzeugt das Werk. Daniel Hume hat auf der ganzen Welt Methoden gesammelt, wie die Menschen Feuer machen. Im Gegensatz zu einem ähnlichen Buch, Feuer machen aus dem AT Verlag, stellt sich hier der Autor völlig in den Hintergrund. Hume geht es darum die verschiedenen Techniken zu zeigen bei denen der wertvolle Funke entsteht und sich weniger als den harten, Wind- und Wettergestählten Outdoorhelden zu produzieren. Manche Tipps jedoch sind etwas schwer oder gar nicht nachzuvollziehen. So beschreibt er, wie sich mit einem ganz speziellen Bambus und einer Porzellanscherbe Feuer machen lässt (Seite 189 ff). Dieser Bambus ist aber so speziell, dass selbst der Autor nicht den exakten Namen davon in seinem Buch erwähnt. Der Nutzwert tendiert deshalb gleich Null. Anders hingegen ist detaillreiche gedschildert, wie sich die Bambus-Feuersäge einsetzen lässt. Dazu genügt ganz “schnöder” Bambus. Gut bebildert und spannend geschrieben. Auch hier punktet das Buch von Hume ganz klar gegenüber dem Werk aus dem AT Verlag. Vom Aufbau des Feuers, Abbau der Feuerstelle, Zunderherstellung und vieles mehr zeigt Hume auf, was wichtig ist. Wahrscheinlich konnte er mit seiner exotischen Sammlung an Feuermethoden manche Technik vor dem Vergessen retten. Einmal taucht ein Foto vom Autoren auf: Auf der letzten Seite. Es geht auch ohne penetrante Selbstdarstellung, aber vielleicht fährt die Generation Instagram auf derartigen Outdoonarzismus ab.

Buch: “Die Kunst Feuer zu machen

Unsere Bewertung: Fünf von sechs möglichen Kompassen

Outdoor Bücher Rezension: Survival Guide für echte Kerle Das ultimative Outdoor Handbuch Schön wärs!

Buchbesprechung: Manche Bücher können im eigenen Regal getrost fehlen. foto (c) kinderoutdoor.de / pietsch Verlag

Bescheidenheit ist eine Zier. Heißt ein altes Sprichwort. Bescheidenheit ist scheinbar weniger die Sache vom Pietschverlag. Aus der DMAX Reihe kommen die Titel zurückhaltend daher wie ” DMAX Schatzsuche für echte Kerle” oder ” DMAX 99 Dinge für echte Kerle” oder ” DMAX Power für echte Kerle” oder ” DMAX Angel Abenteuer für echte Kerle” Zumindest auf die Holzopitk verzichteten die Designer und gaben dieser Reihe einen knallroten Einband. Doch was ist ein echter Kerl? Diese Frage stellt sich zwangsläufig. Einer mit Sixpack, der sich mit dem blankgeschliffenen Klappspaten am Morgen das Gesicht rasiert und einen Grizzly mit blanken Fäusten windelweich prügelt? Wahrhaftige Abenteurer wie Ernest Shakelton, Sven Hedin oder die Gebrüder Schlagintweit fallen sicher nicht in dieses Raster. Dafür ist das Raster in diesem Buch ziemlich grob. Oberflächlich sind in wenigen Sätzen wichtige Überlebenstechniken abgehandelt. K 23 Reissende Flüsse (Seite 122) hier reichen elf kurze Zeilen um dies zu erklären. Dafür ist die Doppelseite mit einem Raftingboot ausgefüllt. Deutlich länger nimmt sich der Autor N 41 Ameisen essen (Seite 199) vor. Wahrscheinlich als Vorgeschmack für alle Z Promis, die bedauerlicherweise einmal bei RTL im Dschungelcamp landen. Anstatt die verschiedenen Themen sinnvoll in Kapitel zu bündeln, sind sie über das ganze Buch verstreut. Ein wildes Sammelsurium. Überleben im Dschungel, Wüste, Hochgebirge bekommen in diesem Buch zu viel Platz. Einfache Outdoortechniken, die für unsere gemäßigten Breitengrade geeignet sind kommen deutlich zu kurz. Wirklich Neues oder fundierte Erklärungen sind Fehlanzeige. Für Sofa Outdoorer sicher ein perfektes Geschenk. Alle anderen leihen es sich besser aus der Bücherei aus. Für die vielen bunten Fotos gibt es einen Kompass.

Buch: Survival Guide für echte Kerle Das ultimative Outdoor Handbuch

Unsere Bewertung: Einer von sechs möglichen Kompassen