Kinder besuchen einen Almabtrieb: Hier bimmelt es!

Kinder schauen am Almabtrieb zu, wie die Kühe oder andere Tiere von den Hochweiden zurück in die Ställe kommen. Bunt geschmückt ziehen die Tiere an den Zuschauern vorbei und im manchem Ort gibt es sogar ein Fest zu diesem Ereignis, wenn das Vieh wieder zuückkehrt. Wir stellen Euch vor, wo Ihr mit den Kindern beim Almabtrieb zusehen könnt.

da summa der is aussi //muass i obi in’s tal” heißt die erste Zeile von einem alten Volkslied. Darin handelt es um dem Abschiedsschmerz von einer Sennerin oder einem Hirten, der nach dem Sommer mit seiner Herde ins Tal absteigen muss. Auch wenn das Leben auf der Alm, oder Alpe wie es im Allgäu heißt, entbehrungsreich ist. Auch für die Tiere. Manche können in den Bergen abstürzen oder verloren gehen. Früher fand die sogenannte Viehscheid, ohne großen Aufwand statt. In aller Herrgottsfrüh trieben die Hirten die ihnen anvertrauten Tiere zurück ins Dorf und die Bauern suchten sich die ihnen gehörenden heraus. Was damals schon dazugehörte, die Tiere zu schmücken. Fuikl sagen dazu die Einheimischen im Berchtesgadener Land. Eine Woche kann es dauern, bis jede Kuh ihren Kopfschmuck hat. Diese Krone besteht aus Almenblumen und Fichtenzweigen. Von Region zu Region gibt es unterschiedliche Bräuche. In Tirol haben manche Kühe einen Segensspruch in der Krone oder alte auf Email gemalte Bilder von Jesus oder Schutzheiligen. Im Allgäu trägt meistens nur die Kranzkuh einen Kopfschmuck. Um ein Kreuz und einen Spiegel, beide sollen das Böse abhalten, sind dann auch kunstvoll Bergblumen gebunden. Der Rest der Herde folgt meistens ungeschmückt. In manchen Regionen der Alpen ist es sogar so, dass einen einen Trauerflor für die Kühe gibt, wenn in der Familie des Bauern während der Almzeit jemand verstorben ist. Die Leitkuh führt den Zug an. Viele Helfer sind nötig um die Tiere zu schmücken und die Herde beinander zu halten. Eines haben die Tiere gemeinsam: Sie haben alle eine Glocke um. So können sie auch beim Almabtrieb nicht verloren gehen. Das Gebimmel verrät den Hirten, wo das Vieh unterwegs ist.  Inzwischen ist der Almabtrieb in vielen Urlaubsorten ein Spektakel mit Musik und einem Fest. Für die Helfer ist der Aufwand der gleiche. Sie müssen die Tiere zusammenhalten und heil ins Tal bringen. Alleine in Tirol sollen es um die 180.000 sein. An folgenden Terminen finden im Tannheimer Tal Almabtriebe statt:

  • 15. September Haldensee und Jungholz
  • 16. September in Nesselwängle
  • 21. September in Tannheim
  • 22. September in Schattwald

Nachdem die Herden eingetroffen sind, feiern die Leute deren glückliche Rückkehr mit Musik und Spezialitäten aus der Region.

Schafabtrieb in Mittenwald: Das großen Mähen

Die Ziegen läuten die Bauernwochen der Alpenwelt Karwendel am 1. September 2018 beim “Goasabtrieb” in Mittenwald mit hellen Glöckchen ein. Eine Woche später feiert die Weidegenossenschaft Wallgau Abtrieb und Fest am 8. September am Stadl an der Finz. Am selben Tag kehren hunderte Schafe (8.9.) – darunter Mittenwalder Bergschafe als besonders robuste Rasse -, das Wochenende darauf die Kühe (15. und 16.9.) von den Sommerweiden des Oberen Isartals nach Mittenwald und Krün heim. Alle Tiere und Hirten werden im Tal freudig begrüßt und gefeiert, die schönsten Ziegen und Schafe sogar ausgezeichnet.

In Krün freut sich der Vorsitzende der Krüner Weidegenossenschaft, Alois Kramer, auf den Almabtrieb am 15. September 2018: „Für uns Bauern ist es ein besonderer Festtag, wenn alles wieder gut gegangen ist.“ Rund 200 Kälber und Kühe halten er und sieben weitere Milchbauern in Krün. „Wir sind vermutlich einer der letzten Orte in Bayern, wo ein Hirt täglich auf die Heimweide ein- und austreibt“. Diese „Ausgehkühe“ bilden eine eigene Gruppe beim Abtrieb, ebenso wie die Kalbinnen, die den Sommer hoch oben auf der Krüner Alm verbringen. Krüns Bürgermeister wird den bunten festlichen Zug moderieren und weitere Details verraten. Etwa, dass man in Krün nur die Tiere der Bauern „aufkranzt“, die heil über den Sommer gekommen sind. Anneliese Kriner ist eine, die den Kopfschmuck der Kühe seit elf Jahren kunstvoll fertigt: „Zwei bis drei Tage suche ich in der Natur, bis ich alles find‘, was man braucht: Disteln, Almrosen, Vogelbeeren, Tannenzweige und verschiedenste Blumen“, erzählt die Krüner Bäuerin. Danach steckt und bindet sie die bis zu fünf Kilogramm schwere Zierde fertig.

Die Tradition der Almabtriebe zur Herbst-Tagundnachtgleiche stammt aus vorchristlicher Zeit. Damals begann man aus purer Freude, die Tiere geschmückt ins Tal zu bringen.

Alphornbläser, Goaßlschnalzer, Schuhplattler und Blasmusik gestalten die Bauernwochen der Alpenwelt Karwendel traditionell mit. In den Festzelten werden regionale Spezialitäten und Mittenwalder Bier kredenzt. Auf dem Mittenwalder Kramermarkt (9.9.) und den Bauernmärkten in Wallgau (2.9.) und Krün (15.9.) erhält man vielerlei alpenländisches Kunsthandwerk und bäuerliche Handarbeit. Die Erntedankfeste, bei denen die Einheimischen in Festtracht durch Krün, Wallgau (30.9.) und Mittenwald (7.10.) schreiten, schließen die Bauernwochen feierlich ab.

Das Programmheft ist in den Tourist-Informationen der Alpenwelt Karwendel erhältlich oder unter http://www.alpenwelt-karwendel.de/bauernwochen

 

 

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