Familienwanderung: Auf den Spuren der Wilderer und Schmuggler in den bayerischen Alpen

Eine Familienwanderung die den historischen Spuren der Wilderer oder Schmuggler folgt.Der Wildschütz Jennerwein, der Boarisch Hiasl oder der Hoißntoni. Alle drei sind Wilderer gewesen, die heute noch in Bayern bekannt sind. Auf den Spuren der Gesetzlosen gibt es etliche Wanderungen, die auch für Familien geeignet sind.

„A Jaga od’r a Hund, des gilt mir alles gleich, / ob i an Jaga zammaschiaß, od’r an Hund ins Wassa schmeiß“ So lautet eine Zeile vom Volkslied „I bin da boarisch Hiasl“. 1771 starb Matthäus Klostermeyer, überall als Boarisch Hiasl bekannt. Mit seiner Bande dezimierte er illegal das Wild, um so die Felder der Bauern zu schützen. Noch bekannter ist der Wildschütz Jennerwein. Im Schlierseer Ortsteil Westenhofen ist sein Grab. Schon am Eingang zum Friedhof weist ein Schild den Weg zu diesem Prominenten. Was jedoch sicher ist: Dort wo das Schmiedeeiserne Grabkreuz mit dem vergilbten Foto von dem schneidigen Wildschützen steht, ist Jennerwein sicher nicht begraben. Im Laufe der Jahrzehnte „wanderte“ das Grabkreuz zu den verschiedensten Stellen auf dem Westenhofener Friedhof. Der Sarg jedoch blieb jedoch an seiner ursprünglichen Stelle. Wo diese ist, das kann heute niemand mehr sagen. Eines der viele Mysterien, welche die Wilderer aus den vergangenen Zeiten noch heute umgeben.

Wenn Ihr mit den Kindern auf den Spuren der bösen Buben Bayerns wandert, dann kommt Ihr am Georg „Girgl“ Jennerwein nicht vorbei. „Es war ein Schütz in seinen schönsten Jahren, der wurde weggeputzt von dieser Erd!“ So beginnt das noch immer populäre Volkslied über den schneidigen Wildschütz.
foto (c) kinderoutdoor.de

Auf den Wallberg am Tegernsee führte der letzte Weg vom bekannten Wilderer Pöttinger im Jahr 1861. Er hatte an diesem 29. Oktober sein Gewehr dabei und wollte wieder Wild erlegen. Ihr hingegen könnt ganz entspannt mit der Seilbahn hinauffahren oder von der Talstation losgehen. Zuerst geht es hinauf zur Wallbergmoosalm und von dort aus weiter zur Bergstation der Wallbergbahn. Von hier aus führt ein Wanderweg zum Gipfel. Durch schroffes Gelände kraxeln die Kinder zum höchsten Punkt vom Wallberg und haben einen wunderbaren Blick auf den Tegernsee. Wie es mit dem Wilderer Pöttinger weiterging? Da sind wir auch schon bei der nächsten Wanderung mit der Familie. Über 30 Jahre galt der Wildschütz verschollen. Seine Freunde suchten am Wallberg nach ihm, fanden aber keine brauchbaren Spuren. Nur an der Tonileiten entdeckten sie seinen Hut. Im Ort Tegernsee geht Ihr los und steigt über Galaun zum Riederstein auf. Ein wunderschöner Felssporn auf dem eine kleine Kapelle steht. Am 28. August 1897 fanden hier Arbeiter, als sie eine Weg ausbesserten, ein Skelett. Einer der Handwerker packte den Totenkopf in seinen Rucksack und brachte ihn ins Tal. Im Tegernseer Bräustüberl präsentierte der Arbeiter seinen makaberen Fund. Einer der Stammtischbrüder holte den vor über 30 Jahren gefundenen Hut des Wilderers Pöttinger und setzte ihm dem Totenkopf auf. Er passte. Wer den Wilderer getötet hatte, dass ließ sich nie ermitteln.

 

Entlochklamm: Wallfahrtskirche, toter Wilderer und Schmuggler

Vom oberbayerischen Ort Schleching führte ein beliebter Schmugglerweg an der Tiroler Ache über die Grenze nach Österreich. Bis das Nachbarland am 1.1. 1995 zur Europäischen Union beitrat, fanden hier Alkohol und Zigaretten illegal den Weg nach Bayern. Ein gut ausgeschilderter Wanderweg mit wenig Steigungen, leider ist es für den Kinderwagen ungeeignet, führt Euch im Wald immer parallel zum rauschenden Fluss, nach Klobenstein. Über eine Hängebrücke geht es auf die andere Seite vom Ufer. Von dort aus seht ihr die engste Stelle der Entenlochklamm. Hier zwängt sich rauschend das Wasser der Tiroler Ache durch die aufragenden Felswände. Ein gespaltener Felsen steht unmittelbar vor dem kleinen Gotteshaus. Eine gefasste Quelle gibt es hier, deren Wasser angeblich schon Wunder bewirkt haben soll. Am 17. Oktober 1919 krachten hier im Wald an der Grenze zu Tirol die Schüsse. Ein Jagdaufseher soll einen Wilderer aufgelauert haben und tötete ihn. Noch in derselben Nacht nach dieser Tat, soll der Jäger seinen Wohnort für immer verlassen haben.

Familienwanderung zur Schwarzachenalm

Bei Ruhpolding liegt die malerische Schwarzachenalm. Hier töten am 24. Oktover 1835 Jäger den letzten Bären im Königreich Bayern. Es dauert bis zum 26. Juni 2006, das Königreich gibt es schon länger nicht mehr, bis wieder ein Bär in Bayern den Tod fand. „Bruno“ der Problembär. Mit dem Kinderwagen kommt Ihr auf einem breiten Forstweg vom Parkplatz beim sehenswerten Holzknechtmuseum zur idyllischen Schwarzachenalm. In Waich, nur wenige Kilometer von der Schwarzachenalm entfernt, passierte folgender Zwischenfall, Darüber schrieb die Bürger-Zeitung, Organ des bayerischen Städtetages, in einer Ausgabe aus dem Jahr 1867: »Am 14. ds. Nachmittags begaben sich die zwei beim Forstamt Ruhpolding befindlichen Actuare auf die Jagd und stießen in der Nähe von Waich auf einen Wilderer, welcher eben mit Ausbrechen eines erlegten Stückes beschäftigt war. Ohne viel Federlesens erhob derselbe sofort seine Büchse und feuert auf den Forstamtactuar Hamn, wobei er denselben so unglücklich traf, daß er schwerlich mit dem Leben davon kommen wird. Sodann ergriff der Thäter die Flucht, die Decke des geschossenen Wildes am Platze zurücklassend.« Kein Wunder, dass Bayerns böse Buben bis heute noch eine gewisse Faszination ausüben

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