Chemie in der Outdoorbekleidung: Elkline fand neue technische Lösungen

Outdoorbekleidung für Kinder sollte drei Kriterien erfüllen: Lässig, funktional und frei von Schadstoffen. Zum Glück achten verantwortungsvolle Hersteller, Verbraucherschützer, Umweltverbände und Produkttester darauf, was in der Kleidung für die kleinen Outdoorer steckt. Während sich manche Firmen eher bedeckt halten, sind andere Marken offen und sprechen über das brisante Thema. Nina Plate von ZEBAU sprach mit  Dipl. Ing. Maren Brandt, Production Managerin bei elkline, einer bekannten Outdoor-Marke aus Hamburg.

Nina Plate (ZEBAU): Sie stellen Ihre Produktion für die wasserabweisenden Funktionsjacken um und wollen zukünftig eine umweltfreundlichere Technologie anwenden. Können Sie uns kurz erläutern, was Ihre Beweggründe hierfür waren?

Maren Brandt, Production Managerin: Grundsätzlich machen wir uns erst einmal Gedanken darüber, für welchen Einsatzzweck wir unsere Produkte konzipieren. Dabei geht es darum zu beleuchten, welche Anforderungen an das Produkt gestellt werden, um nur so viel  „Funktion“ zu integrieren, wie eben nötig. Es gibt so viel Produkte auf dem Markt, die für einen Ausflug mit der Familie im Freien, eine Fahrradtour oder einen Strandspaziergang völlig überkonzipiert sind. Weniger ist da einfach mehr. Gerade der Einsatz von Chemikalien bedarf der bewussten Abwägung während der Produktentwicklung. Natürlich bekommen wir heute Alleskönner-Stoffe – wasserabweisend, öl- und schmutzabweisend, windabweisend,  atmungsaktiv, antibakteriell, mit Aloe Vera, mit Silber Ionen, mit Nanotechnologie – die Liste ist unendlich. Da wir in diesem Zusammenhang keine Jacken für die Arbeit auf einer Bohrinsel konzipieren, glauben wir, dass es ausreicht eine Jacke herzustellen, die einfach nur vor Wind und Wetter schützt und in der wir uns draußen wohl fühlen. Deshalb setzten wir so wenige Chemikalien ein wie möglich und nur so viele wie nötig. Darüber hinaus gucken wir genau hin, welche Chemikalien zum Einsatz kommen. Gerade bei der wasserabweisenden Ausrüstung von Stoffen kommt eine Technologie zum Einsatz, die Mensch und Umwelt durch die Verwendung von per- und polyfluorierten Chemikalien schadet. Die Verbindung dieser PFCs ist so stabil, dass sie sich in der Umwelt kaum oder gar nicht abbauen lassen und sich so dauerhaft anreichern. Sie gelangen ins Trinkwasser, ins Abwasser, in die Tiefsee, ins Eis der Arktis, ins menschliche Blut und in die Muttermilch. Die PFCs stehen unter anderem  im Verdacht das Tumorwachstum zu fördern und fortpflanzungsgefährdend zu sein. Das sind Gründe genug um zukünftig auf eine neue Technologie zu setzen, die frei ist von Flourcarbonpolymeren.

“Natürlich bekommen wir heute Alleskönner-Stoffe, aber wir konzipieren keine Jacken für Bohrinseln!” sagt Karen Brandt, Product Managerin der Outdoor-Marke elkline aus Hamburg.
Foto: (c) elkline

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Wir sehen es als unsere Pflicht uns auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit weiter nach vorne zu bewegen. Dies tun wir nicht aus strategischen Wettbewerbsgründen, sondern seit mehr als 10 Jahren aus der tiefen Überzeugung heraus ein Produkt herzustellen, in dem sich unsere Kunden wohlfühlen und dessen Footprint in der Umwelt so klein wie möglich ist. Die Umstellung auf eine fluorcarbonfreie Ausrüstungstechnologie war da zwangsläufig. Wir sind gespannt, wie unsere Kunden die Funktionalität dieser neuartigen Ausrüstung beurteilen.

Welche ökologischen Alternativen gibt es?

Als wir uns auf die Suche begeben haben nach einer ökologischen Alternative zur Fluorcarbon-Technologie sind wir auf einen Partner gestoßen, der sich gefragt hat, warum das Federkleid von Wasservögeln nicht nass wird und warum diese Art von Wasserabweisung in der Natur ohne perfluorierte Verbindungen funktioniert. Das Funktionsprinzip wurde erforscht und übertragen in eine technische Lösung. Die Grundidee beruht auf den Einsatz von hochverzweigten Polymeren, deren verästelte Struktur sich von Vorbildern aus der Natur ableiten lässt.Das Ergebnis ist eine fluorcarbon- und paraffinfreie Ausrüstung, die erstmalig ab Frühjahr/ Sommer 2013 auf unseren Outdoor- und Softshelljacken zum Einsatz kommt und sich derzeit in Produktion befindet.

Welche Ziele setzen Sie sich langfristig und welche Ergebnisse erwarten Sie?

Unser Ziel ist es auch weiterhin Produkte unter ökologischen und sozial-humanen Bedingungen zu produzieren. Die Sicherheit der elkline Kunden sowie derer, die für elkline produzieren, ist uns dabei ein besonderes Anliegen, an dem wir jeden schönen, neuen Tag mit viel Einsatz und Freude arbeiten. Wir wissen, dass der Weg zu einer nachhaltigeren Produktion ein langer ist, der immer wieder auch an ökonomische Grenzen stößt. Wir haben uns vor 10 Jahren auf diesen Weg gemacht und nehmen unsere Partner -Zulieferer, Produzenten und Kunden-  mit auf die Reise. Langfristig wollen wir unsere T-Shirts Produktion auf 100% GOTS zertifizierte Bio-Baumwolle umstellen und den Produktionsstandort Europa weiter stärken um teure und klimaschädliche Transporte zu minimieren. Darüber hinaus setzten wir weiter den Focus auf den Ausbau flourcarbonfreier Produkte im Bereich Funktionsjacken.

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