Es gibt Berge, bei denen man sich erst durch drei Ausrüstungsseiten und einen halben Fitnesstest kämpfen muss, bevor man überhaupt an den Ausgangspunkt denkt. Der Mittag bei Immenstadt gehört nicht dazu. Er ist der Hausberg der Stadt, gut beschildert, ohne ausgesetzte Stellen, mit einer Bergbahn als Notausgang für den Fall, dass die Motivation vor dem Gipfel den Geist aufgibt – und trotzdem, kein Klischee, mit einem Bergpanorama, das auch erfahrene Wandereltern noch beeindruckt. Wir zeigen euch, wie die Tour gelingt und worauf ihr mit Kindern achten solltet.
Der Mittag im Kurzporträt
Mit 1.451 Metern ist der Mittag zwar kein alpiner Gigant, dafür aber der erklärte Hausberg von Immenstadt und der westliche Startpunkt der Nagelfluhkette – einem Gebirgszug, der seit 2008 als Naturpark geschützt ist und als erster grenzüberschreitender Naturpark zwischen Deutschland und Österreich gilt. Wer mit Kindern in die Bergwelt einsteigen möchte, ohne gleich in alpines Gelände vorzudringen, findet hier einen Berg, der genau das Richtige zwischen Anspruch und Machbarkeit trifft.
Die Route: Klassisch bergauf, oder mit Bergbahn abgekürzt
Startpunkt für die Familienwanderung ist der Parkplatz an der Talstation der Mittagbahn in Immenstadt, wo ausreichend Stellplätze zur Verfügung stehen – auch für E-Bikes und Fahrräder gibt es Abstellmöglichkeiten. Der Wanderweg führt zunächst in Serpentinen durch den Wald bergauf, bis sich nach einiger Zeit eine weite, offene Wiese öffnet. Ab hier habt ihr die Wahl: entweder der asphaltierten Straße bis zur Bergstation folgen oder kleinere, etwas steilere Trampelpfade querfeldein nehmen, die ihr euch mit weidenden Kühen teilt.
Für die reine Auffahrt solltet ihr mit etwa zwei bis zweieinhalb Stunden rechnen, für den Abstieg mit anderthalb bis zwei Stunden. Der Weg gilt als gut beschildert, technisch unproblematisch und ohne ausgesetzte Passagen – auch mit Hund grundsätzlich unbedenklich.
Der Praxis-Tipp, den die meisten Familien zu spät entdecken: Wer nicht die volle Auf- und Abstiegszeit stemmen möchte, fährt einfach mit der Mittagbahn hinauf und wandert nur bergab. Genau diese Variante gilt unter erfahrenen Wanderfamilien als der eigentliche Königsweg – die Kinder erleben trotzdem den Gipfel, die Beine müssen aber nur eine Richtung wirklich arbeiten.

Einkehrmöglichkeiten: Drei Chancen auf Kässpatzen
Unterwegs warten gleich mehrere Einkehrstationen, die eine Wanderung mit Kindern erst wirklich planbar machen. An der Mittelstation liegt das Rasthaus am Mittag, mitten im Naturpark Nagelfluhkette gelegen, mit warmen und kalten Speisen sowie der obligatorischen Portion Kässpatzen. Etwas weiter oben, kurz vor dem Gipfel, liegt die Alpe Schwanden, mit einem kleinen Abstecher lässt sich zusätzlich die Alpe Oberberg erreichen. Direkt am Gipfel selbst wartet schließlich das Mittaghaus. Wer mit Kindern unterwegs ist, kann sich die Tour dadurch bequem in kleine Etappen mit Zwischenzielen einteilen, statt am Stück durchmarschieren zu müssen.

Was Kinder am Berg wirklich begeistert
Am Gipfel selbst warten neben dem Panorama noch ein paar Details, die bei Kindern erfahrungsgemäß besser ankommen als jede Aussicht: Direkt an der Bergstation lassen sich Gleitschirm- und Drachenflieger:innen beobachten, die von den drei Startplätzen am Gipfel abheben – für viele Kinder ein Höhepunkt, der jedem noch so schönen Alpenblick den Rang abläuft. Wer noch Energie übrig hat, findet an der Mittelstation zusätzlich einen Panorama-Kletterpark mit Kletterturm.
Auch der bereits erwähnte Alprundweg lohnt sich mit etwas älteren Kindern: Auf diesem Weg lässt sich die traditionelle Allgäuer Käseherstellung an der Sennalpe Derb hautnah miterleben – deutlich anschaulicher als jede Erklärung zu Hause.
Für ambitionierte Familien: Die große Rundwanderung
Wer mit größeren, geübteren Kindern unterwegs ist und mehr als nur den Gipfel des Mittags sucht, kann die Tour zur Mittag-Rundwanderung über mehrere Gipfel der Nagelfluhkette ausbauen. Unterwegs wartet dabei ein echtes Highlight für schwindelfreie Familien: eine 17 Meter lange, ungesicherte Leiter zum Gipfel des Steinberg. Wichtig zu wissen: Diese Passage ist ausdrücklich nur für geübte, schwindelfreie Personen gedacht, ein gut begehbarer Alternativweg umgeht die Leiter komplett. Für kleinere Kinder oder bei Unsicherheit gilt hier klar: lieber die Umgehung wählen, statt sich unter Zeitdruck zur Leiter überreden zu lassen.
Wer noch ambitionierter unterwegs sein möchte, findet in der Tour über sieben Gipfel bis zum Hochgrat (1.834 m) in Steibis bei Oberstaufen die anspruchsvollste Variante am Mittag – für diese Tour ist allerdings ausreichend Proviant Pflicht, da es unterwegs keine Einkehrmöglichkeit gibt, und die Zeitplanung sollte die letzte Gondel am Hochgrat fest im Blick behalten.

Winter: Wenn aus dem Wanderweg eine Rodelbahn wird
Der Mittag ist keineswegs nur ein Sommerziel: Im Winter zählt er ebenfalls zu den beliebten Winterwanderbergen, und der Fahrweg wird zusätzlich als präparierte Rodelbahn hergerichtet. Wer im Winter plant, sollte den Schlitten also unbedingt einpacken – die Abfahrt dürfte bei Kindern mindestens so viel Begeisterung auslösen wie der Sommerblick vom Gipfel.
Barrierefreiheit und praktische Infos zur Bergbahn
Die Mittagbahn ist teilbarrierefrei ausgestattet: Menschen mit eingeschränkter Mobilität können sie ohne größere Einschränkungen nutzen, notwendige Hilfsmittel werden kostenlos mit nach oben transportiert – ein Detail, das die Tour auch für Familien mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen zugänglich macht. Geöffnet ist die Bahn Dienstag bis Sonntag, in den bayerischen Schulferien und an gesetzlichen Feiertagen zusätzlich auch montags. Jeden Mittwoch verlängert sich zudem der gastronomische Betrieb am Berg für einen geselligen Hüttenabend – wer den Sonnenuntergang über den Allgäuer Gipfeln erleben möchte, kann die Mittelstation nach Bahnbetriebsschluss bequem zu Fuß erreichen.
Tipps & Tricks für die Familienwanderung
- Bergfahrt einplanen, wenn die Motivation unsicher ist. Die Kombination “hoch mit der Bahn, runter zu Fuß” nimmt viel Druck aus dem Ausflug und lässt sich spontan an die Tagesform der Kinder anpassen.
- Ausreichend Wasser einpacken. Im Sommer verläuft ein guter Teil der Strecke über sonnige, offene Passagen ohne viel Schatten.
- Zwischenziele als Motivation nutzen. Die mehreren Hütten unterwegs eignen sich hervorragend als kleine Etappenziele, um Kinder bei Laune zu halten, statt die gesamte Strecke als ein großes Ziel zu kommunizieren.
- Leiter-Passage bei der Rundwanderung realistisch einschätzen. Nur mit schwindelfreien, geübten Kindern angehen, ansonsten konsequent den Alternativweg nehmen.
- Flugsport-Beobachtung als Pausenfüller einplanen. Ein paar Minuten am Gipfel, um Gleitschirmflieger:innen beim Start zuzusehen, wirken bei müden Kinderbeinen oft motivierender als jede Ansprache.
- Winterausflug mit Schlitten kombinieren. Die präparierte Rodelbahn macht aus einer einfachen Winterwanderung ein doppeltes Erlebnis.

Checkliste für den Ausflug
Anreise: Parkplatz an der Talstation Immenstadt, Öffnungszeiten der Mittagbahn vorab geprüft (Di–So, zusätzlich Mo in Ferien/Feiertagen)
Ausrüstung: Feste Schuhe, ausreichend Wasser, Sonnenschutz für offene Streckenabschnitte
Verpflegung: Einkehr an Mittelstation, Alpe Schwanden oder Mittaghaus möglich, Proviant für längere Varianten trotzdem sinnvoll
Für Kinder: Panorama-Kletterpark an der Mittelstation, Flugsport-Beobachtung am Gipfel, im Winter Schlitten nicht vergessen
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie schwer ist die Wanderung auf den Mittag für Familien einzustufen?
Die Tour gilt als leicht, mit einigen steileren Passagen. Sie ist gut beschildert, technisch unproblematisch und ohne ausgesetzte Stellen – damit auch für weniger geübte Wanderfamilien gut geeignet.
Kann man nur bergab wandern und die Auffahrt mit der Bahn machen?
Ja, das gilt sogar als besonders familienfreundliche Variante: mit der Mittagbahn hinauf, zu Fuß hinunter – ideal für Kinder, die den Gipfel erleben, sich aber nicht komplett verausgaben sollen.
Gibt es unterwegs Einkehrmöglichkeiten?
Ja, gleich mehrere: das Rasthaus am Mittag an der Mittelstation, die Alpe Schwanden und die Alpe Oberberg auf dem Weg zum Gipfel sowie das Mittaghaus direkt am Gipfel.
Ist die Mittag-Rundwanderung mit der Leiter auch für Kinder geeignet?
Die 17 Meter lange, ungesicherte Leiter zum Steinberg-Gipfel eignet sich nur für geübte, schwindelfreie Personen. Ein gut begehbarer Alternativweg umgeht diese Passage vollständig und ist die sicherere Wahl für Familien mit kleineren Kindern.
Ist die Mittagbahn auch mit Kinderwagen oder eingeschränkter Mobilität nutzbar?
Die Bahn ist teilbarrierefrei, notwendige Hilfsmittel werden kostenlos mit transportiert.
Lohnt sich der Mittag auch im Winter?
Ja, der Berg ist auch als Winterwanderziel beliebt, zusätzlich wird der Fahrweg im Winter als Rodelbahn präpariert.
Der Mittag bei Immenstadt zeigt, dass ein gelungener Familienausflug in die Berge nicht zwangsläufig alpine Erfahrung oder stundenlange Härtetests voraussetzt. Mit gut beschilderten Wegen, mehreren Einkehrmöglichkeiten, einer Bergbahn als flexiblem Rückzugsplan und genug kleinen Attraktionen für Kinder – vom Kletterturm bis zu startenden Gleitschirmen – bietet der Immenstädter Hausberg genau den Einstieg in die Bergwelt, den sich viele Familien wünschen, aber selten so unkompliziert finden.

