Familienglück zwischen „Wie weit noch?“ und „Oh wow!“
Es gibt diese eine Frage, die Eltern im Wanderurlaub besser kennen als ihren eigenen Namen: „Wie weit ist es noch?“ Rund um Schenna bekommt diese Frage allerdings Konkurrenz – von Kühen, die plötzlich interessanter sind als jedes Handy, von Felsen, die unbedingt erklommen werden müssen, und von Hütten, die verdächtig gut nach Apfelstrudel riechen. Und genau deshalb klappt Wandern hier so gut: Weil niemand wirklich „durchwandert“. Man bleibt hängen. Immer wieder. Freiwillig.
1. Stafell Alm – der „Wir gehen nur kurz los“-Spaziergang
Dauer: 25 Minuten | Länge: 1,6 km
Level: Familienmodus „easy“
Das hier ist die Tour, bei der man eigentlich nichts falsch machen kann – außer vielleicht zu schnell loszugehen.
Von der Bergstation Klammeben geht’s über den breiten Weg Nr. 40 fast schon verdächtig gemütlich zur Stafell Alm. Keine dramatischen Höhenmeter, kein „Wer hat die Karte?“ – einfach laufen und schauen.
Und genau das ist das Problem:
Man schaut zu viel.
Denn links Berge, rechts Berge, vorne Berge – und plötzlich ist man schon da.
Oben passiert dann das, was immer passiert:
- Kinder sehen Spielplatz → verschwinden
- Erwachsene sehen Speckknödel → verschwinden auch
- Zeitgefühl → komplett weg
Die Aussicht auf die Texelgruppe erledigt den Rest.

© Meran 2000 – Florian Andergassen
2. Ifingerhütte – hier wird aus „Spaziergang“ plötzlich Abenteuer
Dauer: 3,5 Stunden | Länge: 8,4 km
Level: kleine Entdecker mit großer Fantasie
Start ist an der Taser Seilbahn – und ab da wird’s langsam ernst. Oder besser gesagt: spannend.
Der Weg Nr. 18A führt in den Wald, und ab da gilt ein neues Gesetz:
Alles kann ein Abenteuer sein.
Ein Stein? Wahrscheinlich ein Dino-Ei.
Ein Baumstamm? Geheime Brücke.
Ein Geröllfeld? Klar, Schatzsuche.
Die Ifingerhütte am Fuß des Ifinger spielt da perfekt mit: Sie liegt so schön eingebettet, dass man fast denkt, sie sei extra für Pause und „nur noch 10 Minuten spielen“ gebaut worden.
Während die Kinder offiziell „noch kurz erkunden“, sitzt man selbst schon ziemlich entspannt da und überlegt, ob man überhaupt wieder runter muss.

3. Taser Alm → Schenna: der Rückweg mit vielen Meinungen
Dauer: 2,5 Stunden | Länge: 6,7 km
Level: emotional abwechslungsreich
Die Taser Alm ist eigentlich schon ein eigener Urlaub: Bauernhof, Spielplatz, Bergzoo, Seilrutsche – fertig.
Und dann kommt der Abstieg.
Der beginnt meistens optimistisch und endet irgendwo zwischen:
- „Ich bin müde“
- „Ich bin wieder fit!“ (bei jeder Kuh)
- „Warum gehen wir nicht einfach zurück?“
Der Weg nach Schenna ist dabei fast ein kleines Best-of Südtirol:
Waldwege, Höfe, schmale Pfade, Apfelplantagen – und diese Momente, in denen alle kurz still sind, weil es wirklich schön ist.
Dann redet wieder jemand. Meistens ein Kind. Über Hunger.
4. Hirzer Gebiet – hier darf man einfach treiben lassen
Dauer: flexibel | Länge: nach Laune
Level: „wir schauen mal“
Im Hirzer Wandergebiet funktioniert das Leben etwas entspannter. Seilbahn rauf, aussteigen, loslaufen – oder erstmal stehen bleiben und gucken.
Die Wege verbinden viele Almen miteinander, und genau das ist der Trick:
Man muss nicht „eine Wanderung machen“, man sammelt einfach schöne Stopps.
Und dann kommt noch die Alpenrosenzeit zwischen Juni und Juli. Dann sieht die Landschaft aus, als hätte jemand Photoshop auf „maximal rot, aber natürlich“ gestellt.

Warum Schenna so gut für Familien funktioniert
Schenna liegt oberhalb von Meran und ist so etwas wie die „Alles-ist-möglich“-Version von Südtirol.
Von 400 bis fast 2.800 Metern gibt es:
- kurze Wege für „wir probieren mal“
- mittlere Touren für „läuft ja doch gut“
- Seilbahnen für „wir sind clever“
- Hütten für „wir bleiben hier“
Und genau diese Mischung macht den Unterschied:
Hier scheitert keine Wanderung an Motivation, sondern höchstens daran, dass es zu schön ist, weiterzugehen.
Tipps aus der Praxis (ohne Moralpredigt)
1. Plane nie zu genau
Kinder haben sowieso eigene Routen.
2. Essen ist Motivation, nicht Luxus
Je früher die Hütte erwähnt wird, desto besser die Stimmung.
3. Seilbahnen sind keine Abkürzung, sondern Strategie
Niemand verliert dadurch Abenteuerpunkte.
4. Kühe sind keine Dekoration
Sie werden garantiert angesprochen.
5. „Nur kurz schauen“ ist ein gefährlicher Satz
Er führt fast immer zu längeren Aufenthalten.
FAQ – ehrlich beantwortet
Ist Wandern in Schenna wirklich familienfreundlich?
Ja. Und zwar ohne dass man sich verbiegen muss.
Welche Tour ist am einfachsten?
Stafell Alm – ideal für Einstieg und schlechte Motivation.
Gibt es auch Abenteuer für größere Kinder?
Ifingerhütte und Hirzer Gebiet liefern genau das.
Braucht man viel Kondition?
Nein. Mehr Pausenfähigkeit als Fitness.
Beste Zeit?
Frühling bis Herbst – besonders schön im Frühsommer.
Fazit
Wandern mit Kindern in Schenna ist kein „wir schaffen das“, sondern eher ein „wir schauen mal, was passiert“.
Und meistens passiert Folgendes:
Man kommt später an als geplant – aber deutlich entspannter zurück.
Und die wichtigste Erkenntnis am Ende?
Die Frage „Wie weit ist es noch?“ wird irgendwann ersetzt durch:
„Können wir das morgen nochmal machen?“

