Outdoor Bekleidung für Kids "Wir machen nur Kinder-Outdoor, keine Miniatur-Versionen der Großen"

Outdoor Bekleidung herzustellen ist eine aufwändige Angelegenheit. Noch größer ist der Aufwand, wenn es sich um Outdoor Bekleidung für Kinder handelt. Wie wir alle wissen, gehen die Outdoor Kids weniger schonend mit Jacken, Hosen und Schuhen um. Um zu wissen wie Outdoor Bekleidung für Kinder entsteht, haben wir Jan Mangold, Country Manager von Reima für Deutschland und Österreich, interviewt. Danach ist uns klar gewesen: Wer Kinder Outdoor Bekleidung herstellen will, braucht gute Designer, viel Zeit und die härtesten Tester der Welt: Kinder!

Wie wichtig sind finnische Kindergärten für die Entwicklung von neuen Reima Kollektionen? Wir haben ausgerechnet, dass Kinder auf der ganzen Welt in unseren Reima-Teilen jedes Jahr 730 Millionen Stunden draußen spielen. Das zeigt zum einen wie erfolgreich diese Firma ist, aber zum anderen ist das eine unglaubliche Chance für die Produktentwickler. So viel Zeit da draußen, so viele Erfahrungen mit Reima, so viele neue Ideen. Daher gehen wir in allen Bereichen so intensiv wie möglich in den Austausch mit unseren „Real life-Testern“ und dazu gehören natürlich ganz klar insbesondere die Kleinsten in unserem Heimatmarkt.

Was passiert mit den Prototypen für die Kindergärten am Ende einer der Testphase?

Die Prototypen werden am Ende der Testphase nochmal ins Labor geschickt und ein letztes Mal geprüft und analyisiert. Danach gehen die Prototypen zurück an die Kinder. Ich kenne Geschichten, in denen es Tränen gab, weil der Lieblings-Overall zurück zum Testcenter nach Kankaanpaa geschickt werden musste.Zum Glück kommt das gute Stück nach ein paar Tagen im Labor dann wieder zurück…

Interessant ist ja auch das Reima Testpanel in Finnland und Russland. Wie läuft das ab?

Jedes Jahr wählen wir in ausgewählten Ländern 20 Kinder und deren Eltern als Reima Test Patrol aus und laden sie ein, Reima im alltäglichen Familienleben zu testen. Das heißt: Ein Jahr das komplette Reima Paket für Schnee, Regen, Sonne, Wind und Wetter. Das Feedback und die praktischen Erfahrungen, aber vor allem auch die ganz konkreten Vorschläge gehen direkt an unsere Produktentwickler und Designer. Allein 2012 gingen 15.000 Bewerbungen für die Test Patrol ein.

Outdoor Kleidung für Kinder muss einen Spagat schaffen: Toll aussehen und robust sein. Wie löst ihr bei Reima diese Aufgabe?

Wir setzen vor allem auf zeitloses Design, damit unsere Produkte nicht aus der Mode kommen und weitergereicht statt weggeworfen werden. Nachhaltigkeit im Sinnes des Umweltschutzes bedeutet für uns auch, Produkte so haltbar wie möglich zu machen. Unsere Nachbarn haben vier Kinder und ich habe ihnen versprochen, dass die Reima-Sachen so haltbar sind, dass sie problemlos vom Größten bis zur Kleinsten wadern werden.

Dank unserer mittlerweile 70 jährigen Expertise haben wir ein umfassendes Material- und Design-Archiv und vor allem unschätzbare Erfahrungswerte. Vorallem in der Wintersaison spielt der Hintergrund des Heimatmarkts Finnland eine große Rolle. Unter den klimatisch widrigen Bedingungen zeigen die Produkte ihr ganzes Potential. Wenn Schneeanzüge und Stiefel bei minus 30 Grad in Lappland funktionieren, dann wohl erst recht in unseren noch recht gemäßigten deutschen Graden. Alle neuen Produkte und Materialien werden umfassenden Labor- und Praxistests unterzogen, dabei testen wir unter anderem Abrieb-Resistenz, Widerstand gegen Wasser, Reißfestigkeit und Farbechtheit.

Jan Mangold, Reima Country Manager für Deutschland und Österreich: "Wir setzen vor allem auf zeitloses Design, damit unsere Produkte nicht aus der Mode kommen und weitergereicht statt weggeworfen werden" Foto: (c) Reima

Jan Mangold, Reima Country Manager für Deutschland und Österreich: “Wir setzen vor allem auf zeitloses Design, damit unsere Produkte nicht aus der Mode kommen und weitergereicht statt weggeworfen werden”
Foto: (c) Reima

Reima ist eine Marke aus Finnland. In Skandinavien achten die Verbraucher noch mehr darauf, ob Giftstoffe in der Kleidung sind. Was tut Reima um gefährliche Chemikalien in der Kinderkleidung auszuschließen?

Wir sind der Europäische Chemikalienverordnung REACH verpflichtet und benutzen keine laut REACH-Liste verbotenen Chemikalien. Wir kontrollieren die Grenzwerte erlaubter Chemikalien streng und verfolgen die Änderungen der REACH-Chemikalienliste sehr genau. Oftmals übererfüllen wir diese Standards sogar. Dann haben wir zusätzlich zu unseren sowieso schon strengen Richtlinien eine so genannte „Blue“-Kollektion, die den strengen Ökötex-Standard erfüllt. Das gleiche gilt auch für unsere Newborn-Kollektion, also die Teile für die ganz Kleinen.

 

Reima designt und entwickelt in Finnland, lässt aber in China produzieren. Wie kümmert Ihr Euch dort um die Arbeitsbedingungen der Belegschaften und den Umweltschutz? China ist eigentlich alles andere als für Nachhaltigkeit bekannt…..

Reima ist seit 2010 Mitglied der gemeinnützigen Organisation BSCI (Business Social Compliance Initiative) mit Sitz in Brüssel. Ziel der Initiative ist die Sicherstellung angemessener Arbeitszeiten, Arbeitsschutzbedingungen und Lohnniveaus. Darüber hinaus unterhalten wir zwei eigene Qualitätskontrollabteilungen in den Produktionsländern. Ich halte den Produktionsstandort China nicht für das eigentliche Problem. Dort wird nun mal alles produziert, was die westliche Welt sich wünscht. Und das ist leider häufig echter Schrott. Insofern bin ich froh, dass Reima dort nachhaltige und langlebige Sachen produzieren lässt, hinter denen wir stehen können.

Wie würdest Du jemanden, der noch nie Outdoorkleidung oder Schuhe von Reima gesehen hat, Euren Style beschreiben?

Reima steht für Spaß an Aktivität im Freien. Unsere Designs sind sportiv, dynamisch, natürlich und dabei sehr lebensbejahend und fröhlich. Die Kollektionen sind zeitlos und überzeugen durch innovative, praktische Details. Man findet viele schöne Farben und ungewöhnliche Muster. Die Kollektionsteile lassen sich untereinander perfekt kombinieren und wirken auch als Kopf-bis-Fuß-Look niemals übertrieben gestylt.

Wie der Winter wird? Bunt! Reima sorgt mit frischen Farben für Fun auf der Piste. Foto: (c) Reima

Die Kollektionsteile lassen sich untereinander perfekt kombinieren und wirken auch als Kopf-bis-Fuß-Look niemals übertrieben gestylt..
Foto: (c) Reima

Eltern können mit Reima ihre Kinder von den Schuhen, Socken über Hosen und Overalls komplett einkleiden. Warum tut sich Reima das an, denn manche Outdoormarken haben sich komplett vom Kindersegment getrennt oder sich spezialisiert?

Genau das ist ja unsere Nische. Genau das ist unsere Stärke! Alle anderen machen entweder groß und klein oder Indoor und Outdoor oder sogar alle vier Bereiche. Wir machen nur Kinder-Outdoor, keine Miniatur-Versionen der Großen. Das sind zwar auch viele Produktgruppen, aber wenn man beim Design und der Entwicklung einzig und allein den Anlass in den Mittelpunkt stellt, dann ist es plötzlich ganz klar: Kinder sollen draußen spielen. Und nur darum dreht sich unser Denken und Handeln.

Eine Frage zum Schluss, die jeder Interviewpartner von Kinderoutdoor.de gestellt bekommt: Wo sollten Outdoor Familien unbedingt einmal gewesen sein? Was ist Dein Geheimtipp?

Für mich als Nordlicht ist das ganz klar. Föhr: Die schönste Insel der Welt. Mit der ganzen Familie im Herbst einen Strandspaziergang gegen die Norseeluft an und rein ins Watt. Expedition und Abenteuer pur. Herrlich!!

 

 

 

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