Wandern mit Kindern im Allgäu: Sich Zit long!

Wandern mit Kindern im Allgäu ist eine völlig entspannte Angelegenheit. Wenn Ihr auf dem Zeitweg von Balderschwang unterwegs seid. Niemand muss hier meditieren und auf Erleuchtung hoffen, sondern dieser Rundwanderweg ist es wert, sich beim Wandern mit Kindern Zeit zu lassen. Unterwegs entdeckt Ihr Hirsche, einen uralten Baum und lernt die Kräuter kennen. Sich Zit long, dass ist eine Kunst.

Balderschwanger sind etwas schwer zu verstehen. Sie sprechend das „Wäldlerisch“. Wer den Hit „Vo Mello bis ge Schoppornou“ im Ohr hat, der kennt diesen Dialekt, der eigentlich ins österreichische Vorarlberg gehört. Aber warum sprechen die Einheimischen von Balderschwang so? Das ist historisch einfach zu erklären. Na ja, was ist in der Geschichte von einfach. Balderschwang gehörte zur Grafschaft Bregenz und damit zu Österreich. 1805 ging das Dorf, sowie Teile des Bregenzer Waldes, an das Königreich Bayern. Nur neun Jahre später, 1814, kam der Bregenzerwald wieder zurück an Österreich. Seltsamerweise blieb aber Balderschwang bis heute bei Bayern. Selbst manche Allgäuer müssen sich sehr konzentrieren, wenn sie Balderschwanger zuhören. Deren Dialekt ist schon etwas Besonderes. Deshalb heißt auch der Zeitweg „Sich Zit long!“

Wandern mit Kindern im Allgäu: Augen auf am Balderschwanger Zeitweg

Eine ideale Tour für Familien, die weniger Wert auf das Sammeln von Höhenmetern legen, sondern lieber etwas unterwegs erleben wollen. Die Kinder meckern bei dieser Wanderung garantiert nicht. Ihr startet im Ortsteil Wäldle. Auf 7,5 Kilometern verteilt erwarten Euch 16 abwechslungsreiche Stationen. „Hm, die duftet aber wie unser Hustensaft!“ meint ein Kind und schnuppert nochmals an einer Heilpflanze. Bei Kienles Kräuterparadies bekommen die Kinder Kräuter zu sehen und zu riechen. Bei manchen Pflanzen sind sie erstaunt, dass diese heilen können und kein „Unkraut“ sind.  Der Weg führt Euch nun zu etwas, worauf die Balderschwander unglaublich stolz sind: Die alte Eibe von Balderschwang. Auf dem Hinweisschild steht, diplomatisch formuliert, „vielleicht der älteste Baum Deutschlands“ Dich die meisten Balderschwanger streichen das Wort vielleicht und sind sich absolut sicher, dass ihr grüner Methusalem der älteste Baum Deutschlands ist. Wie alt die 8,1o Meter hohe Eibe ist, lässt sich schwer sagen. Zwischen 800 und 1.500 Jahre kann der Baum schon durchaus alt sein. Trotzdem ist dieser Baum schon ein imposanter Anblick. Was aber sicher ist, dass Balderschwang zwei deutsche Rekorde hält: Es ist der Ort, wo pro Jahr die meisten Niederschläge runterkommen. Um die 2.450 Liter sind es pro Quadratmeter Balderschwang. Den Einheimischen tut das wenig, und niemand läuft deswegen dauernd in Gummistiefeln und Ostfriesennerz herum. Ein weiterer Rekord von Balderschwang: 1970 gingen hier in einem Jahr 3.503 Liter Niederschläger runter. Da hilft nur ein trockenes Plätzchen. Nach Regen sieht es heute in dem malerischen Hochtal kaum aus.

Wandern mit Kindern im Allgäu: Hirsche und Falter

Von der alten Eibe geht es wieder auf den Wanderweg. Die Kinder wandern an den satten den Weiden vorbei. Milchwirtschaft ist hier schon immer wichtig gewesen. Im Jahr 1800 sollen in Balderschwang lediglich 16 Familien um die 1.400 Tonnen Käse hergestellt haben. Zum Vergleich: Ein Superriesenbagger wiegt ebenfalls 1.400 Tonnen. An der nächsten Station lernen die Kinder eine Menge über die Kühe.  Oberhalb vom Dorf Balderschwang kommen wir beim Wandern mit Kindern im Allgäu zum Sägebachtobel. Mit Tobel bezeichnen die Allgäuer ein enges Tal. Im Sommer ist dieser Bach eher ein dünnes Gewässer, doch nach langen Regenfällen entwickelt er eine Naturgewalt. Auf einer großen Bergwiese ist die Heimat vom Apollofalter. Von Juni bis August flattert er hier herum. Bei der nächsten Station im Ruhepavillon legt sich die ganze Familie auf die gemütlichen Liegen und geniesst den Ausblick auf die Berge. Am Waldrand geht es nun oberhalb vom Ortsteil Gschwend vorbei. Beim Gästehaus Säntisblock ist ein Gehege mit Kaninchen, Ziegen und Hühnern. Da müssen die Kinder rein und streicheln. Bei den nächsten Stationen gibt es schottische Hochlandrinder und Hirsche in einem Wildgehege zu sehen. In Schlipfhalden endet der Zeitweg und es macht Spaß ihn zurückzugehen.

 

 

 

 

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