Schneeschuhwandern: Expertentipps vom BergBua

Schneeschuhwandern ist das pure Abenteuer für Outdoor Kinder im Winter. Beim Schneeschuhwandern fühlen sie sich wie die Trapper in Kanada oder dem eisigen Alaska. Ein weiterer Vorteil vom Schneeschuhwandern: Im Gegensatz zum Skifahren oder Snowboarden haben die Kinder in kürzester Zeit die Gehtechnik kapiert. Auch gibt es keine gefährlichen und steilen Abfahrten. Wir haben ein Interview für Euch mit Christian Pichler. Schneeschuhwandern ist seine Berufung. Seit neun Jahren führt er im Winter Touren mit Schneeschuhen. 

Wo ist Schneeschuhwandern besonders schön? Welche Schneeschuhe braucht Ihr? Warumm ist Schneeschuhwandern so faszinierend? Christian Pichler ist ausgebildetet Bergwander- und Schneeschuhwanderführer sowie geprüfter Skileher DSLV. Dieser Profi hat einige wertvolle Tipps für Euch!

Christian, das Schneeschuhwandern prägt seit einem knappen Jahrzehnt deinen Alltag. Was gefällt dir an deinem Job am meisten?

„Ich bin so gut wie jeden Tag in der Natur unterwegs – ohne Stress und Zeitdruck, das ist super. Als ehemaliger (Profi-)Mountainbiker ging es für mich lange nur darum so schnell wie möglich den Berg hinauf und wieder hinab zu kommen. Heute dreht sich mein Job um Entschleunigung. In meinen Schneeschuhwandergruppen sind zu einem großen Teil Leute, die einen stressigen Alltag haben und diesem für ein paar Stunden entkommen wollen. Es ist toll, wenn ich Menschen dabei unterstützen kann.“

Christian Pichler von BergBua rät:" Ideal wäre natürlich, wenn man sich einem ausgebildeten Schneeschuhwanderführer anvertraut, der einem neben der Grundtechnik und den möglichen alpinen Gefahren viel Wissenswertes rund um das Thema Schneeschuhwandern vermittelt." Foto (c) kinderoutdoor.de

Christian Pichler von BergBua rät:“ Ideal wäre natürlich, wenn man sich einem ausgebildeten Schneeschuhwanderführer anvertraut, der einem neben der Grundtechnik und den möglichen alpinen Gefahren viel Wissenswertes rund um das Thema Schneeschuhwandern vermittelt.“
Foto (c) kinderoutdoor.de

Was sollte man als Einsteiger beim Schneeschuhwandern beachten?

„Eines der entscheidendsten Dinge ist die Routenwahl – dabei sind Sommer- und Wintertouren nicht vergleichbar. Wanderungen, die man aus dem Sommer gut kennt, sind im Winter oftmals ganz anders. Am besten geht man anfangs einige hundert Meter neben einer präparierten Piste, auf die man ausweichen kann, um die ersten Versuche zu starten (sollte der erste Schneeschuhversuch nicht wie erhofft klappen). Wie bei allen Sportarten in den Bergen, bestehen auch beim Schneeschuhwandern alpine Gefahren. Vieles hängt von der Schneebeschaffenheit und den aktuellen Wetterbedingungen ab. Außerdem wird es im Winter in den Bergen meist sehr schnell dunkel, was Schneeschuhwander-Neulinge oft unterschätzen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das passende Equipment. Beim Schneeschuhwandern braucht man nicht viel, aber eine gute Ausrüstung. Dazu zählen mindestens knöchelhohe Bergschuhe, Wanderstöcke, vernünftige und angepasste Bekleidung und natürlich die passenden Schneeschuhe.

Beim "Schneeschuhwandern braucht man nicht viel, aber eine gute Ausrüstung, " erklärt der ausgebildete Schneeschuhwanderführer Christian Pichler von BergBua. Foto (c) kinderoutdoor.de

Beim „Schneeschuhwandern braucht man nicht viel, aber eine gute Ausrüstung, “ erklärt der ausgebildete Schneeschuhwanderführer Christian Pichler von BergBua.
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Ideal wäre natürlich, wenn man sich einem ausgebildeten Schneeschuhwanderführer anvertraut, der einem neben der Grundtechnik und den möglichen alpinen Gefahren viel Wissenswertes rund um das Thema Schneeschuhwandern vermittelt. Sind erst mal die ersten Erfahrungen gesammelt, steht dem Naturerlebnis Schneeschuhwandern nichts mehr im Wege.“

Schneeschuhwandern in Deutschland: Tolle Routen in den Mittelgebirgen und Alpen

Anders als bei vielen bekannten Wintersportarten braucht man zum Schneeschuhwandern nicht unbedingt die Berge. Was sind deine Lieblingsrouten quer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz?

„In Deutschland gibt es tolle Routen zum Schneeschuhwandern. Eine meiner Favoriten startet am Brocken, welcher der höchste Berg im Harz ist und von wo aus man eine tolle Aussicht auf das umliegende Land hat. Sie ist ca. 10 km lang mit einer Dauer von etwa 4 Stunden und ist für jedermann geeignet.
Im Bayerischen Wald gibt es eine landschaftlich sehr schöne Route auf den Rachel. Diese kann bei normalen Verhältnissen mit mittlerer Kondition ohne Schwierigkeiten gegangen werden. Ausgangspunkt ist der G`fäll-Parkplatz, bei Spiegelau und man ist insgesamt ungefähr 3-4 Stunden unterwegs.
Auch der Schwarzwald ist für Schneeschuhwanderungen sehr zu empfehlen. Mein Favorit ist eine ungefähr 12 km lange Tour mit einer Dauer von etwa 4 Stunden, welche abseits der Massen des Feldberges verläuft und beim Parkplatz Escheck bei Schönwald startet: Die gemütliche Wanderung zur Bregquelle, welche weiter zum Aussichtsturm Brend auf 1149m führt ist für Jedermann geeignet und (noch) wenig überlaufen.
Eine meiner Lieblingsrouten führt zum Stolzenberg (1609m), dem ruhigen Berg am Spitzingsee in Bayern. Die Route, mit Ausgangspunkt an der Albert-Link-Hütte ist ein wahrer Geheimtipp für uns Schneeschuhwanderer; man sollte jedoch etwas Orientierungssinn mitbringen. Die Dauer der Wanderung beträgt in etwa 3-4 Stunden mit einer Pause.

Schneeschuhwandern abseits von ausgetretenen Pfaden. Christian Pichler ist seit neun Jahren als Tourenführe unterwegs. Foto (c) kinderoutdoor.de

Schneeschuhwandern abseits von ausgetretenen Pfaden. Christian Pichler ist seit neun Jahren als Tourenführe unterwegs.
Foto (c) kinderoutdoor.de

Auch Österreich und Schweiz haben einige tolle Schneeschuhwanderrouten zu bieten. In Österreich liegt meiner Meinung nach die beste Tour inmitten der Kitzbüheler Alpen. Die sanft ansteigenden Hänge des Lodron sind auch für weniger geübte Schneeschuhwanderer bestens geeignet. Trotzdem ist etwas Kondition gefragt, denn der herrliche Gipfelausblick ist einem erst nach etwas über 3 Stunden vergönnt. Die gesamte Wanderung dauert ungefähr 5 Stunden. In der Schweiz ist für mich das absolute Highlight die Alp Flix Schneeschuhtour. Diese startet im Bergdorf Sur und führt durch den Parc Ela, den größten Naturpark der Schweiz. Unbedingt zu empfehlen ist das Berghaus Piz Platta bei Tigias und das Alpbeizli „Agroturismo“. Nach der Stärkung geht es auf einem kurvenreichen Weg zurück zum Ausgangspunkt mit einer gesamten Dauer von ca. 4 Stunden.“

Die ATLAS SNOW-SHOE COMPANY hat in der Saison 2015/16 drei verschiedene Modelle – Rendezvous, Access und Treeline – für drei verschiedene Schneeschuhwander-Typen entwickelt. Welchen Schneeschuh würdest du für welche Route empfehlen?

„Der „Rendezvous“ ist für mich ein klassisches Einstiegsmodell. Dieser Schuh ist ideal für flaches, ebenes Gelände im Wald und auf freien Wiesen. Der „Access“ ist in meinen Augen der perfekte Schneeschuh in unseren Breiten. Egal ob in den Mittelgebirgen oder den Alpen, mit diesem Modell liegt man immer richtig. Das dritte Modell, der „Treeline“ ist für alle, die beim Schneeschuhgehen keinen Kompromiss eingehen wollen. Das leichte Gewicht, die Steighilfe und die stabile Wrap Lux Bindung macht den Treeline zum unverzichtbaren Begleiter. Dieser Schneeschuh ist sowohl für gemütliche Tagestouren als auch für sportliche Mehrtagestouren ausgelegt und kann für jedes Level perfekt genutzt werden.“

Eine abschließende Frage: Warum sollte man sich Schneeschuhwandern in der Saison 2015/16 auf gar keinen Fall entgehen lassen?

„Schneeschuhwandern kann jeder – von jung bis alt, von ambitioniert und sportlich bis hin zu gemütlich und genussvoll. Man kann alleine, zu zweit oder in einer größeren Gruppe wandern. Ein Paar Schneeschuhe sind völlig ausreichend und schon ist man bereit in der Natur Ruhe, Erholung oder wahlweise auch die sportliche Herausforderung zu suchen und zu finden. Ich finde das ist Grund genug.“

Danke Christian für das Interview und viel Spaß bei Deinen Touren!

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