Quengeln: Terror ohne Bomben

Quengeln ist die Waffe der kleinen Menschen. Aber sie wirkt! Eine Panzerfaust ist eine harmlose Knallerbse im Vergleich zum Quengeln. Sicher habt Ihr Euch auch schon gefragt, warum sind die Kinder so fies und vermiesen einen mit quengeln ein tolles Outdoor Abenteuer. Hier kommt ein Erklärungsversuch.

Der Unterschied zwischen Giftgas und quengeln? Der Einsatz von Giftgas ist verboten. Immer wieder erreichen Kinderoutdoor.de Mails von Eltern in denen sie fragen, was die gegen das Quengeln tun können. Am besten wir nähern uns diesem Phänomen in dem wir uns in eine Situation begeben, die ihr alle vielleicht oder so ähnlich kennt. Ein sonniger Nachmittag im Winter. Ihr wollt mit den Kindern zum Rodeln auf den Schlittenhügel gehen. Richtet alles her, packt die Thermoskanne mit Tee sowie die Plätzchen ein und helft den Kindern beim Anziehen. Bis jetzt verläuft alles ganz harmonisch. Raus geht es auf die verschneiten Straßen. Ihr tragt den Rucksack und zieht den Schlitten. Die Kinder trotten neben Euch her. Plötzlich beginnt Kind Nummer eins zu quengeln :“Mir tun die Füße weh!“ Zuerst ignoriert Ihr diesen Zwischenruf. Doch es folgt die Wiederholung: „Mir tun die Füße weh!“ Seltsam, ihr seid erst fünf Minuten unterwegs und die Eigernordwand steht heute ausnahmsweise auch nicht auf dem Programm. Jetzt muntert Ihr Kind Nummer eins auf mit „Komm, nur noch zehn Minuten und wir sind da!“ oder „So schlimm wird es schon nicht sein!“ Bums! Das hat gesessen und zwar bei Kind Nummer eins. Keine Sorge der Gegenschlag kommt postwendend „Mir tun die Füße weh und ich geh nicht mehr weiter!“ So und jetzt geht es richtig los „Na hab Dich nicht so!“ oder andere Sprüche heizen das Kind erst richtig an und es legt immer noch eine Schippe drauf.

Alle guten Rodler tragen einen Helm! Was im Eiskanal von Berchtesgaden gilt, schützt auch auf den Naturrodelbahnen. Foto: (c) Kinderoutdoor.de

Nein! Meinen Schlitten zieh ich nicht. Quengeln in Reinkultur!
Foto: (c) Kinderoutdoor.de

TIPP: Versucht zu verhindern, dass eine Quengel Situation eskaliert.

Helfen könnte (ich schreibe bewusst könnte, weil es gegen Quengeln das legale Allheilmittel noch nicht gibt) konkret Kind Nummer eins zu fragen „Was ist los? Wo tun Dir die Füße weh?“ Nun muss es Farbe bekennen und macht Euch schon mal auf seltsame Argumente gefasst: „Hier drückt mich der Schuh!“ Fatal ist es jetzt die Wahrheit zu sagen wie „Aber den Schuh hast Du seit einem Jahr und fast jeden Tag an!“ Das mag zwar stimmen, ist aber in dieser Situation ein wunderbares Mittel um weiteres Quengeln auszulösen.

TIPP: Bietet konkrete Hilfe an

Stellt Euch vor, Ihr seid so Abenteuerlustig und fahrt mit der Bahn zum Flughafen. Drei Stunden kommt der Zug verspätet an. Das Flugzeug ist bereits in der Luft; ohne Euch. Ihr greift zum Handy und ruft bei der Hotline der Bahn an. So richtig sauer erzählt ihr der Person am anderen Ende der Leitung was passiert ist. Doch die sagt im ersten Satz:“Ich verstehe, dass sie verärgert sind!“ Spätetestens jetzt gehen bei allen, die keine Großmeister in der Meditation sind, alle Gäule durch. Ihr wollt kein Verständnis sondern eine klare Ansage wie „Wir übernehmen die Kosten für den nächsten Flug“ oder „Selbstverständlich ersetzen wir ihnen den entstandenen Schaden“ Genauso geht es jetzt Kind Nummer eins. Das will nicht hören „Oh, da habe ich aber Verständnis dafür, dass Dir die Füße weh tun!“ Nein, auch das Kind will eine konkrete Maßnahme. Lasst es auf den Schlitten setzen und untersucht den Schuh. Siehe da Ihr könnt sogar mit bloßen Händen Schuhe reparieren. Wenn da noch einer sagt mit Leonardo da Vinci ist das letzte Universalgenie gestorben. Ein großer Fehler ist es, Kind Nummer eins einen Platz auf dem Schlitten anzubieten, denn dadurch fühlt sich Kind Nummer zwei sofort ungleichbehandelt und startet eine Quengel-Offensive. Kind Nummer eins gar nicht feige verbündet sich sofort mit Euch und schon ist der ganze Nachmittag im Eimer.

Tipp: Quengeln ist das beste Mittel für Aufmerksamkeit

Jetzt sind wir bei der Kernfrage: Warum quengeln Kinder überhaupt. Weil sie dadurch Euere Aufmerksamkeit bekommen. Kinder fühlen sich schnell zu kurz gekommen, wenn das Ganze dann kombiniert mit einer Outdoor-Aktion ist, die das Kind eigentlich gar nicht wollte, steht richtige Quengelei ins Haus.Doch was ist dagegen zu tun? Der Extrembergsteiger und zweifache Vater Simone Moro hat dazu eine Antwort:“Kinder quengeln, weil sie nicht genug spielen. Unterwegs lassen sich aus der Situation heraus Spiele erfinden, die der ganzen Familie Spaß machen. Wichtig ist auch, beim Wandern genügend Pausen einzulegen. Zeitdruck darf es beim Bergsteigen mit Kindern nicht geben. Pausen sind für alle gut. Alle Bergsteiger waren einmal Kinder. Alle Bergführer waren einmal Kinder. Alle Hüttenwirte waren einmal Kinder. Alle Expeditionsleiter waren einmal Kinder. Alle Entwickler von Bergausrüstung waren einmal Kinder. Warum sind sie beim Bergsteigen geblieben? Weil sie es immer noch so lieben, wie sie es als kleine Kinder schon taten. Deshalb mein Appell an Kinder und Erwachsene: Spielt mehr!“

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