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Decathlon B’Twin Long John F900E Family: Kann ein 5.000-Euro-Lastenrad wirklich das Auto ersetzen?

Wer zum ersten Mal den Preis des Long John F900E Family sieht, schluckt vermutlich kurz: 4.999 Euro für ein Fahrrad, auch wenn “Auto” eigentlich das treffendere Vergleichswort wäre. Genau das ist aber der erklärte Anspruch von Decathlon: Das neue E-Lastenrad soll für Familien eine echte, alltagstaugliche Alternative zum Zweitwagen sein – mit Platz für bis zu vier Kinder, einem Motor mit ordentlich Kraft und einem Regenschutz, der aussieht, als hätte er sich bei einem Kinderwagen was abgeschaut. Wir haben uns angeschaut, ob die Ausstattung diesen Anspruch auf dem Papier tatsächlich stützt.

Die Frontbox: Das eigentliche Herzstück des Rads

Bei einem Long-John-Lastenrad steht und fällt fast alles mit der Frontbox – und hier hat Decathlon sichtlich nicht gespart. Die Box besteht aus Okoumé-Holz mit Nietverbindungen, ausgestattet mit einer Zweierbank sowie einer klappbaren Einzelbank, jeweils mit Polster und Rückenlehne. In der maximalen Konfiguration finden damit bis zu vier Kinder Platz – für Familien mit mehreren Kindern oder für Mitfahrgelegenheiten aus der Nachbarschaft ein Wort.

Gesichert werden die kleinen Passagiere über 5-Punkt-Sicherheitsgurte, der Ein- und Ausstieg soll dank einer integrierten Tür ohne Klettereinlage gelingen – ein Detail, das gerade bei jüngeren Kindern, die sich noch nicht selbstständig über den Rand einer Box hieven können, im Alltag den Unterschied macht.

Wetterschutz mit Patent: Das Regenverdeck

Ein zentrales Verkaufsargument ist das patentierte Regenverdeck, das fest am Rad montiert bleibt und sich per Schiebesystem innerhalb weniger Sekunden auf- und wieder zusammenfalten lässt. Der Stoff ist reflektierend, was die Sichtbarkeit bei Dämmerung und Dunkelheit verbessert, zusätzlich gibt es seitliche Halterungen für Clip-Leuchten zur weiteren Beleuchtung. Ein kleiner Überstand am Verdeck soll zudem die Hände der fahrenden Person vor Regen schützen – ein Detail, das in der Praxis oft unterschätzt wird, aber bei Dauerregen durchaus zählt.

Ergänzt wird das Ganze durch eine große Windschutzscheibe an der Front, die zumindest den direkten Fahrtwind von den Kindern in der Box fernhalten soll.

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Der Antrieb: Kraftvoll, aber mit Fragezeichen bei der Reichweite

Angetrieben wird das Long John F900E von einem Brose S Mag Mittelmotor mit einem maximalen Drehmoment von 90 Newtonmetern – ein Wert, der sich im Alltag vor allem beim Anfahren mit vollbeladener Box und bei Steigungen bemerkbar machen dürfte. Das Motorgehäuse besteht aus Magnesium, was laut Hersteller Gewicht spart, ohne die Kraft zu beschneiden.

Die Energie liefert ein Lithium-Ionen-Akku mit 630 Wattstunden Kapazität. Zur tatsächlichen Reichweite unter realistischen Alltagsbedingungen – also mit beladener Box, mehreren Kindern und wechselndem Gelände – liegen uns keine unabhängig verifizierten Werte vor. Hier würden wir vor dem Kauf gezielt nach Erfahrungswerten aus der Praxis fragen, statt sich allein auf Herstellerangaben zu verlassen.

Bremsen, Schaltung und Fahrwerk

Für die Verzögerung sorgen Tektro MH535 Scheibenbremsen mit 4-Kolben-System und 180 Millimeter großen Bremsscheiben – bei einem Gesamtgewicht von 66 Kilogramm plus Zuladung ein Ausstattungsdetail, das nicht als Nebensache abgetan werden sollte. Geschaltet wird über eine wartungsarme Shimano Nexus 5-Gang-Nabenschaltung, die sich gerade im Alltagsbetrieb mit häufigem Anfahren und Anhalten bewährt hat.

Vorne sorgt eine Federgabel mit 50 Millimetern Federweg für etwas zusätzlichen Komfort auf unebenem Untergrund – kein Vollfederungs-Niveau, aber für ein Lastenrad dieser Preisklasse eine sinnvolle Ergänzung.

Zuladung: Die entscheidende Zahl für Familien

Das Gesamtgewicht des Rads liegt bei 66 Kilogramm, die zulässige Zuladung bei bis zu 184 Kilogramm – eine Zahl, die Fahrer:in, Kinder, Gepäck und eventuelles Zubehör gemeinsam einschließt. Wichtig dabei, wie wir es auch in anderen E-Bike-Datenchecks betonen: Das zulässige Gesamt- beziehungsweise Systemgewicht wird von Herstellern unterschiedlich definiert und liegt oft niedriger, als Käufer:innen intuitiv annehmen. Wer eine Familie mit vier Kindern plus Einkäufen transportieren möchte, sollte diese Zahl vor dem Kauf gemeinsam mit dem eigenen Körpergewicht konkret durchrechnen, statt sich auf ein Bauchgefühl zu verlassen.

Vernetzung: Mehr Smartphone-Anbindung als man erwarten würde

Über die Decathlon-Geocover-App lässt sich das Rad orten, bei ungewöhnlichen Bewegungen erhält man Benachrichtigungen, zudem werden gefahrene Kilometer, eingesparte CO2-Emissionen, Durchschnittsgeschwindigkeit und verbrauchte Kalorien angezeigt. Ergänzend gibt es optional eine Laka-Versicherung für bis zu 22 Euro im Monat, die in Verbindung mit dem integrierten GPS-Tracker gegen Unfall, Beschädigung und Diebstahl absichert, auch im öffentlichen Straßenraum. Ein zusätzliches Ringlock-Rahmenschloss ist bereits werkseitig verbaut.

Auszeichnung und Verfügbarkeit

Das Modell wurde bereits mit dem iF Design Award ausgezeichnet, einer der bekannteren internationalen Designauszeichnungen – ein Hinweis auf durchdachte Gestaltung, aber kein Ersatz für einen unabhängigen Fahrtest. Erhältlich ist das Long John F900E Family aktuell in mehreren Farbvarianten, der Preis liegt bei 4.999 Euro. Eine Plattform-Variante ohne Frontbox, gedacht für den Transport sperriger Gegenstände statt Kindern, ist laut Hersteller ebenfalls geplant.

Für wen sich ein Blick lohnt – und für wen (noch) nicht

Familien, die tatsächlich über einen Autoersatz nachdenken und regelmäßig mehrere Kinder gleichzeitig transportieren, finden hier auf dem Papier eine ernstzunehmende Ausstattung: kräftiger Motor, durchdachter Wetterschutz, solide Bremsen. Wer dagegen nur gelegentlich ein Kind mitnehmen möchte, dürfte mit einem einfacheren, deutlich günstigeren Fahrradkindersitz oder -anhänger besser bedient sein – der happige Preis lohnt sich vor allem bei intensiver, alltäglicher Nutzung.

Tipps & Tricks vor dem Kauf eines Long-John-Lastenrads

  • Probefahrt mit realistischer Beladung verlangen: Das Fahrverhalten eines Long John unterscheidet sich deutlich von einem normalen Fahrrad – am besten mit Gewicht in der Box testen, nicht leer.
  • Zuladung konkret durchrechnen: Eigenes Gewicht plus Kinder plus Ausrüstung gegen die 184-Kilogramm-Grenze abgleichen, statt sich auf ein Gefühl zu verlassen.
  • Abstellplatz vorab klären: Long-John-Räder sind lang und sperrig – ein normaler Fahrradkeller oder -abstellplatz reicht oft nicht aus.
  • Ladezyklen und Akkupflege einplanen: Bei einem Akku dieser Größenordnung lohnt sich ein Blick auf Herstellerhinweise zur optimalen Lagerung und Ladung, um die Lebensdauer zu maximieren.
  • Versicherungsfrage frühzeitig klären: Bei einem Anschaffungspreis von rund 5.000 Euro lohnt sich ein genauer Blick auf die optionale Versicherung und deren Bedingungen im Kleingedruckten.
  • Vernetzte Funktionen kritisch prüfen: GPS-Tracking und App-Anbindung sind praktisch, bedeuten aber auch, dass Bewegungsdaten erfasst werden – ein Punkt, der je nach eigenem Datenschutzbedürfnis unterschiedlich bewertet werden kann.

Checkliste für die Kaufentscheidung

Bedarf: Regelmäßiger Transport mehrerer Kinder, Ersatz für ein Zweitauto realistisch geplant

Technik: Motorleistung und Akkukapazität mit eigenem Streckenprofil abgeglichen

Praxis: Abstellmöglichkeit vorhanden, Zuladung mit eigenem Familiengewicht durchgerechnet

Budget: Anschaffungspreis inklusive optionaler Versicherung realistisch eingeplant


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viele Kinder passen in die Frontbox des Long John F900E Family?
Mit Zweierbank und klappbarer Einzelbank bietet die Box laut Hersteller Platz für bis zu vier Kinder gleichzeitig.

Was macht das Regenverdeck besonders?
Es ist patentiert, bleibt fest am Rad montiert und lässt sich per Schiebesystem in wenigen Sekunden auf- und zuklappen, zudem besteht der Stoff aus reflektierendem Material für bessere Sichtbarkeit.

Wie hoch ist die maximale Zuladung?
Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 184 Kilogramm, inklusive Fahrer:in, Kindern, Gepäck und Zubehör.

Welcher Motor ist verbaut, und wie stark ist er?
Ein Brose S Mag Mittelmotor mit einem maximalen Drehmoment von 90 Newtonmetern und einem leichten Magnesiumgehäuse.

Was kostet das Decathlon Long John F900E Family?
Der Preis liegt bei 4.999 Euro (UVP).

Wurde das Rad unabhängig getestet?
Uns liegen aktuell keine unabhängigen, gefahrenen Testberichte vor – dieser Beitrag basiert auf Hersteller- und Pressematerial. Vor dem Kauf empfehlen wir ausdrücklich eine eigene Probefahrt.


Auf dem Papier liefert das Decathlon B’Twin Long John F900E Family eine beeindruckend durchdachte Ausstattung: kräftiger Motor, cleverer Wetterschutz, solide Bremsanlage und Platz für eine ganze Kinderschar. Ob das im Alltag – bei Regen, Steigung und voller Beladung – tatsächlich so überzeugt, wie es sich in der Spezifikationsliste liest, lässt sich ohne eigene Testfahrt aber ehrlicherweise nicht abschließend sagen. Wer über die Anschaffung nachdenkt, sollte den stolzen Preis unbedingt mit einer ausgiebigen, beladenen Probefahrt beim Händler verbinden, statt sich allein auf Prospektwerte zu verlassen.