Wasserdicht, schmutzabweisend, pflegeleicht – für diese Eigenschaften setzte die Outdoor-Branche jahrzehntelang auf eine Stoffgruppe, die heute zunehmend in der Kritik steht: PFAS, auch als “ewige Chemikalien” bekannt, weil sie sich in der Umwelt kaum abbauen. Mammut vermeldet jetzt einen wichtigen Meilenstein: Seit der Herbst-/Winterkollektion 2025/2026 kommt die gesamte Bekleidung des Schweizer Herstellers ohne absichtlich zugesetzte PFAS aus. Für Familien, die ihre Kinder in Regenjacken, Softshells und Wanderschuhe stecken, ist das mehr als eine austauschbare Marketingfloskel – wir erklären, warum.
PFAS steht für eine große Gruppe synthetischer Chemikalien, die in der Outdoor-Branche lange aufgrund ihrer wasser-, fleck- und fettabweisenden Eigenschaften zum Einsatz kamen – genau die Eigenschaften, die eine Regenjacke überhaupt erst regentauglich machen. Das Problem: Diese Stoffe bauen sich in der Umwelt kaum ab und bergen Risiken für die Gesundheit von Mensch und Tier. Genau deshalb tragen sie im Volksmund den Beinamen “ewige Chemikalien” – einmal freigesetzt, verschwinden sie über Jahrzehnte bis Jahrhunderte nicht wieder aus Boden und Wasserkreislauf.
Für Familien ist das aus zwei Gründen relevant: Zum einen tragen Kinder ihre Outdoor-Kleidung oft direkt auf der Haut über viele Stunden, gerade bei aktiven Ausflügen, wenn geschwitzt wird und die Poren offener sind. Zum anderen landen ausgewaschene PFAS-Rückstände über Waschmaschinenabwasser und Umweltkontakt letztlich wieder in genau der Natur, in der diese Kinder später selbst unterwegs sein werden – ein Kreislauf, der sich über Generationen fortsetzt, wenn nichts verändert wird.

Der Meilenstein: 100 Prozent PFAS-frei bei Mammut
Laut dem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht 2025 verzichtet Mammut seit der Herbst-/Winterkollektion 2025/2026 bei allen neuen Produkten auf absichtlich zugesetzte PFAS – das umfasst Bekleidung, Accessoires, Schlafsäcke, Klettergurte, Schuhe sowie Rucksäcke und Taschen. Einzige Ausnahme bilden Seile, für die eine regulatorische Ausnahme gilt, weil hier besonders hohe Anforderungen an Reibungsfestigkeit und Langlebigkeit bestehen. Doch auch hier tut sich etwas: Bereits 75 Prozent der Seile in der aktuellen Kollektion kommen ohne absichtlich zugesetzte PFAS aus, eine PFAS-freie Seilbehandlung ist bereits eingeführt und soll bis Frühling/Sommer 2027 auf alle Seiltypen ausgeweitet werden.
Dass Mammut dieses Ziel nicht über Nacht erreicht hat, unterstreicht die Ernsthaftigkeit des Vorhabens: Das Unternehmen arbeitet bereits seit 2016 an Alternativen zu PFAS-haltigen Imprägnierungen und unterstützt zudem regulatorische Bestrebungen, die Stoffgruppe branchenweit einzuschränken. CEO Heiko Schäfer bringt den aktuellen Stand nüchtern auf den Punkt: Man habe wichtige Fortschritte erzielt, doch es liege noch viel Arbeit vor einem – eine Formulierung, die ehrlicher wirkt als vollmundige Nachhaltigkeitsversprechen, wie man sie aus anderen Branchen kennt.
Was PFAS-freie Imprägnierung in der Praxis bedeutet
Für Eltern stellt sich naturgemäß die Frage, ob eine PFAS-freie Regenjacke überhaupt noch zuverlässig vor Nässe schützt. Die kurze Antwort: Ja, moderne Alternativ-Imprägnierungen haben in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt und erreichen inzwischen Wasserabweisungswerte, die mit klassischen PFAS-Beschichtungen konkurrieren können. Der Unterschied liegt eher im Detail: PFAS-freie DWR-Imprägnierungen (Durable Water Repellent) können unter Umständen etwas häufiger nachbehandelt werden müssen, um ihre volle Wirkung zu behalten – ein überschaubarer Pflegeaufwand im Vergleich zum ökologischen und gesundheitlichen Nutzen.

Netto-Null bis 2050: Ein extern geprüftes Ziel statt reiner Ankündigung
Neben dem PFAS-Ausstieg dokumentiert der Nachhaltigkeitsbericht einen zweiten zentralen Fortschritt: Die Science Based Targets initiative (SBTi) hat Mammuts langfristiges Netto-Null-Ziel offiziell validiert. Damit sind sowohl die kurzfristigen Klimaziele für 2030 als auch das übergeordnete Netto-Null-Ziel für 2050 nach dem international anerkannten Corporate Net-Zero Standard extern verifiziert – ein wichtiger Unterschied zu Unternehmen, die ihre eigenen Klimaziele lediglich selbst verkünden, ohne sie extern prüfen zu lassen.
Ehrlich bleibt der Bericht dabei auch bei den weniger erfreulichen Zahlen: 2025 verursachte Mammut einen geschätzten CO₂-Fußabdruck von 76.712 Tonnen CO₂-Äquivalent, rund 13 Prozent mehr als im neu berechneten Vorjahreswert – ein Anstieg, der laut Unternehmensangaben vor allem auf das eigene Geschäftswachstum zurückzuführen ist. Gleichzeitig sank die CO₂-Intensität, also der Ausstoß im Verhältnis zum Umsatz, trotz dieses Wachstums um 1,6 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die Effizienzmaßnahmen greifen, auch wenn die absoluten Emissionen durch mehr verkaufte Produkte insgesamt gestiegen sind.

Wenn Nachhaltigkeit Teil des Designs wird, statt Nachgedanke zu bleiben
Besonders interessant für alle, die auf langlebige Ausrüstung Wert legen: Mammut positioniert Verantwortung inzwischen als integralen Bestandteil der Produktentwicklung statt als nachträglichen Gedanken. Die neue Eiger Extreme Nordwand 6.0 Kollektion etwa verbindet alpine Höchstleistung mit Reparaturfähigkeit und Langlebigkeit – robuste Konstruktionen und reparaturfreundliche Details sorgen dafür, dass Kleidungsstücke im Ernstfall repariert statt weggeworfen werden können.
Auch bei der Kletterausrüstung gibt es Bewegung: Ein neues Kletterseil aus 100 Prozent recyceltem Polyamid soll nach internen, allerdings nicht extern verifizierten Berechnungen rund 56 Prozent CO₂-Emissionen gegenüber konventionellem Neu-Polyamid sparen. Die überarbeitete Ophir-Gurtfamilie besteht mittlerweile zu 70 bis 85 Prozent aus recycelten Materialien und macht bereits rund die Hälfte aller Klettergurt-Verkäufe von Mammut aus – ein bemerkenswerter Beleg dafür, dass sich recycelte Materialien auch im großen Maßstab einer High-Volume-Kollektion konsequent einsetzen lassen, statt nur in kleinen Nischenprodukten zu stecken.
Reparieren statt wegwerfen: Zirkularität mit konkreten Zahlen
Ein wirksamer Hebel für eine bessere Umweltbilanz ist schlicht die längere Nutzungsdauer von Ausrüstung. 2025 verlängerte Mammut nach eigenen Angaben weltweit die Lebensdauer von schätzungsweise rund 15.270 Produkten durch Reparaturen und verhinderte damit ihre vorzeitige Entsorgung. Für Familien, die ihre Outdoor-Ausrüstung ohnehin über Jahre und oft über mehrere Kinder hinweg nutzen, ist das ein Aspekt, der sich unmittelbar auszahlt: Eine reparierbare Jacke bedeutet weniger Neukäufe und mehr Wert für das investierte Geld.
Auch bei der Ressourceneffizienz zeigt sich Bewegung: Rund 79.000 Bekleidungsstücke entstanden 2025 aus Materialresten – fast 49.000 Stück mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen 6.707 sogenannte WE CARE Seile aus Restnylon sowie 1.700 Kilogramm Produktionsreste aus der Seilherstellung, die über das hauseigene LOOPINSULATION-Verfahren zu neuer Isolierung weiterverarbeitet wurden. Diese Isolierung verursacht laut Schätzungen bis zu 48 Prozent weniger CO₂-Emissionen als klassische Isolierung aus neuem Polyester – ein Detail, das bei der nächsten winterfesten Jacke für die Familie durchaus eine Rolle spielen kann.
Soziale Verantwortung: Mehr als nur Materialfragen
Nachhaltigkeit endet bei Mammut laut Bericht nicht bei Chemikalien und CO₂-Bilanzen. Die fortlaufende Partnerschaft mit der Organisation ClimbAID basiert auf der Überzeugung, dass Bergsport Resilienz, Inklusion und Verbundenheit stiften kann. 2025 entstand in Zusammenarbeit mit ClimbAID der Film “SAMA”, der die Geschichte zweier geflüchteter Kletterinnen im Libanon erzählt – ein Beispiel dafür, wie Outdoor-Sport auch jenseits der reinen Produktebene gesellschaftliche Wirkung entfalten kann.
Auch die branchenweite Zusammenarbeit bleibt ein wichtiger Baustein: 2025 erreichte Mammut den LEADER-Status bei der Nachhaltigkeitsinitiative Cascale, ein Beleg für Fortschritte bei anerkannten Bewertungstools, wissenschaftsbasierten Klimazielen und mehr Transparenz in der Lieferkette. Dazu kommen langjährige Partnerschaften, die für Kontinuität statt kurzfristiger PR-Aktionen stehen: 17 Jahre Mitgliedschaft bei der Fair Wear Foundation, die sich für faire Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion einsetzt, sowie 14 Jahre als bluesign-Systempartner für schadstoffgeprüfte Textilproduktion.
Was das für den Einkaufskorb bedeutet: Worauf Familien achten können
Wer beim nächsten Kauf einer Regenjacke, Softshelljacke oder Wanderschuhe für die Familie bewusster entscheiden möchte, kann sich an ein paar wiederkehrenden Kennzeichen orientieren, die im Bericht eine Rolle spielen: Der ausdrückliche Verzicht auf absichtlich zugesetzte PFAS, Zertifizierungen wie Fair Wear oder bluesign, ein hoher Anteil recycelter Materialien sowie die Verfügbarkeit von Reparaturservices. Keines dieser Kriterien ist für sich allein ein Garant für absolute Nachhaltigkeit, aber in Kombination geben sie eine deutlich bessere Orientierung als reine Werbeversprechen auf dem Anhänger.

Tipps & Tricks für nachhaltigere Outdoor-Käufe
- Auf “PFAS-frei” statt nur “umweltfreundlich” achten: Der Begriff “umweltfreundlich” ist nicht geschützt, während ein expliziter PFAS-Verzicht eine konkrete, überprüfbare Aussage ist.
- Reparatur vor Neukauf in Betracht ziehen: Viele Outdoor-Marken bieten mittlerweile eigene Reparaturservices an – bevor eine Jacke mit kaputtem Reißverschluss im Müll landet, lohnt sich eine Anfrage beim Hersteller.
- Zertifizierungen als Orientierung nutzen: Siegel wie Fair Wear oder bluesign sind keine Selbstauskunft der Marke, sondern werden von unabhängigen Organisationen vergeben und bieten damit mehr Verlässlichkeit als reine Eigenaussagen.
- Second-Hand und Weitergabe mitdenken: Gerade bei schnell wachsenden Kindern lohnt sich der Blick auf gebrauchte, hochwertige Outdoor-Kleidung – das schont sowohl Umwelt als auch Geldbeutel.
- Imprägnierung regelmäßig auffrischen: PFAS-freie Imprägnierungen können etwas pflegeintensiver sein – ein regelmäßiges Nachimprägnieren erhält die Funktion und verlängert die Lebensdauer des Kleidungsstücks zusätzlich.
- Nicht jedes Jahr neu kaufen: Hochwertige, reparierbare Outdoor-Ausrüstung ist oft so konzipiert, dass sie mehrere Saisons oder sogar mehrere Kinder überdauert – ein bewusster Umgang mit der Anschaffung zahlt sich langfristig aus.
Checkliste für den nachhaltigen Ausrüstungskauf
Material: Ausdrücklicher Verzicht auf absichtlich zugesetzte PFAS, hoher Anteil recycelter Materialien
Zertifizierung: Unabhängige Siegel wie Fair Wear oder bluesign vorhanden
Langlebigkeit: Reparaturservice verfügbar, robuste statt kurzlebige Verarbeitung
Klimabilanz: Nach Möglichkeit extern validierte Klimaziele des Herstellers (z. B. durch SBTi)
Eigenes Verhalten: Second-Hand-Optionen geprüft, Imprägnierung statt Neukauf bei nachlassender Wasserdichtigkeit
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet “PFAS-frei” konkret?
Es bedeutet, dass bei der Herstellung keine PFAS-Chemikalien absichtlich zugesetzt wurden. Bei Mammut trifft das seit der Herbst-/Winterkollektion 2025/2026 auf 100 Prozent der Bekleidung, Accessoires, Schlafsäcke, Klettergurte, Schuhe sowie Rucksäcke und Taschen zu.
Warum gelten PFAS als problematisch?
PFAS bauen sich in der Umwelt kaum ab und bergen laut aktuellem Forschungsstand Risiken für die Gesundheit von Mensch und Tier – daher auch der Beiname “ewige Chemikalien”.
Schützt eine PFAS-freie Jacke genauso gut vor Regen wie eine herkömmliche?
Moderne PFAS-freie Imprägnierungen erreichen inzwischen vergleichbare Wasserabweisungswerte, können aber etwas häufiger nachimprägniert werden müssen, um ihre volle Wirkung dauerhaft zu erhalten.
Warum sind bei Mammut nur Seile von der PFAS-freien Umstellung ausgenommen?
Für Seile gilt aufgrund ihrer besonderen Beanspruchung eine regulatorische Ausnahme. Dennoch kommen bereits 75 Prozent der Seile in der aktuellen Kollektion ohne absichtlich zugesetzte PFAS aus, eine vollständige Umstellung ist bis Frühling/Sommer 2027 geplant.
Was bedeutet die SBTi-Validierung des Netto-Null-Ziels?
Sie bestätigt, dass Mammuts Klimaziele für 2030 und 2050 nach einem international anerkannten, wissenschaftsbasierten Standard extern überprüft wurden, statt lediglich eine unternehmenseigene Selbstauskunft zu sein.
Wie kann ich als Elternteil selbst zu mehr Nachhaltigkeit beitragen?
Neben der bewussten Auswahl von Materialien und Zertifizierungen helfen vor allem eine lange Nutzungsdauer, Reparaturen statt Neukauf und die Weitergabe gut erhaltener Kinderausrüstung an jüngere Geschwister oder andere Familien.
Der Abschied von PFAS ist bei Mammut kein einzelner Marketing-Coup, sondern das Ergebnis eines seit 2016 laufenden Prozesses – und ein Beispiel dafür, wie sich Nachhaltigkeit in der Outdoor-Branche konkret messen lässt, statt nur behauptet zu werden. Für Familien bedeutet das: Wer auf PFAS-freie Materialien, unabhängige Zertifizierungen und reparierbare Ausrüstung achtet, trifft eine Kaufentscheidung, die nicht nur der eigenen Familie, sondern auch der Natur zugutekommt, in der die Kinder von heute morgen selbst unterwegs sein werden.

