Manche Naturwunder verschwinden nicht in tausend Jahren, sondern innerhalb einer einzigen Kindheit – und genau das macht einen Gletscherbesuch gerade jetzt zu etwas Besonderem. Mit der Initiative “Spuren des Eises” laden die Tourismusverbände Pitztal und Kaunertal gemeinsam mit den Gletscherbahnen auch diesen Sommer wieder dazu ein, die alpine Gletscherwelt hautnah zu erleben – von geführten Gletschertouren über Sternenwanderungen bis zum höchstgelegenen Café Österreichs. Wir zeigen euch, was euch und eure Kinder dort erwartet und warum sich der Ausflug lohnt, bevor sich die Landschaft weiter verändert.
Die Initiative “Spuren des Eises” entstand im Internationalen Jahr des Gletscherschutzes von UNESCO und der Weltorganisation für Meteorologie und wird 2026 fortgeführt – aus gutem Grund, wie ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt. Laut dem Gletscherbericht 2025 des Österreichischen Alpenvereins zog sich der Taschachferner am Pitztaler Gletscher im Zeitraum 2023/24 um beachtliche 176 Meter zurück, der Gepatschferner im Kaunertal um 104 Meter. Das sind keine abstrakten Zahlen aus einem Forschungsbericht, sondern ein Tempo, bei dem der Gletscher, den die Großeltern noch als endlose Eisfläche in Erinnerung haben, für die Enkelkinder schon deutlich kleiner aussieht.
Genau hier setzt “Spuren des Eises” an: Statt den Klimawandel nur aus der Ferne zu erklären, macht die Initiative ihn vor Ort erlebbar – an frisch freigelegten Moränen, an Pflanzen, die in neu entstandenen Lebensräumen Fuß fassen, und an der sichtbaren Verschiebung der Vegetationszonen im Hochgebirge. Für Kinder, die sonst höchstens von “schmelzenden Polkappen” im Fernsehen hören, wird der Klimawandel damit plötzlich zu etwas, das man tatsächlich anfassen, begehen und mit eigenen Augen sehen kann.

Das Programm im Überblick: Für jeden Familientyp etwas dabei
Das Schöne an “Spuren des Eises”: Niemand muss dafür gleich zum Alpin-Profi werden. Das Programm reicht von sportlich-anspruchsvollen Gletschertouren mit erfahrenen Bergführer:innen bis zu ruhigen, kontemplativen Wegen – für jede Familienkonstellation und jedes Fitnesslevel findet sich ein passender Zugang zur Gletscherwelt.
Im Kaunertal: Von der Alm bis ins ewige Eis
Die Kaunertaler Gletscherstraße, die an 365 Tagen im Jahr geöffnet ist, führt Besucher:innen eindrucksvoll durch alle sechs alpinen Höhenstufen – vom Talboden bis hinauf in die hochalpine Gletscherwelt. Wer es genauer wissen möchte, bucht eine der speziellen Klimawanderungen, die vom subalpinen Almgebiet bis ins hochalpine Gelände führen und gemeinsam mit Bergführer:innen die sichtbaren Veränderungen der Bergwelt erklären – quasi Geografieunterricht mit Bergpanorama statt Tafel und Kreide.
Wer lieber nach oben statt nach unten schaut, ist bei den Sternenwanderungen rund um das Gepatschhaus richtig: Fernab jeder Lichtverschmutzung zeigt sich der Alpenhimmel hier in einer Klarheit, die man aus der Stadt schlicht nicht mehr kennt – ein Erlebnis, das bei Kindern erfahrungsgemäß für ziemlich viele “Wow”-Momente sorgt. Die Roten Felsen bieten zusätzlich eindrucksvolle Ausblicke auf die Gletscherlandschaft und machen die Dynamik des Hochgebirges auch ohne Wanderung unmittelbar erlebbar.

Im Pitztal: Kaffee mit Aussicht und Ruhe für die Seele
Im Pitztal laden geführte Gletscherwanderungen dazu ein, die Welt des ewigen Eises aus nächster Nähe zu entdecken. Ein echtes Highlight für Familien: die Fahrt mit der Wildspitzbahn zum Café 3440 – dem höchstgelegenen Kaffeehaus Österreichs. Wo sonst kann man seinen Kindern erklären, dass der Kakao gerade auf 3.440 Metern Höhe getrunken wird, während draußen echtes, ewiges Eis liegt? Von dort führt der Gletschersteig weiter durch die beeindruckende Hochgebirgslandschaft.
Wer nach so viel Höhenluft eine ruhigere Gangart bevorzugt, findet auf dem Meditationsweg rund um die “Kapelle des Weißen Lichts” einen Ort zum Durchatmen – eingebettet in die alpine Bergwelt, fernab von Trubel und Programm. Auch für Familien mit kleineren Kindern, die keine große Gletschertour stemmen wollen, ist das eine schöne, entschleunigte Alternative.
Die Gletschercard: Zwei Täler, eine Karte
Wer beide Gletschertäler erkunden möchte, statt sich für eines zu entscheiden, findet in der neuen Gletschercard eine praktische Ergänzung zu den einzelnen Sommerkarten. Sie gilt als Mehrtages- bis Wochenkarte für die Pitztaler und Kaunertaler Gletscherregionen sowie zusätzlich für die Gebiete Fendels und Rifflsee – ideal für einen mehrtägigen Familienurlaub, bei dem nicht jeder Tag im selben Tal verbracht werden muss.
Wissenschaft, die vor Ort ankommt
Ein Detail, das dem Programm zusätzliche Substanz verleiht: Die Vermittlung vor Ort stützt sich nicht nur auf allgemeines Wissen, sondern fließt direkt aus aktueller Forschung ein, unter anderem von der Universität Innsbruck. Für interessierte Eltern und wissbegierige Kinder bedeutet das: Die Bergführer:innen erzählen keine austauschbaren Standardgeschichten, sondern können auf aktuelle Messdaten und Forschungsergebnisse zurückgreifen, wenn die Kinder mit ihren Warum-Fragen kommen – und die kommen bei einem schmelzenden Gletscher garantiert.
Tipps & Tricks für den Gletscherausflug mit Kindern
- Höhenluft einplanen: Auf über 3.000 Metern ist die Luft spürbar dünner – für den Ausflug zum Café 3440 lieber etwas mehr Zeit und Pausen einplanen, gerade mit kleineren Kindern.
- Warme Schichten nicht vergessen: Auch im Hochsommer kann es am Gletscher empfindlich kühl und windig werden – eine zusätzliche Fleece- oder Wetterschutzschicht gehört auch bei 30 Grad im Tal ins Gepäck.
- Sonnenschutz konsequent mitdenken: In großer Höhe ist die UV-Strahlung deutlich intensiver als im Tal – Sonnencreme, Sonnenbrille und Kopfbedeckung sind hier kein Nice-to-have, sondern Pflicht.
- Klimawanderung statt Gletschertour für jüngere Kinder wählen: Wer mit sehr kleinen Kindern unterwegs ist, findet in den Klimawanderungen im Almgebiet oft die entspanntere Alternative zur anspruchsvolleren Gletschertour im Hochgebirge.
- Sternenwanderung als Highlight fürs Ferienlager-Feeling einplanen: Eine nächtliche Wanderung ist für viele Kinder ein echtes Abenteuer-Erlebnis – am nächsten Tag lohnt sich dafür ein entspannterer Vormittag.
- Vorab online informieren: Da sich Führungen, Termine und Verfügbarkeiten ändern können, lohnt sich ein Blick auf die offizielle Website, bevor die Anreise geplant wird.

Checkliste für den Familienausflug zu den Gletschern
Ausrüstung: Warme Schichten trotz Sommer, robustes Schuhwerk, Sonnenschutz für große Höhe
Programmwahl: Klimawanderung oder Meditationsweg für ruhigere Familien, Gletschertour für Aktivere
Verpflegung: Ausreichend Wasser, ggf. Reservierung für Café 3440 einplanen
Timing: Genug Pufferzeit für Höhenluft-Pausen und spontane Fotostopps
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist die Initiative “Spuren des Eises” genau?
Es handelt sich um ein gemeinsames Programm der Tourismusverbände Pitztal und Kaunertal sowie der jeweiligen Gletscherbahnen, das im Internationalen Jahr des Gletscherschutzes von UNESCO und der Weltorganisation für Meteorologie entstand und Gästen die alpine Gletscherlandschaft sowie ihren Wandel durch den Klimawandel erlebbar machen soll.
Eignet sich der Ausflug auch für Familien mit kleineren Kindern?
Ja, das Programm bietet unterschiedlich anspruchsvolle Angebote – von anspruchsvolleren Gletschertouren bis zu ruhigeren Optionen wie der Kaunertaler Gletscherstraße oder dem Meditationsweg im Pitztal.
Wie stark sind die Gletscher in der Region aktuell zurückgegangen?
Laut dem Gletscherbericht 2025 des Österreichischen Alpenvereins zog sich der Taschachferner im Zeitraum 2023/24 um 176 Meter zurück, der Gepatschferner im Kaunertal um 104 Meter.
Was ist das Café 3440?
Es ist das höchstgelegene Kaffeehaus Österreichs und liegt auf 3.440 Metern Höhe im Pitztal, erreichbar mit der Wildspitzbahn.
Was bringt die neue Gletschercard?
Sie ist eine preislich attraktive Ergänzung zu den tälerspezifischen Sommerkarten und gilt für die Pitztaler und Kaunertaler Gletscherregionen sowie zusätzlich für die Gebiete Fendels und Rifflsee, erhältlich als Mehrtages- bis Wochenkarte.
Ist die Kaunertaler Gletscherstraße ganzjährig geöffnet?
Ja, sie ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet und führt durch alle sechs alpinen Höhenstufen vom Talboden bis in die hochalpine Gletscherwelt.
Ein Gletscherbesuch mit Kindern ist selten nur ein hübsches Urlaubsfoto – er ist eine Lektion fürs Leben, live und in Farbe statt aus dem Schulbuch. Mit “Spuren des Eises” bekommen Familien in Pitztal und Kaunertal die Möglichkeit, eine der beeindruckendsten und zugleich verletzlichsten Landschaften der Alpen zu erleben, bevor sich ihr Gesicht weiter verändert. Ob sportliche Gletschertour, besinnlicher Meditationsweg oder Kakao auf 3.440 Metern Höhe: Am Ende bleibt vor allem eines hängen – ein echtes Gefühl dafür, wie kostbar und wie vergänglich dieses ewige Eis tatsächlich ist.

