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Bikepacking mit Kindern: Wie mehrtägige Radtouren mit dem Nachwuchs gelingen


Mehrtägige Radtouren mit Kind und Kegel sind im Kommen. Anstelle eines Hotelurlaubs sind selbst geplante Touren mit Zeltübernachtungen, Lagerfeuer und Badestelle am Fluss verlockend. Bikepacking, das Reisen mit leichtem Gepäck, meist direkt am Rad und nicht in klassischen Packtaschen am Gepäckträger, funktioniert auch mit Kindern. Vorausgesetzt, das Rad ist richtig, die Tagesetappen sind realistisch und die Ausrüstung stimmt.

Das passende Rad als Grundlage

Kinderräder unterscheiden sich technisch deutlich von Erwachsenenrädern. Die europäische Norm DIN EN ISO 8098 regelt Sicherheitsanforderungen an Fahrräder für Kinder mit einer maximalen Sattelhöhe zwischen 435 und 635 Millimetern, für größere Modelle greift die DIN EN ISO 4210. Beide Normen definieren Prüfkriterien für Bremsen, Rahmen, Lenker und Kettenschutz. Wer ein neues Rad kauft, sollte auf die Einhaltung dieser Normen achten.

Für Bikepacking eignen sich robuste Modelle mit stabilem Rahmen, Reifenbreiten ab etwa 2,0 Zoll und einer Schaltung mit ausreichend kleinen Gängen für Anstiege mit Gepäck. Ab 24 Zoll Laufradgröße kommen viele Kinder mit klassischen MTB- oder Trekkinggeometrien zurecht, ab 26 Zoll stehen ihnen fast alle Bikepacking-Taschensysteme offen. Fachhändler wie die Kinderfahrräder beim Radhaus führen Modelle in verschiedenen Laufradgrößen und beraten zur passenden Rahmengeometrie und Schrittlänge. Eine korrekt eingestellte Sattelhöhe, bei der das Kind mit den Fußballen den Boden berührt, ist bei beladenen Rädern besonders wichtig für die Kontrolle in engen Kurven und beim Anfahren am Berg.

Bikepacking mit Kindern: Durch das Tal der Loire führen viele tolle Radtouren.foto (c) Kinderoutdoor.de

Etappen realistisch planen

Kinder ermüden schneller als Erwachsene, und die Konzentration lässt bei langen Etappen spürbar nach. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) empfiehlt für Radreisen mit Kindern deutlich kürzere Tagesetappen als bei Erwachsenen. Als grobe Richtwerte kursieren 30 bis 50 Kilometer pro Tag bei Sechs- bis Zehnjährigen, 50 bis 70 Kilometer bei älteren Kindern, jeweils abhängig von Höhenmetern, Untergrund und Wetter.

Sinnvoll sind Strecken auf ausgeschilderten Radfernwegen, etwa auf Donau-, Elbe- oder Weserradweg. Der ADFC veröffentlicht jährlich eine Radreiseanalyse, in der diese Wege regelmäßig zu den beliebtesten in Deutschland zählen. Sie verlaufen überwiegend abseits des Autoverkehrs und weisen häufige Einkehrmöglichkeiten auf. Für die Übernachtung eignen sich Campingplätze mit Familienbereich, Trekkingplätze der Naturparks oder Heuherbergen. Reine Wildcampingtouren sind in Deutschland rechtlich problematisch, in Skandinavien dagegen über das Jedermannsrecht möglich.

Bikepacking mit Kindern. Das Oberrohr vom Rahmen ist auch ein Lastenträger beim Bikepacking. foto (c) kinderoutdoor.de

Gepäck sinnvoll verteilen

Beim klassischen Bikepacking wird das Gepäck in drei Taschen am Rad verteilt, nämlich Lenkerrolle, Rahmentasche und Satteltasche. Bei Kinderrädern ist der Platz im Rahmendreieck knapp, außerdem beeinträchtigt zu viel Gewicht am Lenker die Lenkbarkeit. In der Praxis hat sich bewährt, dem Kind nur leichte Ausrüstung wie Schlafsack, Wechselkleidung und Snacks aufzuladen und schwere Teile wie Zelt, Kocher und Verpflegung bei den Eltern zu transportieren. Als Faustregel gilt maximal zehn Prozent des Körpergewichts als Zuladung am Kinderrad.

Ein Kinderanhänger oder ein Nachläufer kann bei jüngeren Kindern die Reichweite verlängern und bietet zusätzlichen Stauraum. Wer mit E-Bike unterwegs ist, kann Steigungen und Gegenwind besser abfedern und so das Tempo an das Kind anpassen, ohne selbst zu erschöpfen.

Bikepacking mit Kindern. Weniger ist deutlich mehr. Vor allem beim Bikepacking. foto (c) kinderoutdoor.de

Vor der Tour testen

Ein Wochenendtrip mit einer Übernachtung zeigt schnell, ob Rad, Ausrüstung und Streckenplanung zusammenpassen. Reifendruck, Bremsbeläge und Schaltung sollten vor jeder Tour geprüft werden, ebenso der Sitz von Helm und Taschen. Wer unsicher ist, ob das aktuelle Rad noch passt, findet in Fachgeschäften eine Vermessung nach Schrittlänge und Körpergröße. Denn ein Rad, das nicht mitwächst, wird auf langen Etappen schnell zum Frustfaktor, ein passendes dagegen zum Startpunkt für Erinnerungen, die weit über den Urlaub hinausreichen.