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Stille! Das Hotel im Nirgendwo könnte kaum schöner sein

Ein Hotel ohne Straße, mitten im Naturparadies Körbersee: Die faszinierende Geschichte eines visionären Projekts, das zum stillsten Rückzugsort Vorarlbergs wurde.

Zwischen sanft rauschenden Nadelbäumen, Vogelgezwitscher und klarem Wasser liegt das Hotel Körbersee – ein Ort, an dem die Natur den Rhythmus vorgibt. Gleichzeitig hört man auf der Terrasse das Klirren von Geschirr und leise Gespräche. Straßenlärm bleibt dagegen weit entfernt.

Dadurch entsteht eine Ruhe, die man heute kaum noch findet. Außerdem wirkt die Abgeschiedenheit wie ein natürlicher Schutz vor Hektik. Doch wie kam es dazu, dass ein Hotel an einem Ort steht, der bis heute nur zu Fuß erreichbar ist? Die Antwort führt zurück in eine Zeit voller Visionen – und voller Wendungen.

🧭 Franz Xaver Strolz – ein Visionär mit Pech

Als das Hotel Körbersee 1930 eröffnet wurde, sah alles nach einer Erfolgsgeschichte aus. Die Nationalsozialisten planten eine Passstraße, die Schröcken und Lech verbinden sollte. Zusätzlich war am Körbersee ein Verkehrsknotenpunkt vorgesehen.

Tourismuspionier Franz Xaver Strolz erkannte die Chance sofort. Deshalb ließ er ein modernes Berghotel errichten – in der festen Überzeugung, dass bald eine vielbefahrene Straße vorbeiführen würde.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs änderte sich jedoch alles. Der Straßenbau wurde gestoppt und später nie wieder aufgenommen. Dadurch stand das Hotel plötzlich im Nirgendwo. Was damals wie ein geschäftliches Desaster wirkte, entwickelte sich später zu einem einzigartigen Vorteil: absolute Ruhe und unberührte Natur.

Das Hotel im Nirgendwo könnte kaum schöner sein. Was für eine Bergidylle am Körbersee. foto (c) TVB Warth-Schröcken

🏚️ Spuren einer nie vollendeten Vision

Obwohl die Straße nie gebaut wurde, finden sich bis heute sichtbare und unsichtbare Relikte. Dadurch bleibt die Geschichte des Ortes lebendig.

✔️ Das Fuchswaldhaus

Nur 300 Meter vom Hotel entfernt steht die ehemalige Straßenmeisterei – ein stummer Zeuge eines Projekts, das nie fertiggestellt wurde.

✔️ Der alte Bauweg

Im Talort Schröcken führt ein Weg hinauf, der einst für den Straßenbau gedacht war. Heute dient er im Winter als Skiabfahrt.

✔️ Die „Silberhöhle“

Noch spannender ist das unterirdische Erbe: Ein Tunnelportal, das Zwangsarbeiter zu graben begannen. Es existiert bis heute und kann im Rahmen geführter Touren erkundet werden.

Diese Spuren erinnern daran, wie nah der Körbersee einst an einer völlig anderen Zukunft stand – und wie sehr sich die Geschichte dann doch gewandelt hat.

Ideal für Slow Travel: Das Berghotel Körbersee. foto (c) TVB Warth-Schröcken

🏨 Fritz und Ulrike Schlierenzauer – Hüter der Stille

Heute liegt das Gebiet um den Körbersee in einem Natur‑ und Wasserschutzgebiet. Dadurch sind neue Bauprojekte ausgeschlossen. Dennoch steht das Hotel seit über 90 Jahren an seinem Platz – geführt von Fritz Schlierenzauer und seiner Tochter Ulrike.

Gäste erreichen das Hotel weiterhin nur zu Fuß. Das Gepäck wird transportiert, die Ruhe bleibt. Gleichzeitig bietet das Hotel modernen Komfort, Seezugang und unzählige Wandermöglichkeiten.

Im Winter verwandelt sich die Umgebung in eine glitzernde Schneelandschaft. Ein Skilift verbindet das Gebiet mit Ski Arlberg, dem größten zusammenhängenden Skigebiet Österreichs. Zusätzlich betreuen die Schlierenzauers täglich die Schneemessstation am Körbersee, um die Lawinenlage einzuschätzen.

Ihre Messungen sind legendär:

  • Ø 11 Meter Neuschnee pro Winter
  • 16,49 Meter im Winter 1998/99 – ein Rekordwert

Dadurch gilt Warth‑Schröcken heute als schneereichstes Skigebiet Europas.

🌨️ Ein Hotel, das aus der Not eine Tugend machte

Franz Xaver Strolz wollte ein Hotel an einer Passstraße. Bekommen hat er ein Hotel in absoluter Stille. Genau diese Abgeschiedenheit ist heute das größte Kapital des Hauses.

Denn hier gibt es:

  • keine Autos
  • keine Straßen
  • keine Hektik
  • nur Natur, Wasser und Ruhe

Die Schlierenzauers haben aus einer vermeintlichen Fehlplanung ein modernes Konzept gemacht: nachhaltiger Tourismus, bewusste Entschleunigung und Naturerlebnis ohne Ablenkung.

🧘 Das Geheimnis der Zukunft: Natur erleben, ohne sie zu verändern

Der Körbersee wurde 2017 vom ORF zum schönsten Platz Österreichs gekürt. Kein Wunder: Hier erlebt man Natur in ihrer reinsten Form – und lässt sie gleichzeitig so, wie sie ist.

Das Hotel im Nirgendwo ist längst angekommen. Nicht am Rand der Welt, sondern mitten im Irgendwo, dort, wo Stille und Natur die Hauptrolle spielen.