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Zugspitze 2025: Sicher wandern mit passender Ausrüstung & praktischen Tipps

Regina Poberschnigg ist Leiterin der Bergrettung Ehrwald und kennt die Zugspitze wie kaum jemand sonst. Mit ihrer langjährigen Erfahrung weiß sie genau, worauf es beim sicheren Aufstieg wirklich ankommt. In fünf praktischen Tipps erklärt sie, wie die Tour zum Erlebnis wird – und nicht zum Notfall.

Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze mit 2.962 Metern, zieht jedes Jahr Tausende Bergsportler an – doch der Weg zum Gipfel ist anspruchsvoller, als viele glauben. Wer ihn zu Fuß erklimmen möchte, sollte seine Kräfte und die Route realistisch einschätzen.

Regina Poberschnigg, ausgebildete Bergwanderführerin und Leiterin der Bergrettung Ehrwald, kennt die Herausforderungen aus nächster Nähe. Sie ist derzeit die einzige Frau an der Spitze einer Tiroler Ortsstelle und seit über 20 Jahren im Einsatz in der Tiroler Zugspitz Arena. Allein im Sommer rückt ihr Team zu rund 80 bis 100 Bergrettungseinsätzen aus – 15 bis 20 davon an der Zugspitze. Dabei handelt es sich nur um die Tiroler Seite – die Unfälle auf deutscher Seite sind noch nicht mitgerechnet.

Tragischerweise enden einige dieser Einsätze tödlich. Regina Poberschniggs eindringliche Botschaft lautet daher:
👉 Wer den Zugspitz-Gipfel erreichen will, braucht mehr als Ehrgeiz – nämlich gute Vorbereitung, passende Ausrüstung und realistische Selbsteinschätzung.

In diesem Beitrag teilt sie fünf essenzielle Tipps, die jeder Bergsteigerin kennen sollte – für eine sichere und erlebnisreiche Tour auf die Zugspitze.

Regina Poberschnigg weiß um die Herausfoderungen der Zugspitze. © Tirol Werbung Bert Heinzlmeier

Frau Poberschnigg, was macht die Zugspitze so besonders und wo liegt die Herausforderung?

Die Zugspitze ist ohne Frage ein beeindruckender Berg. Sie zieht viele Menschen an, weil sie der höchste Punkt Deutschlands ist – ein Ziel, das man sich gern vornimmt. Was viele unterschätzen: Der Aufstieg ist anspruchsvoll. Je nach Route sind es zwischen 1.500 bis 1.800 Höhenmeter, oft über schwieriges Gelände. Und selbst im Sommer kann es oben schnell ungemütlich werden, mit Gewittern, Hagel oder Schneefall. Wer den Gipfel erreichen will, braucht nicht nur eine gute Kondition, sondern auch Respekt vor der Höhe, dem Wetter und der eigenen Leistungsgrenze.

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Welche körperlichen und mentalen Voraussetzungen sind für eine sichere Besteigung nötig?

Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind das A und O. Wer etwa 400 Höhenmeter in der Stunde schafft, ist gut dabei. Aber es geht nicht nur um Kondition. Viel wichtiger ist es, sich nicht zu überschätzen. Ich erlebe oft, dass Leute zu schnell starten, keine Pausen machen und dann oben Probleme mit dem Kreislauf bekommen. Die Höhe spürt man ab etwa 2.400 Metern deutlich. Deshalb: langsam gehen, genügend trinken, Energiereserven mitnehmen und sich schon vorher ehrlich mit der Tour und der eigenen Verfassung auseinandersetzen.

Der Seebensee liegt am Fuß der Zugspitze. foto (c) Tirol Werbung / Jenewein

Welche Route würden Sie Zugspitz-Anwärter empfehlen – und warum?

Wer zum ersten Mal auf die Zugspitze möchte, für den ist die Gatterltour gut geeignet. Sie startet in Ehrwald, ist die technisch einfachste Route und landschaftlich wunderschön. Die Rückfahrt mit der Bahn macht das Erlebnis perfekt, ohne zu überfordern. Viele Bergschulen bieten diese Tour als „Zugspitztag“ mit professioneller Begleitung an. Das garantiert mehr Sicherheit ein bewussteres Gehen.

Wann ist die beste Zeit für eine Tour – und worauf sollte man achten?

Die beste Zeit ist dann, wenn das Wetter und andere Bedingungen passen. Das kann im Juli genauso sein wie im September – aber pauschal lässt sich das nicht sagen. Ich rate jedem, früh zu starten. Wer erst mittags losgeht, riskiert nicht nur Gewitter, sondern gerät auch unter Zeitdruck. Außerdem empfehle ich, sich vorher über Schneefelder, geöffnete Hütten und die Betriebszeiten der Bahnen zu informieren.

Die Zugspitze grüßt durch die Wälder bei Ehrwald. foto (c) Tirol Werbung / Bernhard Aichner

Welche Fehler passieren häufig – und wie lassen sie sich vermeiden?

Einer der typischsten Fehler ist der späte Start. Viele unterschätzen die Länge der Tour und laufen ohne Zeitgefühl los. Dann stellen sich Erschöpfung und Stress ein und am Ende fehlen oft Kraft und Konzentration. Auch zu wenig Flüssigkeit, fehlender Sonnenschutz oder unpassende Kleidung sind typische Probleme. Was viele ebenfalls unterschätzen, sind die Orientierung am Berg und die Funklöcher. Einheimische Führer wissen nicht nur, wie man seine Kräfte richtig einteilt und Pausen einlegt, sondern kennen auch die kritischen Stellen – sowohl geologisch als auch digital. Ein Profi bietet mehr Sicherheit, vermittelt nebenbei viel Wissen über Natur und Gelände und ist im Ernstfall eine große Hilfe.

Die Zugspitze: Der höchste Berg Deutschlands. foto (c) Tirol Werbung / Bert Heinzlmeier

Was gehört in den Rucksack für die Zugspitze?

  • Feste Bergschuhe mit Profil
  • Wetterfeste Kleidung – inkl. Regenjacke, Mütze und Wechselshirt
  • Sonnenschutz: Sonnencreme, Kappe, Sonnenbrille
  • Ausreichend Flüssigkeit und energiereiche Snacks
  • Erste-Hilfe-Set, Blasenpflaster, evtl. leichte Handschuhe
  • Aufgeladenes Handy und Powerbank: Für Notfälle unerlässlich, in der Höhe und bei Kälte entlädt sich der Akku schneller.
  • Optional: Wanderstöcke, Klettersteigset, Helm (je nach Route).
  • Notfall-App wie „SOS EU ALP“ installieren. Sie schickt die GPS-Koordinaten sofort an die jeweilige Leitstelle.
  • Eventuelle Rettungs- oder Bergungskosten können schnell sehr hoch werden. Anbieter wie der DAV oder ADAC bieten Versicherungsschutz für verschiedenste Bergsportaktivitäten.