Namuk: „den Anspruch, schöne, zeitlose und hochwertige Kinderbekleidung zu designen“

Namuk aus der Schweiz ist eine erfrischend andere Marke für Kids-Outerwear. Das Design ist ansprechend, einen Teil der Kollektion lässt Namuk in Europa fertigen und es sind die vielen Details mit denen Namuk überzeugt. Das Thema Nachhaltigkeit ist für die neue Kindermarke von zentraler Bedeutung. Wir von Kinderoutdoor.de wollten es genauer wissen und interviewten Franz Bittmann. Er gehört zu den Machern von Namuk und erklärt uns wie er von einer Ski- und Boardermarke zur hochwertigen Kinderbekleidung kam.

Kinderoutdoor.de : Als Kindergartenkind hasste ich den Winter. Da musste ich immer so eine kratzende Strumpfhose anziehen und eine Mütze, mit der ich wie ein Astronaut aussah. Die bedeckte vollkommen den Kopf und hatte vorne eine rundes Loch für das Gesicht. Mit dieser Mütze hatte irgendwie jedes Kind Hamsterbacken. Welche Erinnerung hast Du an die Kleidung Deiner Kinderzeit?

Franz Bittmann über die Gründe die Kindermarke Namuk zu starten"vor 10 Jahren eigene Kinder kamen, stellte sich die Frage nach geeigneter Kinder-Funktionsbekleidung." Foto (c) namuk

Franz Bittmann über die Gründe die Kindermarke Namuk zu starten“vor 10 Jahren eigene Kinder kamen, stellte sich die Frage nach geeigneter Kinder-Funktionsbekleidung.“
Foto (c) namuk

Franz Bittmann, Namuk:  Wir sind auf dem Land in der Nähe von Zürich mit einem grossen Garten aufgewachsen und waren so oft wie möglich draussen. Funktionelle Kleider gab es damals noch nicht, da wurden im Winter einfach 3-4 Schichten Pullover übereinander angezogen und dann drüber noch eine Regenjacke. Wir waren glücklich und ich habe die Zeit in den Bergen und in der Natur sehr genossen! – An die kratzende Strumpfhose mag ich mich aber auch noch erinnern….

Kinderoutdoor.de : Mit der Marke eleven wart Ihr ja international im Ski- und Snowboardbereich erfolgreich. Was sind die Gründe warum Ihr die Kinderkleidungsmarke Namuk gegründet habt?

Franz Bittmann, Namuk:Als vor 10 Jahren eigene Kinder kamen, stellte sich die Frage nach geeigneter Kinder-Funktionsbekleidung. Schnell wurde klar, dass wir Einiges bei handelsüblichen Kinder-Outdoor-Labels vermissen. Aus der Leidenschaft zu perfekten Produkten, der Liebe zum Detail und viel Herzblut, entstand das Kinder Outdoor Label „namuk“

Namuk ist anders. Die Kinderkleidung überzeugt die kleinen Outdoorer. "Bei der Kinderouterwear haben wir einen extremen Preisdruck, die Kleider müssen mindestens so gut sein wie die Erwachsenenkleider, dürfen aber nichts kosten. Deshalb nehmen die grossen Labels auch oft die günstigsten Stoffe und sparen wo sie können," so Franz Bittmann von Namuk. foto (c) Namuk

Namuk ist anders. Die Kinderkleidung überzeugt die kleinen Outdoorer. „Bei der Kinderouterwear haben wir einen extremen Preisdruck, die Kleider müssen mindestens so gut sein wie die Erwachsenenkleider, dürfen aber nichts kosten. Deshalb nehmen die grossen Labels auch oft die günstigsten Stoffe und sparen wo sie können,“ so Franz Bittmann von Namuk.
foto (c) Namuk

Kinderoutdoor.de :Welches Segment ist anspruchsvoller: Das für Kinderkleidung oder der Outerwearbereich?

Franz Bittmann, Namuk: Beide Segmente haben ihre „Tücken“: Bei der Kinderouterwear haben wir einen extremen Preisdruck, die Kleider müssen mindestens so gut sein wie die Erwachsenenkleider, dürfen aber nichts kosten. Deshalb nehmen die grossen Labels auch oft die günstigsten Stoffe und sparen wo sie können. Wir haben da einen anderen Ansatz und verwenden hochwertige Materialien, da die Kleider teils extremer als die Erwachsenenkleider beansprucht werden.Bei der Erwachsenenouterwear sind die Trends sehr schnelllebig, da sind die Sachen die heute „Hip“ sind morgen schon wieder „out“.

Kinderoutdoor.de :Wie geht es Dir, wenn Du in die Kinderabteilung von einem großen Filialisten gehst und die Kollektionen siehst?

Franz Bittmann, Namuk: Alles sieht sehr ähnlich aus und all die Prints und „lustigen“ Sachen mit denen die Kleider „verziert“ sind schrecken mich schon sehr ab. Schade finde ich es auch, wenn die Kids als Werbesäule für irgendwelche Filme etc. rumlaufen.

Kinderoutdoor.de Manche Kindermode ist, ich sag´s wie es ist, kindisch blöd. Nur die wenigsten Kinder würden sich freiwillig und ohne Androhung von wochenlangen Fernsehentzug solche grottigen Sachen anziehen. Welche Richtung verfolgt Namuk in Sachen Design?

Franz Bittmann, Namuk: Wir haben den Anspruch, schöne, zeitlose und hochwertige Kinderbekleidung zu designen. Natürlich darf der Humor und auch eine gewisse kindliche Verspieltheit nicht fehlen, schlussendlich müssen die Kleider aber praktisch, technisch ausgereift und schön sein. Wir machen uns viele Gedanken wie wir Designs kindgerecht umsetzen ohne sie „billig“ wirken zu lassen.

Kinderoutdoor.de Wie findet Ihr heraus, welche Farben und Styles die Kinder besonders mögen?

Franz Bittmann, Namuk: Wir haben alle eigene Kinder und versuchen einen guten Mix zwischen zeitlosen und den aktuell angesagten Farben zu finden.

Namuk: Inspiration aus dem Wald und der Skipiste

Kinderoutdoor.de  Woher holen Eure Designer die Inspiration für die Namuk Kollektion?

Franz Bittmann, Namuk:Im Wald, auf der Skipiste, Unterwegs. Der Job als Designer und Produktentwickler ist kein 9-5 Job, viele Ideen kommen mir persönlich beim Sport, Wandern oder wenn ich den Kopf eigentlich mal lüften sollte. Als Schweizer Unternehmen haben wir uns höchster Qualität und stetiger Innovation verschrieben, von der Wahl der besten Materialien bis hin zu kindgerechtem Design der Features. Wir versuchen alle unsere Produkte komplett durch zu denken und investieren viel Zeit und Energie in Muster und probieren verschiedenste Ideen aus, bis ein Produkt soweit ist, dass wir damit auf den Markt gehen.

Langlebigkeit statt beliebiger Saisonware "Wir versuchen, so langlebige Produkte wie möglich zu entwickeln, " erklärt Franz Bittmann. foto (c) Namuk

Langlebigkeit statt beliebiger Saisonware „Wir versuchen, so langlebige Produkte wie möglich zu entwickeln, “ erklärt Franz Bittmann.
foto (c) Namuk

Kinderoutdoor.de Was mir bei Namuk aufgefallen ist, dass einige Produkte über die Saisonen hinweg erhältlich sind. Keine Lust auf Kollektionswechsel oder was ist denn dafür der Grund?

Franz Bittmann, Namuk:Wir versuchen, so langlebige Produkte wie möglich zu entwickeln. Dies schont die Umwelt und trägt maßgeblich dazu bei, Abfallberge zu verhindern. Viele Produkte sind bei uns über mehrere Saisons hinweg verfügbar; wir investieren sehr viel in unsere Produkte, deshalb macht es ökologisch keinen Sinn, ein bewährtes und geliebtes Produkt jede Saison von Grund auf komplett neu zu entwickeln.

Kinderoutdoor.de  Wo lässt sich im deutschsprachigen Raum die Namuk-Kleidung kaufen?

Franz Bittmann, Namuk:  Momentan auf www.namuk.ch und bei ausgewählten Händler.

Kinderoutdoor.de  Nanuk bedeutet in der Inuitsprache: Eisbär. Ihr aber seid aus der Schweiz. Was bedeutet der Name Namuk eigentlich? Ist das Schwizerdütsch?

Franz Bittmann, Namuk: Uns hat nanuk gefallen, wir wollten aber einen eigenständigen Namen, und haben das Wort daher leicht abgewandelt. Als Sinnbild haben wir aber nicht den Eisbären gewählt, sondern wollten ein Tier, das unsere Werte verkörpert: Wir haben uns somit für die Eule entschieden – ein Sinnbild für Weisheit, Intuition und Weitsicht. Wir versuchen mit 20 Jahren Erfahrung im Designen von Outdoorbekleidung, unserer Intuition und Weitsicht nachhaltige und gute Kinder Outerwear zu entwickeln.

Namuk: Liebe zum Detail und Nuggihalter

Kinderoutdoor.de  Bei Euch kommt zu einer ansprechenden Optik der Kollektion auch Funktionalität. Wie der Toilet Zipper oder der Nuggihalter. Haben an dieser Kollektion auch Eltern mitgewirkt, die entnervt sind am Tag gefühlte tausend Mal den Schnuller aufzuheben und zu säubern? Wie kommt Ihr auf solche feinen Detaillösungen?

Franz Bittmann, Namuk: Genau! Wir haben alle Kinder und als vor 10 Jahren die eigenen Kinder kamen, stellte sich die Frage nach geeigneter Kinder-Funktionsbekleidung. Schnell wurde klar, dass wir Einiges bei handelsüblichen Kinder-Outdoor-Labels vermissen. Aus der Leidenschaft zu perfekten Produkten, der Liebe zum Detail und viel Herzblut, entstanden dann all die Features und Detaillösungen.

Kinderoutdoor.de  Ist das vielleicht auch typisch für Euch Schweizer unglaublich gründlich zu arbeiten und sich solcher wichtigen Kleinigkeiten anzunehmen?

Franz Bittmann, Namuk: Ich glaube schon. Wenn wir was machen, dann richtig und durchdacht….

Kinderoutdoor.de  Kommen wir zu einem anderen Schwerpunkt von Namuk. Nachhaltigkeit. Wäre die Erde nachhaltig, hätte sie sich längst des Menschen entledigt. Diesen Satz habe ich mal gelesen. Wie definierst Du nachhaltig?

Franz Bittmann, Namuk:Der Ausdruck „Nachhaltigkeit“ wurde in den letzten Jahren arg strapaziert. Wir versuchen in allen Bereichen „nachhaltig“ zu agieren. Nicht immer ist „nachhaltig“ langfristig aber auch wirklich wirksam. Wir versuchen die Welt für unsere Kinder so zu hinterlassen wie wir sie angetroffen haben. Manchmal ist dies einfach zu bewerkstelligen, manchmal auch sehr schwierig, wir hinterfragen alle unsere Schritte und versuchen wenn immer möglich, die Variante mit dem kleinsten Impact zu wählen.

Kinderoutdoor.de  Ok, Namuk setzt also auf Nachhaltigkeit. Doch irgendwie ist dieser Begriff in der Outdoorbranche überstrapaziert. Bei manchen Konsumenten kommt der Verdacht auf, dass sich einige Hersteller das „grüne Mäntelchen“ umlegen, weil es momentan schick ist nachhaltig zu sein. Wie könnt Ihr gegenüber den Kunden belegen, dass Namuk tatsächlich nachhaltig ist?

Franz Bittmann, Namuk:Wir lassen unsere Zutaten zertifizieren. Alle Zulieferer sind Öko Tex 100 zertifiziert, unsere Daunen sind RDS (Resposible down Standard) zertifiziert, sie lassen sich sogar mittels Code auf dem Hangtag rückverfolgen. Wir haben ein Zertifikat dass die Merino Wolle 100% mulesin frei ist. Wenn immer möglich greifen wir auf bluesign Stoffe zurück. Des weiteren setzen wir für unsere Zutaten viel auf innovative, nachhaltige und umweltschonende Produkte (Primaloft Eco, Allied Down RDS, ETA proof Bio Baumwolle aus der Schweiz).Wir bewegen uns seit 20 Jahren in der Outdoorbranche und machen viele Sachen aus innerer Überzeugung, schon lange bevor die „grüne“ Welle durch die Outdoorbranche rollte.Viele Sachen wie z.B. PFC lassen sich leider heute noch nicht zufriedenstellend lösen, hier kurz unser Statement dazu: PFC (Fluorcarbone) sind seit langem als sensibles Thema bei Outdoor-Produkten bekannt. Wir sind uns der Verantwortung bewusst und arbeiten am vollständigen Verzicht von PFC. Wir prüfen intensiv funktionierende PFC-freie Alternativen um unsere ganze Kollektion schrittweise umzustellen. Da aber eine gute, anhaltend wasserabweisende Funktion – vor allem bei Kinderkleidern – extrem wichtig ist, setzen wir aktuell auf die umweltfreundlichere „C-6 DWR“. Sie enthält nur sechs Kohlenstoffatome und kann kein PFOA bilden. Bereits ist auch schon ein Teil unserer technischen Kollektion komplett PFC frei und wir arbeiten unter Hochdruck, diesen Anteil weiter zu erhöhen. Die Herausforderung dabei ist, die richtige Balance zwischen „Funktion“ und „Ökologie“ zu finden. Entscheidend dabei ist, wie weit man auf die gewohnten Funktionalitäten von Produkten zugunsten der Umwelt verzichten kann.

Namuk lässt die Streetwear in Europa fertigen. foto (c) namuk

Namuk lässt die Streetwear in Europa fertigen.
foto (c) namuk

Kinderoutdoor.de  Wo lässt Namuk produzieren?

Franz Bittmann, Namuk: In China, Portugal und Italien. Wir sind uns unserer Verantwortung gegenüber unseren Zulieferern und den Arbeitern bewusst. Mehrfach pro Jahr besuchen wir unsere Fabriken und arbeiten mit allen Produzenten seit mehreren Jahren zusammen. Wir können jede Fabrik jederzeit und unangemeldet besuchen. Unsere technischen Produkte sind äußerst anspruchsvoll und komplex in der Herstellung. Sie bestehen aus verschiedensten Materialien und benötigen bis zu 140 Arbeitsschritte bis zur Fertigstellung. Sie werden deshalb von hochqualifizierten Spezialisten hergestellt, die viel Geschick und langjährige Erfahrung mitbringen und deshalb auch überdurchschnittlich entlöhnt werden. Wir produzieren kleinere Mengen. In Kombination mit den hohen Ansprüchen, die wir an die Zulieferer stellen, schränkt dies deren Auswahl extrem ein. Wir wählen unsere Produktionsstätten unabhängig von ihrem Standort aus. Unsere Kriterien sind die technischen Möglichkeiten, die von uns geforderte hohen Qualität, der verantwortungsvolle Umgang mit Mitarbeitern und eine faire und umweltschonende Herstellung.Wir sind überzeugt, dass durch eine enge, langjährige Beziehung, kombiniert mit regelmäßigen Audits, unsere hohen Ansprüche an Qualität und ethischen Grundsätzen am besten sicher gestellt werden und so das beste Arbeitsumfeld geschaffen wird.Unsere Streetwear stellen wir komplett in Europa her. Auch hier überwachen wir den gesamten Produktionsablauf sehr genau und sind mehrmals pro Jahr vor Ort.

Kinderoutdoor.de  Warum lasst Ihr in Europa produzieren? Weil der Schweizer Franken gegenüber dem Euro so stark ist oder welche Gründe gibt es dafür? Ihr könntet doch die ganze Produktion in preiswertere asiatische Länder verlagern?

Franz Bittmann, Namuk: Asien ist bei unseren Mengen nicht unbedingt günstiger. Teilweise können aber unsere Produkte gar nicht in Europa hergestellt werden, weil entweder die Maschinen oder die Zulieferer fehlen. Es macht wenig Sinn in Europa zu produzieren, aber alle technischen Zutaten in Asien zu produzieren, weil es keine Fabrik in Europa gibt welche diese Zutaten herstellen kann. Für die Streetwear verwenden wir, falls immer möglich Reststoffe aus anderen Produktionen, dies geht einfacher wenn wir nach Portugal gehen und da vor Ort die Stoffe definieren. Auch arbeiten wir nicht in den normalen Kollektions Rhythmen, in Portugal können wir Produktionen in 6-8 Wochen realisieren. Um den Transportweg auf ein Minimum zu reduzieren, haben wir uns zum Ziel gesetzt, unsere Produkte so nah wie möglich am Bestimmungsort zu produzieren. Unsere Streetwear-Kollektion wird bereits vollständig in Europa produziert und besteht vorwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen

Kinderoutdoor.de  Ein anderes großes Thema bei den Kunden ist, zum Glück, wie fair die Arbeitsbedingungen in der Textilbranche sind. Gehört Namuk der Fair Wear Foundation an oder wie überprüft Ihr die Arbeitsbedingungen in Fernost?

Franz Bittmann, Namuk:Wir sind mehrfach pro Jahr in unseren Produktionsstätten. Mit der Produktion in China arbeiten wir seit 15 Jahren zusammen. Unsere Mengen sind klein, unsere Produkte komplex, da sind die grossen Produktionsfarmen sowieso kein Thema. Wir sind überzeugt, dass durch eine enge, langjährige Beziehung, kombiniert mit regelmäßigen Audits, unsere hohen Ansprüche an Qualität und ethischen Grundsätzen am besten sicher gestellt werden und so das beste Arbeitsumfeld geschaffen wird.

Kinderoutdoor.de Zum Schluss die Frage, welche sich jeder unserer Inerviewpartner stellen muss: Was ist Dein Geheimtipp für Outdoor Familien? Wo sollten die unbedingt einmal gewesen sein und warum?

Franz Bittmann, Namuk: Uns hat es letzten Sommer in der Seewenhütte beim Sustenpass sehr gefallen. Ein super netter Hüttenwart, gutes Essen, viele kleinere Felsen um die Hütte zum klettern, schöne Wanderrouten, eine Tyrolienne beim Haus und sogar ein See mit Ruderboot für die Kids, dies alles auf knapp 2000 Meter und in atemberaubender Umgebung!

 

Danke Franz für das Interview und viel Erfolg für Namuk!

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