Aletsch Arena: Appmarsch ohne Faltkarte

Bei der Aletsch Arena in der Schweiz probierten wir einen digitalen Bergführer aus. Wenn jemand für Perfektionismus bekannt ist, dann sind es die Eidgenossen. Mit der kostenlosen App gingen wir auf Tour und wollten wissen wohin uns der elektronische Pfadfinder führt.

Wamdern am Aletschgletscher mit der kostenlosen App. Wo die uns wohl hinführt.  foto (c) aletsch arena ab

Wamdern am Aletschgletscher mit der kostenlosen App. Wo die uns wohl hinführt.
foto (c) aletsch arena ab

Am Alteschgletscher wollte ich es wissen. Was kann eine Wander-App? Ersetzt sie wirklich eine klassische Faltkarte? Tourismusregionen wie die Aletsch Arena im schweizerischen Wallis unterstützen diesen Trend mit kostenfreien Apps, die Routen vorschlagen und dem Bergwanderer bei seinen Touren den Weg weisen. Mit den digitalen Bergführern kann man die eigene Route speichern, sie an Freunde weitergeben, sportliche Leistungen mit anderen vergleichen und Bonuspunkte einsammeln. Fazit nach einem Selbstversuch in der UNESCO Welterbe-Region Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch: Lästiges Suchen auf der Karte entfällt – die Konzentration gilt dem Genuss. Am Ende einer Tour die aufgezeichnete Route zu betrachten spornt an. Zusatzfunktionen wie etwa das Sammeln von Pins und Coupons erhöhen den Spaßfaktor. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, packt zusätzlich noch die gute alte Wanderkarte ein, denn auch der Akku des Handys kommt mit den digitalen Guides gelegentlich an seine Grenzen.

Wandern mit der App: Genießen statt falten

Auch am Aletsch Gletscher sagt das Handy wo es langgeht. Mit der Gratis App habt Ihr einen elektronischen Bergführer dabei. Foto (c) aletsch arena ag

Auch am Aletsch Gletscher sagt das Handy wo es langgeht. Mit der Gratis App habt Ihr einen elektronischen Bergführer dabei.
Foto (c) aletsch arena ag

Alpine Herausforderung oder gemütlicher Spaziergang, über Stock und Stein oder lieber kinderwagentauglich, mit Einkehrmöglichkeiten oder ohne? Es gibt ungefähr so viele verschiedene Bedürfnisse beim Wandern wie bei der Wohnungssuche oder beim Autokauf. Wie also die richtige Tour finden? Eine Wanderkarte muss her! Doch Hilfe: Zu den eingezeichneten Touren gibt es wenig Infos. Und dann das umständliche Faltprocedere an jeder Weggabelung – nein danke!

Wir probieren die Alternative aus, die da heißt: digitale Karten. Einer der Marktführer ist „GPS-Tracks“, eine App für iPhone und Android. Neulingen im Umgang mit digitalen Guides sei versichert: Der Einstieg ist erfreulich einfach. App installieren und entsprechende Karte laden – am besten zuhause im WLAN-Bereich – und es kann losgehen! Neben Topo-Karten zu Deutschland, Österreich und Schweiz, in die man seine eigenen Routen eintragen kann, bietet die App mehr als 7000 Vorschläge für Freizeittouren, die von Tourismusregionen und Usern eingestellt wurden. Für die Aletsch Arena kann der Benutzer wählen zwischen unterschiedlichsten Touren – Wanderungen von Frühjahr bis Herbst, Winterwanderungen, Nordic-Walking-Touren, Alpintouren, Mountainbike- und Fahrradtouren – da dürfte für jeden Geschmack etwas Passendes dabei sein.

Immer gut orientiert mit der Aletsch Wander App. Foto (c) aletsch arena ag

Immer gut orientiert mit der Aletsch Wander App.
Foto (c) aletsch arena ag

Aletsch Arena: Uralte Bäume an der Teststrecke

Die 12 km lange Wanderung von der autofreien Bettmeralp zum märchenhaften Aletschwald mit seinen bis zu 1000 Jahre alten Zirben wird die Teststrecke. Am idyllischen Bettmersee vorbei geht es den schattenlosen Südhang hinauf. Die Sonne lacht vom Himmel. Kurzer Blick aufs Handy-Display, ob der Weg stimmt. Er stimmt. Auf dem Smartphone der älteren Generation lässt sich das wegen der extremen Helligkeit nur schwerlich erkennen, kein Problem hat man dagegen mit den neueren Modellen oder einem kleinen Tablet, das auch in jeden Rucksack passt. Das erste Etappenziel ist die Riederfurka, ein charmant renovierter Berggasthof in herrlicher Aussichtslage. Jetzt erst mal eine Verschnaufpause auf der Terrasse und eine kühle Apfelsaftschorle, dann ein erneuter Abgleich mit der App – alles perfekt, auf der digitalen Karte liegen die vorgeschlagene Route und die tatsächlich zurückgelegte Strecke direkt übereinander und die Stecknadel, die den aktuellen Standort markiert, steht auf Riederfurka. In jeder Hinsicht gestärkt geht es weiter, hinab in den herrlich duftenden Aletschwald, wo man im Schatten der alten, moosbewachsenen Zirben problemlos ins Smartphone blinzeln und der Route folgen kann. Wer von der Karte immer mal wieder in die Tourenbeschreibung switcht, weiß auch schon, was die Route als nächstes bereithält: Nach ca. 30 Minuten blitzen zwischen dem Grün der Nadelbäume in der Ferne graue bis weiße Flächen auf – der große Aletschgletscher kündigt sich an! Ein imposantes Naturschauspiel von hier oben. Ein ganzes Stück führt die Wanderung am Berghang entlang, immer näher kommt man dem ewigen Eis des längsten Gletschers in den Alpen. Handy-Empfang gibt es auf diesem Streckenabschnitt nicht an allen Stellen, macht aber nichts, die App funktioniert offline. Nach etwas mehr als 4 Stunden und damit innerhalb der prognostizierten Zeit sind wir wieder auf der Bettmeralp – ganz ohne unbeabsichtigte Umwege, aber mit vielen Eindrücken. Das Smartphone ist ebenso geschafft wie die Wandergruppe – der Akku streikt auf den letzten Metern.Hat man die Tour via GPS-Tracks aufgezeichnet (Achtung: Nicht vergessen, die Aufzeichnung am Abend wieder zu beenden!), so kann man sich zuhause nochmal virtuell auf den Weg machen, die Route auf der Karte nachverfolgen und sich darüber freuen, dass man die anspruchsvolle Tour geschafft hat.

Alle Touren gut aufgezeichnet mit der kostenlosen Aletsch Wander App. foto (c) altesch arena ag

Alle Touren gut aufgezeichnet mit der kostenlosen Aletsch Wander App.
foto (c) altesch arena ag

Wie viele Kugeln Eis gibt ein Wander-Pin?

Das Wandern nach Routen ist bei weitem nicht alles, was die digitalen Guides zu bieten haben. Vor allem für die Generation derjenigen, die mit dem Smartphone am Handgelenk geboren wurden, darf es schon noch etwas mehr sein. Wie wäre es mit ein bisschen Spaß und Competition? Wie das aussehen kann, testen wir mit der App MAPtoHIKE. Gleich nach der Registrierung muss man mit der ersten Wahrheit rausrücken: Bist du Wanderer oder Bergsteiger, fragt die App. Und sie meint: Bist du sportlich oder eher der gemütliche Typ? Den geplanten Spaziergang von der Bettmeralp zur Riederalp (Gehzeit knapp eine Stunde) kann man vermutlich nicht als sportlich verkaufen, also outen wir uns als gemütliche Wanderer und starten unseren Hike-Day im Aletsch-Gebiet. Nicht nur die Strecke, die man läuft, wird aufgezeichnet, sondern auch, wie viele Höhenmeter man bewältigt hat und in welchem Tempo man unterwegs ist. Natürlich kann man alle Outdoor-Großtaten den Freunden über Facebook und Twitter mitteilen. Wie bei sportlichen Wettkämpfen generiert die App, die auch offline funktioniert, aus diesen Informationen Ranglisten aller Teilnehmer, die im selben Gebiet bzw. auf derselben Route unterwegs sind oder waren. Wer die meisten Punkte hat, wird zum Tagessieger oder gar zum All-Time-Sieger gekürt. Als wäre das nicht schon genug, um die Lust am Wandern in die Höhe schnellen zu lassen, gibt es für fleißiges Sich-Bewegen auch Pins, für die man dann vor Ort kleine Gratisleistungen oder Rabatte erhält – und das nicht erst nach Tagen und zahllosen gelaufenen Kilometern! So meldet die App bereits bei unserer kleinen Testwanderung von drei Kilometern auf nahezu ebener Strecke, dass Pins gesammelt wurden. Und was lockt als Belohnung für die virtuellen Medaillen? Ein Softdrink – einzulösen in einem ausgewiesenen Lokal auf der Bettmeralp –, eine Ermäßigung im örtlichen Outdoor-Ausstatter oder einmal freier Eintritt ins Schwimmbad.Das Schöne am Bergwandern mit den neuen digitalen Wander-Guides: Es gibt für verschiedene Bedürfnisse unterschiedliche Angebote. Man kann sich einfach nur sicher durch unbekanntes Gelände führen lassen, auf dem Weg eine Menge Informationen abfragen, Coupons einsammeln und sich mit anderen messen.Zugegeben, unser Ranglistenplatz an diesem Tag war eher nicht der Erwähnung wert – mit unseren Freunden teilen wollten wir den Hike-Day lieber nicht. Am Ende aber die getrackte Route als digitales Beweis- und Erinnerungsstück auf dem Handy zu sehen macht Spaß – und ja, doch – auch ein wenig stolz. Das nächste Mal also auf alle Fälle wieder, ohne ungewollte Umwege, mit digitalem Guide.

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