Dinosaurier, Urzeit-Meere, versteinerte Schnecken, die schon vor Millionen Jahren durchs Wasser glitten – kaum ein Thema übt auf Kinder eine so ungebrochene Faszination aus wie die Welt der Fossilien. Was viele Familien nicht wissen: Diese Faszination lässt sich in Deutschland nicht nur im Museum hinter Glas bestaunen, sondern an mehreren Steinbrüchen ganz praktisch selbst erleben – mit Hammer und Meißel bewaffnet, auf der Suche nach dem eigenen kleinen Schatz aus der Erdgeschichte. Wir zeigen euch, wie der Ausflug gelingt und wohin es gehen kann.
Anders als bei vielen anderen Outdoor-Aktivitäten verbindet die Fossiliensuche gleich mehrere Dinge, die Kinder lieben: draußen sein, mit den Händen arbeiten, und das Gefühl, echte Entdecker:innen zu sein – kein Museum, keine Vitrine, sondern das eigene Klopfen, bis plötzlich eine versteinerte Muschel, ein Ammonit oder ein Pflanzenabdruck zum Vorschein kommt. Viele der heute zugänglichen Steinbrüche lagen vor Jahrmillionen unter tropischen Meeren – wo heute Bagger und Lastwagen fahren, herrschte einst zum Beispiel bei Hagen ein Korallenriff. Diese Vorstellung, dass unter dem eigenen Wohnort einmal ein Meer mit exotischen Lebewesen lag, sorgt bei Kindern zuverlässig für Gänsehaut-Momente.
Die richtige Ausrüstung: Wenig, aber wichtig
Für die Fossiliensuche braucht es überschaubar wenig Ausrüstung, dafür aber die richtige:
Hammer und Meißel gehören zur Grundausstattung, um die Gesteinsplatten vorsichtig zu spalten. An vielen Steinbrüchen lässt sich das Werkzeug gegen eine kleine Gebühr direkt vor Ort ausleihen, an anderen muss es selbst mitgebracht werden – ein Blick auf die jeweilige Website vor dem Ausflug lohnt sich also immer.
Eine Schutzbrille ist Pflicht, kein optionales Extra. Beim Hämmern fliegen Steinsplitter, die im schlimmsten Fall die Augen verletzen können. Einfache Schutzbrillen gibt es günstig im Baumarkt, und sie sollten für jedes Kind (und jeden Erwachsenen) selbstverständlich zur Grundausstattung gehören.
Feste, geschlossene Schuhe schützen vor scharfkantigem Gestein und unebenem Untergrund, der in Steinbrüchen keine Seltenheit ist. Handschuhe sind zusätzlich sinnvoll, um Schnittverletzungen an scharfen Bruchkanten zu vermeiden.
Eine Lupe macht aus der reinen Fundsuche zusätzlich ein kleines Forschungsprojekt – viele Details an Versteinerungen erschließen sich erst beim genaueren Hinschauen.
Ein kleines Erste-Hilfe-Set mit Pflastern sollte bei jedem Ausflug in einen Steinbruch selbstverständlich mit dabei sein.

Sicherheit geht vor: Was ihr beachten solltet
So spannend die Suche auch ist – ein Steinbruch ist kein Spielplatz, sondern echtes Naturgelände mit teils steilen und gefährlichen Stellen. Kinder sollten deshalb durchgehend beaufsichtigt werden und nur an den dafür freigegebenen, zugänglichen Bereichen suchen, nicht auf eigene Faust weiter ins Gelände vordringen. Wichtig ist zudem, sich vorab zu informieren, ob und wo das Fossiliensuchen überhaupt erlaubt ist – nicht jeder Steinbruch in Deutschland darf einfach so betreten werden, viele der unten genannten Orte sind aber ausdrücklich für Besucher:innen freigegeben.
Die schönsten Fossilien-Ziele für Familien in Deutschland
Fossiliensteinbrüche im Altmühltal (Bayern)
Der Naturpark Altmühltal gilt als weltberühmte Fossilienregion – kein Wunder, schließlich stammt von hier auch der berühmte Urvogel Archaeopteryx. In den weichen Solnhofener Plattenkalken lassen sich neben Meeresschnecken auch Flugsaurier und urzeitliche Insekten als Versteinerungen finden. Speziell für Besucher:innen zugängliche Steinbrüche, etwa bei Schamhaupten (Altmannstein) oder in Titting, bieten Zugang von April bis Oktober, teils mit kostenlosem Eintritt. Eigenes Werkzeug ist an manchen Standorten Pflicht, an anderen vor Ort leihbar – ein Blick auf die aktuellen Öffnungszeiten und Bedingungen vor der Anreise lohnt sich.
Urweltsteinbruch Holzmaden (Schwäbische Alb, Baden-Württemberg)
Am Urweltsteinbruch Holzmaden können Familien mit Hammer und Meißel selbst nach Schätzen aus dem sogenannten Posidonienschiefer suchen, in dem sich Fossilien oft schon an ihrer charakteristischen bräunlichen Färbung an den Bruchkanten erkennen lassen. Ein Blick ins zugehörige Museum vorab hilft dabei, ein Gefühl dafür zu bekommen, wonach man eigentlich Ausschau halten sollte – wer schon einmal gesehen hat, wie ein Fossil aussieht, findet es später im Gestein deutlich leichter wieder.
Steinbruch Kromer in Ohmden (Baden-Württemberg)
Ebenfalls im Umfeld der Schwäbischen Alb gelegen, bietet der Steinbruch Kromer in Ohmden Familien die Möglichkeit, gemeinsam auf Fossiliensuche zu gehen. Der Steinbruch ist regulär für Besucher:innen geöffnet und eignet sich gut als Ausgangspunkt, um die Faszination Fossilien mit Kindern hautnah zu erleben.
Geführte Exkursionen bei Hagen (Nordrhein-Westfalen)
Wer den Einstieg lieber mit fachkundiger Begleitung wagen möchte, findet unter anderem bei Hagen geführte Familienexkursionen in einen ehemaligen Steinbruch, der vor rund 380 Millionen Jahren Teil eines tropischen Korallenriffs war. Bei solchen angeleiteten Touren wird meist eine Fundgarantie versprochen – niemand geht mit leeren Händen nach Hause –, was gerade für den ersten Ausflug mit jüngeren Kindern beruhigend sein kann, da Frust durch erfolglose Suche gar nicht erst aufkommt.

foto (c) kinderoutdoor.de
Tipps & Tricks für die erfolgreiche Fossiliensuche mit Kindern
- Vorher informieren, was zu finden ist: Ein kurzer Blick auf die Website des jeweiligen Steinbruchs oder ins nächstgelegene Fossilien-Museum hilft, sich ein Bild davon zu machen, wonach gesucht wird – das erhöht die Erfolgschancen erheblich.
- Geduld einplanen und kommunizieren: Bis der erste eigene Fund gelingt, kann es dauern – das sollte Kindern vorab klar sein, damit aus anfänglicher Begeisterung nicht schnell Frust wird.
- Auf geführte Angebote setzen, wenn Erfolg garantiert sein soll: Wer beim ersten Ausflug sichergehen möchte, dass niemand enttäuscht nach Hause fährt, ist mit einer geführten Exkursion oft besser beraten als mit der Suche auf eigene Faust.
- Funde besprechen statt nur sammeln: Am Ende gemeinsam anschauen, was gefunden wurde, und überlegen, um welches Lebewesen es sich gehandelt haben könnte – das macht aus dem reinen Sammeln ein kleines Forschungsprojekt.
- Wetterfeste Kleidung im Zwiebellook: In Steinbrüchen kann es windig sein oder sich Hitze stauen – mehrere Kleidungsschichten lassen sich flexibel an- und ausziehen.
- Respekt vor dem Gelände vermitteln: Kindern früh erklären, dass ein Steinbruch kein Abenteuerspielplatz ist, sondern echtes, teils gefährliches Gelände, an dem bestimmte Regeln gelten.

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Checkliste für den Fossilien-Ausflug
Ausrüstung: Hammer und Meißel (eigenes oder vor Ort leihbar), Schutzbrille für alle, feste Schuhe, Lupe
Vorbereitung: Öffnungszeiten und Zugangsregeln des gewählten Steinbruchs geprüft, ggf. Führung gebucht
Sicherheit: Durchgehende Aufsicht der Kinder, nur an freigegebenen Bereichen gesucht, Erste-Hilfe-Set dabei
Für unterwegs: Wetterfeste Kleidung im Zwiebellook, ausreichend Wasser und Sonnenschutz, Rucksack für Fundstücke
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ab welchem Alter können Kinder Fossilien suchen?
Es gibt kein festes Mindestalter – auch jüngere Kinder haben Freude am Klopfen und Entdecken, sollten dabei aber besonders engmaschig beaufsichtigt werden. Der Umgang mit Hammer und Meißel gelingt größeren Kindern naturgemäß selbstständiger.
Brauche ich eine Genehmigung, um in einem Steinbruch nach Fossilien zu suchen?
Das kommt auf den jeweiligen Steinbruch an. Viele der beliebten Familienziele, etwa im Altmühltal oder auf der Schwäbischen Alb, sind ausdrücklich für Besucher:innen geöffnet, andere Steinbrüche dürfen dagegen nicht ohne Weiteres betreten werden.
Was mache ich mit den gefundenen Fossilien?
An den meisten für Besucher:innen geöffneten Fundstellen dürfen die eigenen Funde mit nach Hause genommen werden. Im Zweifel lohnt sich eine Nachfrage vor Ort, da die Regeln je nach Betreiber variieren können.
Ist eine Schutzbrille wirklich notwendig?
Ja, unbedingt. Beim Hämmern können Steinsplitter wegfliegen und die Augen verletzen – eine einfache Schutzbrille aus dem Baumarkt reicht aus, sollte aber nie fehlen.
Wie finde ich Fossilien im Gestein leichter?
Im sogenannten Posidonienschiefer etwa lassen sich Fossilien oft an einer charakteristischen bräunlichen Färbung an den Bruchkanten erkennen. Ein vorheriger Blick ins Museum oder auf Beispielbilder hilft, das eigene Auge zu schulen.
Eignet sich die Fossiliensuche auch als geführte Aktivität?
Ja, an mehreren Standorten gibt es spezielle Familienexkursionen mit fachkundiger Begleitung, bei denen häufig sogar eine Fundgarantie versprochen wird.
Fossiliensuche mit Kindern verbindet Naturerlebnis, handwerkliches Geschick und echte Entdeckerfreude auf eine Weise, die kaum ein anderes Familienhobby bietet. Mit überschaubarer Ausrüstung – Hammer, Meißel, Schutzbrille und etwas Geduld – lässt sich in Deutschland an mehreren gut zugänglichen Steinbrüchen ein echtes Stück Erdgeschichte selbst ausgraben. Wer den ersten Ausflug plant, ist mit einer geführten Exkursion oft auf der sicheren Seite, kann sich aber genauso gut auf eigene Faust auf die Suche nach dem nächsten kleinen Schatz aus einer Zeit machen, in der an vielen heutigen Steinbrüchen noch ein Urzeit-Meer plätscherte.

