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Inklusion im Wintersport: Michael Fasser bringt´s auf die Piste

„Geht nicht, gibt es nicht.“ Dieser Satz beschreibt die Arbeit von Skilehrer Michael Fasser aus Lermoos wohl am besten. Für ihn ist Skifahren kein Privileg, sondern ein Recht – auch für Menschen mit Handicap. Mit speziell angepassten Mono‑ und Bi‑Skis ermöglicht er in der Tiroler Zugspitz Arena unvergessliche Wintererlebnisse, die für viele zuvor unerreichbar schienen.

Ein Moment, der alles veränderte

Der Wendepunkt kam mit einer einzigen Frage: „Wie bringen wir unsere Tochter auf die Piste?“

Ein Vater stellte sie am Pistenrand. Seine Tochter Feli, damals sechs Jahre alt, leidet an einer schweren Muskelkrankheit und kann nur ihren Oberkörper bewegen. Skifahren? Unvorstellbar – dachte man. Doch Fasser suchte nach einer Lösung, fand ein geeignetes Spezialgerät und brachte Feli ein Jahr später tatsächlich auf die Piste. Ihre erste Abfahrt wurde zum Symbol dafür, was möglich ist, wenn jemand nicht aufgibt.

Heute ist Feli das Gesicht des Programms „No Handicap“. Sie lebt selbstständig in München, studiert und spielt im Rollstuhl‑Fußball‑Nationalteam. Und sie kehrt regelmäßig zurück auf die Piste – dorthin, wo alles begann.

Die Tiroler Zugspitz Arena zeigt, wie Inklusion auf der Piste gelebt wird – mit speziell angepassten Mono- und Bi-Skis ermöglicht Michael Fasser Menschen mit Handicap unvergessliche Skierlebnisse. © Michael Fasser/Snowpower

❤️ Vom Herzensprojekt zum Inklusionsvorbild

Was als private Initiative startete, ist heute ein landesweit anerkanntes Inklusionsprojekt. In Deutschland leben rund 7,9 Millionen Menschen mit schwerer Behinderung, doch nur wenige haben Zugang zum Wintersport. Fasser will das ändern.

Seit der Gründung seiner Skischule Snowpower im Jahr 2013 hat er ein Team aus zehn speziell ausgebildeten Skilehrern aufgebaut. Sie betreuen Menschen mit:

  • Down‑Syndrom
  • Cerebralparese
  • schweren Muskel‑ und Nervenerkrankungen
  • komplexen körperlichen Einschränkungen

„Wir sind bekannt für die anspruchsvolleren Fälle“, sagt Fasser. Und genau das macht Snowpower so besonders.

👨‍👩‍👧 Was Inklusion für Familien bedeutet

Für viele Familien ist ein Tag auf der Piste mehr als ein Ausflug – es ist ein Stück Normalität, das ihnen Kraft für den Alltag gibt. Fasser erzählt von Momenten, die ihn selbst tief berühren:

  • Die Erleichterung, wenn ein Kind im Bi‑Ski sitzt
  • Die Freude, wenn Geschwister gemeinsam fahren können
  • Die Dankbarkeit, die oft ein ganzes Jahr nachhallt

„Diese Arbeit macht dich demütig“, sagt Fasser. „Du beginnst zu verstehen, was wirklich zählt.“

Auch die Skilehrer profitieren: „Wir bekommen emotional so viel zurück.“

Ein Skilehrer fährt mit einem Kind im Bi-Ski die Piste hinunter – gelebte Inklusion im Wintersport
© Michael Fasser/Snowpower

🚡 Inklusion, die im Skigebiet gelebt wird

In der Tiroler Zugspitz Arena ist das Projekt längst Teil des Alltags:

  • Liftmitarbeiter helfen beim Einsteigen
  • Bi‑Skis werden über Gummimatten gezogen
  • 90 % aller Lifte sind problemlos nutzbar
  • Auch Ehrwald und Biberwier sind bestens eingespielt

Was früher ungewöhnlich war, ist heute selbstverständlich: „Hey, cool, dass ihr wieder da seid.“

🛠️ Kostenlose Ausrüstung – echte Chancengleichheit

Die Skischule stellt alle Spezialgeräte kostenlos zur Verfügung:

  • Bi‑Skis
  • Monoskis
  • individuell angepasste Sitze
  • Sicherheitsausrüstung

Nur wenn ein Skilehrer benötigt wird, fällt eine geringe Gebühr zur Kostendeckung an.

„Es geht nicht um ein Geschäftsmodell“, betont Fasser. „Es geht darum, einen echten Unterschied zu machen.“

Ein Bi‑Ski funktioniert dabei erstaunlich intuitiv: Vorne sitzt der Fahrer, hinten steuert der Skilehrer – wie ein Einkaufswagen auf Schnee. Und ja: Sie fahren Tiefschnee, Schanzen und Steilhänge – genau wie alle anderen.

Michael Fasser setzt sich mit persönlichem Engagement und speziell angepasster Ausrüstung dafür ein, dass Menschen mit Handicap Wintersport selbstverständlich erleben können.
© Michael Fasser/Snowpower

🌍 Der Weg zu echter Normalität

Für Fasser ist Inklusion kein Event, sondern eine Haltung. „Es geht nicht nur um das Skifahren“, sagt er. „Es geht darum, Barrieren abzubauen.“

Sein Traum: Eine Gesellschaft, in der Inklusion nicht nur während der Paralympics gefeiert wird, sondern jeden Tag selbstverständlich ist.

Seine Botschaft an Familien: „Geht nicht, gibt es nicht. Wir haben bisher jeden in den Monoski bekommen.“

Nur das Gewicht setzt manchmal Grenzen – aber selbst dafür findet das Team oft Lösungen.

🏁 Inklusion ist kein Extra – sie ist ein Menschenrecht

Michael Fasser zeigt, wie Wintersport zu einem Ort werden kann, an dem alle dazugehören. Sein Projekt verändert Leben – Schritt für Schritt, Abfahrt für Abfahrt.