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Trepalle – Eines der höchsten Dörfer Europas und Don Camillo

Trepalle liegt auf 2.126 Metern und zählt zu den höchstgelegenen Dörfern Europas. Hier führte ein Pfarrer einst eine Schmugglerbande – und betrieb die wohl ungewöhnlichste Tankstelle der Alpen.

🏞️ Ein Dorf über den Wolken

In der Nähe des Zollfreiparadieses Livigno liegt Trepalle – ein Ort, der mit seiner Höhe von 2.126 Metern fast schon himmlisch wirkt. Gleichzeitig gehört das Dorf heute offiziell zur Gemeinde Livigno. Der Name bedeutet „Drei Eier“, doch die Geschichte des Ortes ist weitaus spannender als seine Übersetzung.

Zwischen karger Berglandschaft, eisigen Wintern und einer ungewöhnlichen Pfarrei entwickelte sich hier ein Dorf, das bis heute fasziniert. Außerdem steht in Trepalle die höchstgelegene Pfarrei Europas – inklusive eigener Tankstelle. Und der legendäre Dorfpfarrer war nicht nur Seelsorger, sondern auch Rechtsanwalt und Anführer einer Schmugglergruppe.

🏔️ Livigno: Vom Armenhaus zum Zollfreiparadies

Das Hochtal von Livigno war lange Zeit bitterarm. Die Lage zwischen den Eisriesen von Ortler und Bernina machte das Leben hart. Außerdem war das Tal im Winter oft monatelang von der Außenwelt abgeschnitten.

Heute zeigt sich ein völlig anderes Bild:

  • rund 6.700 Einwohner,
  • über 13.000 Gästebetten,
  • 250 Shops in der Fußgängerzone,
  • moderne Bergbahnen im Sommer,
  • Freeride‑Hotspot im Winter.

Livigno trägt nicht ohne Grund den Spitznamen „Little Tibet“. Die Mischung aus Höhe, Weite und Abgeschiedenheit ist einzigartig.

Trepalle – Eines der höchsten Dörfer Europas und Don Camillo foto (c) APT Livigno

🛣️ Trepalle – das Dorf, das man nicht übersehen kann

Wer von Bormio über den Eira‑Pass nach Livigno fährt, kommt automatisch durch Trepalle. Das Dorf liegt noch einmal 300 Meter höher als Livigno selbst. Dadurch wirkt es wie ein Außenposten am Rand der Alpen.

An der Tankstelle im Ort kostet der Diesel oft nur die Hälfte des italienischen Durchschnittspreises. Doch günstiger Sprit ist nur ein Detail. Viel wichtiger ist die Geschichte, die Trepalle geprägt hat – eine Geschichte von Armut, Glauben und Schmuggel.

✝️ Der Pfarrer von Trepalle – Gottesmann und Schmugglerchef

Alessandro Parenti, genannt Don Sandro, war von 1939 bis 1980 Pfarrer von Trepalle. Er war ein Mann mit vielen Talenten: Seelsorger, Lehrer, Jurist – und Anführer einer Schmugglerbande.

Das Leben auf über 2.000 Metern war hart. Deshalb gingen die jungen Männer nachts über die Berge nach Bormio oder ins Engadin, um Kaffee, Tabak oder Zucker zu schmuggeln. Wurden sie erwischt, verteidigte Don Sandro sie vor Gericht. Sein Argument war ebenso einfach wie radikal:

„Grenzen sind menschengemacht, nicht von Gott.“

Außerdem seien die Dorfbewohner so arm gewesen, dass Schmuggel für viele die einzige Überlebensstrategie war.

Eine Tankstelle für die Pfarrei

Wo selbst der liebe Gott nicht helfen konnte, half Don Sandro selbst. Kurz nach seiner Ankunft ließ er direkt an der Passstraße eine Zapfsäule installieren. Mit den Einnahmen finanzierte er Wasserleitungen und Strom für Trepalle.

Zusätzlich unterrichtete er die Kinder selbst. Und nach der Abendmesse machte er sich oft auf den Weg – nicht in die Kneipe, sondern zum Schmuggeln. Dadurch wurde er zur legendären Figur, die bis heute im Dorf verehrt wird.

Trepalle – Eines der höchsten Dörfer Europas und das lebende Vorbild von Don Camillo. foto (c) APT Livigno

🎬 Don Camillo – ein echter Livignasco?

Die Parallelen zwischen Don Sandro und der Filmfigur Don Camillo sind unverkennbar. Kein Wunder: Der Autor der Geschichten, Giovannino Guareschi, verbrachte mehrere Sommer in Trepalle. Ob er selbst beim Schmuggeln dabei war, bleibt ungeklärt.

Die Tankstelle von Don Sandro existiert übrigens noch heute. Sie steht zwischen dem Passo d’Eira und dem Passo di Foscagno – und gehört weiterhin der Pfarrei. Die alte Zapfsäule kann man im Heimatmuseum MUS! in Livigno bestaunen.

Ein Dorf voller Geschichten

Trepalle ist mehr als ein hochgelegenes Bergdorf. Es ist ein Ort voller Kontraste:

  • himmlische Höhe,
  • harte Lebensbedingungen,
  • tiefer Glaube,
  • mutige Schmuggler,
  • ein Pfarrer, der Regeln neu interpretierte.

Dadurch entstand ein Dorf, das bis heute fasziniert – und das zeigt, wie eng Überleben, Kreativität und Gemeinschaft in den Alpen miteinander verbunden sind.