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Alpenverein warnt: Anhaltend gefährliche Lawinensituation im freien Gelände

Die Lawinenlage in Österreich bleibt angespannt. Bereits 26 Menschen sind in dieser Saison durch Lawinen ums Leben gekommen – deutlich mehr als im langjährigen Durchschnitt. Der Österreichische Alpenverein richtet daher einen dringenden Appell an alle Tourengehenden und Variantenfahrenden: In den kommenden Schönwettertagen sollten Touren im freien Gelände konsequent vermieden oder extrem defensiv geplant werden.

Altschneeproblem: Tückisch und kaum erkennbar

Das größte Risiko geht derzeit vom Altschneeproblem aus. Schwachschichten liegen tief in der Schneedecke und sind im Gelände kaum sichtbar. Dadurch können Lawinen:

  • bereits an weniger steilen Hängen ausgelöst werden
  • sich zu großen Schneebrettern entwickeln
  • durch Triebschneeansammlungen zusätzlich begünstigt werden

Jörg Randl, Leiter der Abteilung Bergsport im Alpenverein, warnt: „Die Schwachschichten sind schwer zu erkennen. Lawinen können sich auch an moderaten Hängen lösen.“

Gefahren abseits der Lawine: Warum Absturzrisiko oft unterschätzt wird. Skitour auf die Gammerspitze (Foto: Alpenverein/Warmuth)

Sonne & Wärme: Risiko steigt im Tagesverlauf

Mit zunehmender Sonneneinstrahlung und steigenden Temperaturen nimmt die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen deutlich zu. Besonders kritisch sind:

  • steile, sonnseitige Hänge
  • schattige Steilhänge in mittleren und hohen Lagen
  • eingewehte Bereiche hinter Geländekanten
  • Rinnen und Mulden

Der Alpenverein empfiehlt, Hänge über 30 Grad Neigung strikt zu meiden und angrenzende Hänge in die Planung einzubeziehen.

Ein prägnanter Merksatz aus Tirol: „Ist die Schneedecke das Problem, ist das Gelände die Lösung.“

Gefahren abseits der Lawine: Warum Absturzrisiko oft unterschätzt wird. Absturzgefahr auf exponierten Graten wie am Schneewinkelkopf. (Foto: Alpenverein/Leibetseder)

Früh starten: Südseitig nur mit Zeitdisziplin sicher

Südseitige Expositionen können sich durch Sonneneinstrahlung stabilisieren – aber nur früh am Tag. Wer spät startet, riskiert instabile Schneedecken und erhöhte Nassschneelawinengefahr.

Wichtig:

  • sehr früher Aufbruch
  • Exposition bewusst wählen
  • Temperaturanstieg einplanen
  • Gipfel und Abfahrt vor der Erwärmung abschließen

Randl betont: „Tourenplanung bedeutet derzeit vor allem Zeitmanagement.“

Wenn´s passiert ist, muss jeder bei der Suche nach Verschütteten mithelfen können, wie hier bei der Alpenvereinsübung im Kaunertal. foto (c) Österreichischer Alpenverein / Monika Melcher

Defensive Strategie bleibt oberstes Gebot

Für alle, die dennoch unterwegs sind, gilt:

  • große Abstände im Aufstieg
  • keine Sammelpunkte in Gefahrenbereichen
  • konservative Routenwahl
  • im Zweifel umplanen oder abbrechen

Unverzichtbar ist eine vollständige Notfallausrüstung:

  • 3‑Antennen‑LVS
  • Sonde
  • Alu‑Schaufel
  • Mobiltelefon
  • Erste‑Hilfe‑Set
  • Rettungsdecke
  • Biwaksack
  • empfohlen: Airbag & Helm

Weitere Informationen

  • Alpenverein SicherAmBerg – Skitouren
  • Lawinen.report – aktuelles Bulletin