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Der Ritter von Schröcken: 61 Winter Skibusfahrer!

Herbert Ritter fuhr 61 Winter lang Skibus in Warth‑Schröcken. Seine Geschichte erzählt von Schneemassen, Gelassenheit und einem Leben mitten in der Skigeschichte des Arlbergs.

🌄 Ein Morgen wie vor 60 Jahren

Wenn über den Hängen von Warth‑Schröcken das erste Licht erscheint, beginnt ein Bild, das sich seit Jahrzehnten kaum verändert hat. Ein Bus zieht ruhig seine Spur die Bergstraße hinauf. Die Route führt durch enge Kurven, steile Passagen und frischen Schnee. Hinter dem Lenkrad sitzt Herbert Ritter aus Schröcken – ein Mann, der diese Strecke wie kaum ein anderer kennt.

Im Tal nennt man ihn längst den „Ritter von Schröcken“. Und das nicht ohne Grund.

Der Ritter von Schröcken: 61 Winter Skibusfahrer! foto (c) Warth-Schröcken

🏁 Ein Einstieg, der keiner sein sollte

Herbert Ritters Weg zum Skibus begann unerwartet. Als junger Skirennläufer brach er sich das Bein. Deshalb half er im Familienbetrieb aus. Und plötzlich saß er hinter dem Steuer eines VW‑Busses.

Damals steckte der Skitourismus in Warth‑Schröcken noch in den Kinderschuhen. Es gab wenige Lifte, kaum Infrastruktur und eine Bergstraße, die im Winter zum Abenteuer wurde.

„Wir hatten vorne und hinten Schneeketten drauf“, erinnert sich Ritter. „Sonst wärst du gar nicht weggekommen.“

Damit begann eine Karriere, die später zur Chronik einer ganzen Region werden sollte.

🏔️ Ein Chronist der Skigeschichte

Über sechs Jahrzehnte hinweg erlebte Ritter den Wandel des Arlbergs hautnah. Er war dabei, als die ersten Lifte gebaut wurden. Außerdem brachte er Gäste zum Salober, als Schlepplifte noch im Mai im Schnee steckten. Später fuhr er die großen Busse, als Warth‑Schröcken touristisch aufblühte.

Er sah, wie aus einem stillen Bergtal eine Wintersportdestination wurde. Jahr für Jahr entstanden neue Pisten. Die Verbindung ins Lechtal erweiterte das Gebiet. Und schließlich verbanden der Auenfeldjet (2013/14) und die Flexenbahn (2016/17) Warth‑Schröcken endgültig mit Ski Arlberg – dem größten zusammenhängenden Skigebiet Österreichs.

„Unglaublich, was sich da alles getan hat“, sagt Ritter. „Von einem kleinen Gebiet zu einem internationalen Skigebiet – und ich mittendrin.“

Winterurlaub in den Alpen 2025/26: Schneesicherheit, die ihren Namen verdient: Warth-Schröcken ist das naturschneereichste Skigebiet Europas. © TVB Warth-Schröcken, Hansi Heckmair

❄️ Schneemassen, die ihresgleichen suchen

Dass Warth‑Schröcken heute als schneereichstes Skigebiet Europas gilt, überrascht ihn nicht. Durchschnittlich fallen hier zehn bis elf Meter Naturschnee pro Winter. Die Staulage an der Nordseite des Arlbergs sorgt dafür, dass es oft weiter schneit, wenn es anderswo längst aufgehört hat.

Ritter erinnert sich an Winter, in denen Liftstützen nur knapp aus den Schneewänden ragten. An Frühjahre, in denen der letzte Schnee erst im Juni schmolz. Und an Straßen, die kaum noch zu erkennen waren.

„Schnee hatten wir immer“, sagt er. „Früher vielleicht gleichmäßiger. Heute kommt er manchmal in einem einzigen Schub. Aber weniger ist es nicht geworden.“

👨‍✈️ Der Mensch hinter dem Steuer

Trotz aller Herausforderungen blieb eines konstant: Ritters Gelassenheit. „Wenn du dich aufregst, belastest du nur dich selbst“, sagt er. Dieser Satz begleitet ihn durch sein Berufsleben.

Kinder warteten lieber auf „seinen“ Bus. Gäste blieben ihm über Jahre treu. Und manchmal stieg sogar Königliches zu: der Fürst von Liechtenstein, die niederländische Königsfamilie oder Prominente aus Sport und Gesellschaft.

Aus einer spontanen Begrüßung – „Du bist der Fürst von Liechtenstein, ich bin der Ritter von Schröcken“ – entstand sein Spitzname, der im Tal bis heute ein Lächeln auslöst.

Doch Ritter erzählt auch von Momenten, die leiser sind. Von Lawinen, die nur Minuten hinter ihm abgingen. Von Kindern, die ihm ihre Geschichten anvertrauten. Und von Gästen, die ihn nach 16 Jahren Reisebegleitung wie einen Freund behandelten.

61 Winter lang ist Herbert Ritter mit dem Skibus unterwegs gewesen. foto ( c) Maximilian gierl Bregenzerwald Tourismus

🎉 Ein Abschied wie ein Fest

Nach 61 Wintern beschloss Herbert Ritter am Ende der Saison 2024/25, den Skibus ein letztes Mal zu parken. Sein Abschied wurde zu einer Szene wie aus einem Film: Musik, Jubel, Tränen. Ein ganzer Ort sagte Danke.

Der letzte Bus wurde zum „Partybus“. Die Strecke zur Ehrenrunde.

„Das war die Krönung“, sagt er. „Da wurde mir bewusst, wie viele Menschen ich in all den Jahren begleitet habe.“

🏔️ Was bleibt

Heute fährt Herbert Ritter wieder Ski – frei, ohne Fahrplan, ohne Schneeketten. Doch oben am Salober, wo Himmel und Schnee einander berühren, spürt er dieselbe Verbundenheit wie damals.

Herbert Ritter ist mehr als ein Skibusfahrer. Er ist ein Zeitzeuge einer Region, die sich vom verschneiten Geheimtipp zur internationalen Skidestination entwickelte. Ein Mann, der mit Humor, Ruhe und unzähligen Schneekilometern ein Kapitel Arlberger Geschichte mitgeschrieben hat.

Ein Mann, der 61 Winter lang dafür sorgte, dass Gäste sicher zum Skifahren kamen – und der dabei selbst zum Teil des Winters wurde.