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Ruhe finden und durchatmen: Versteckte Orte für Auszeiten

Überfüllte Gassen, Selfiesticks und lange Warteschlangen gehören für viele Reisende inzwischen zum Alltag. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Orten, an denen Natur, Kultur und Stille wieder spürbar sind. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf Regionen, die abseits der großen Ströme liegen. Von Tirol über Südtirol bis ins Allgäu und nach Tschechien – diese Ziele zeigen, wie erholsam Reisen jenseits des Trubels sein kann.

1. St. Anton am Arlberg: Weite Hochtäler jenseits der bekannten Pisten

St. Anton ist weltweit bekannt. Gleichzeitig wissen nur wenige, wie weitläufig und unberührt die Region abseits der Infrastruktur wirklich ist. Die Fläche übertrifft sogar das Fürstentum Liechtenstein. Dadurch bleibt viel Raum für stille Natur.

Viele Hochtäler sind nur über Wanderwege erreichbar. Dazu gehören:

  • das Fasultal
  • das Ochsental
  • das Pfluntal
  • das hintere Malfontal

Diese Täler gelten selbst unter Einheimischen als Geheimtipp. Zusätzlich bietet eine „E‑Bike & Hike“-Tour die Möglichkeit, hochalpine Orte zu erreichen – etwa über das Verwalltal zur Konstanzer Hütte und weiter zum eiskalten Schottensee. Die Sommersaison startet Mitte Juni 2026.

Einsam liegt der Malfonsee in seinem Kessel, lediglich ein paar Pferde, die den Sommer im Pettneuer Hochtal bei St. Anton am Arlberg verbringen, erfrischen sich hin und wieder am kalten Wasser. ©TVB St. Anton am Arlberg, Fotograf Patrick Bätz

2. Die Splüi von Foroglio, Tessin: Ein Tal, das Zeit anders misst

Zwischen Felswänden, Flüssen und engen Tälern entdecken Reisende im Tessin Orte, die sich bewusst der Hektik entziehen. Ein eindrucksvolles Beispiel sind die Splüi im Val Bavona. Diese traditionellen Unterfelsbauten wurden früher von Bergbauern genutzt und verschmelzen heute fast vollständig mit der Landschaft.

Schon die Anreise mit dem Autopostale von Locarno wirkt wie ein sanfter Übergang in eine andere Welt. In Foroglio angekommen, bleibt man unweigerlich stehen – der Wasserfall ist beeindruckend. Anschließend führt ein ruhiger Weg hinauf zu den Splüi. Selbst im Hochsommer begegnet man dort nur wenigen Menschen. Dadurch entsteht ein Gefühl echter Abgeschiedenheit.

3. Kristeinertal, Osttirol: Ein Tal, das Stille bewahrt

Das Kristeinertal öffnet sich mit einem breiten, grünen Talboden. Außerdem wird es von Almwiesen, Wäldern und Wasserfällen eingerahmt. Das Tal zweigt bei Mittewald an der Drau ab und führt in die Villgrater Berge. Der Naturraum ist bäuerlich geprägt und zählt nur rund 100 Einwohner. Dadurch wirkt das Tal bis heute ursprünglich.

Ein Highlight ist der Wasserfallpfad am Celar‑Wasserfall. Er wurde 2016 neu angelegt und führt durch schattigen Lärchenwald. Wandernde erreichen mehrere Aussichtsplattformen in Bachnähe. Von dort bietet sich ein beeindruckender Blick auf die tosenden Wassermassen. Anschließend führt ein leichter Anstieg zur bewirtschafteten Gölbnerblickhütte und zur Celarkapelle.

Unberührte Natur soweit das Auge reicht: Wer im Kristeinertal in Osttirol unterwegs ist, genießt absolute Stille und Einsamkeit. Die Mountainbike-Tour zur Gölbnerblickhütte ist herausfordernd und lang. © erwin-haiden-nyx.at

4. Tiroler Lechtal, Österreich: Verschnaufpause im Auszeitdorf

Das Tiroler Lechtal ist eines der ursprünglichsten Täler der Alpen. Außerdem gilt der Lech als einer der letzten weitgehend unverbauten Wildflüsse Europas. Dadurch entsteht ein Naturraum, der Ruhe fast automatisch mitliefert.

Im Lechtal finden sich mehrere kleine Dörfer, die bewusst auf sanften Tourismus setzen. Diese Orte bieten:

  • weite Flusslandschaften
  • stille Wanderwege
  • traditionelle Architektur
  • eine entspannte, entschleunigte Atmosphäre

Wer eine echte Auszeit sucht, findet hier genau das.

Warum diese Orte so erholsam sind

Alle genannten Regionen haben eines gemeinsam: Sie liegen abseits der großen Ströme. Außerdem setzen sie auf Natur statt Spektakel. Dadurch entsteht ein Urlaubserlebnis, das nicht laut sein muss, um nachhaltig zu wirken.

  • weniger Menschen
  • mehr Natur
  • mehr Raum für sich selbst
  • echte Entschleunigung

Gerade deshalb fühlen sich diese Orte so wohltuend an.

Tiroler Lechtal: Vier Auszeitdörfer, die Stille neu definieren

Abseits von Hauptstraßen, Hotels und Liftanlagen liegen vier versteckte Seitentäler des Tiroler Lechtals. Die kleinen Gemeinden Gramais, Hinterhornbach, Pfafflar und Kaisers gelten als Sehnsuchtsorte für alle, die Ruhe suchen.

Dank ihrer Höhenlage ab 1.100 Metern profitieren besonders Allergiker und Hitze‑Empfindliche von einem erholsamen Klima. Außerdem prägt das kristallklare Schmelzwasser der Bäche Otterbach, Hornbach, Streimbach und Kaiserbach die Landschaft. Diese Bäche speisen den Wildfluss Lech – und sorgen dafür, dass es hier keine künstlichen Becken gibt, sondern nur eine „wilde“ Kneippkur mitten in der Natur.

Wer Natur pur sucht, findet sie genau hier.

„Roter Hahn“, Südtirol: Urlaub auf dem Bergbauernhof

Oberhalb von 1.500 Metern klingt der Alltag anders. Statt Verkehrslärm hören Gäste Vogelgezwitscher, Kuhglocken und das Rascheln des Windes. Die Bergbauernhöfe des Südtiroler Qualitätssiegels „Roter Hahn“ liegen weit entfernt von der Zivilisation.

Da viele Flächen wegen der Steillagen nur von Hand bewirtschaftet werden können, erleben Urlauber hier bäuerlichen Alltag in seiner ursprünglichsten Form. Viele Höfe sind Selbstversorger. Dadurch können Gäste frische Produkte direkt im Hofladen kaufen.

Mit maximal fünf Ferienwohnungen oder acht Zimmern bleibt die Zahl weiterer Gäste gering. Dadurch entsteht ein Urlaub, der sich anfühlt wie ein Rückzug in eine andere Zeit.

Füssen, Allgäu: Wandern im Schlosspark – fernab der Massen

Schon König Ludwig II. suchte in der Natur rund um Füssen Ruhe vor der Welt. Die Wege zwischen Gipfeln, Seen und Almen dienten ihm als Rückzugsorte. Deshalb ließ er sein berühmtes Schloss Neuschwanstein genau hier errichten.

Heute können Wandernde diese Landschaft auf zahlreichen Pfaden erleben – und das oft ohne große Menschenmengen. Die Routen führen durch den „Schlosspark im Allgäu“, der seit 2025 UNESCO‑Welterbe ist.

Beliebte, aber dennoch ruhige Wege führen:

  • ins Pöllattal
  • auf den Tegelberg
  • zur Jägerhütte

Wer Neuschwanstein lieber aus der Ferne betrachtet, findet hier perfekte Aussichtspunkte – ganz ohne Gedränge.

Zwischen historischen Türmen und modernem Lebensgefühl: Die tschechische Stadt Brünn zeigt sich entspannt, kreativ und überraschend weltoffen – eine spannende Alternative zur Hauptstadt Prag. © TIC Brno

Brünn, Tschechien: Prags entspannte kleine Schwester

Wer Tschechien abseits der bekannten Pfade erleben möchte, sollte Brünn (Brno) entdecken. Während Prag jedes Jahr Millionen Besucher anzieht, bleibt Brünn angenehm gelassen.

Die Stadt verbindet Jugendstil, Funktionalismus und moderne Kreativität. Rund um die berühmte Villa Tugendhat treffen Architekturgeschichte und urbaner Lifestyle aufeinander. Gleichzeitig sorgen kurze Wege, viel Grün und eine lebendige Weinkultur für ein entspanntes Reisegefühl.

Brünn zeigt Tschechien von einer Seite, die jung, überraschend und wohltuend unaufgeregt ist.

Bad Reichenhall, Oberbayern: Vom Stadtzentrum direkt ins Naturidyll

Nur wenige Städte bieten so kurze Wege in die Stille wie Bad Reichenhall. Obwohl die Fußgängerzone belebt ist, führt ein kurzer Spaziergang direkt in die Nonner Au.

Vom Start an der Saalach geht es zunächst am Seebach entlang. Hinter der Fischzucht zweigt der Weg Richtung Angerlholzstube ab. Anschließend führt er durch ruhigen, wild‑romantischen Wald bis zum malerischen Listsee.

Die Stille dort ist beeindruckend – und sie passt perfekt zum Gesundheitscharakter der Stadt. Denn aus diesem Gebiet stammt sowohl das Bad Reichenhaller Mineralwasser als auch ein Teil des Trinkwassers der Region. Der Rundweg endet schließlich am Königlichen Kurhaus.

Lechweg: Weitwandern zwischen Deutschland und Österreich

Der Lechweg ist kein Höhenmeter‑Monster wie der E5 – und genau das macht ihn so besonders. Auf 125 Kilometern steht nicht die sportliche Leistung im Vordergrund, sondern das Naturerlebnis.

Die Route beginnt spektakulär am türkisgrünen Formarinsee oberhalb von Lech am Arlberg. Anschließend führt sie durchs Quellgebiet nach Warth, wo Murmeltiere, Gämsen und Adler leben.

Weitere Highlights sind:

  • die Holzgauer Hängebrücke
  • die Höhenbachschlucht
  • das Schutzgebiet Pflacher Au
  • der Füssener Lechfall als finales Highlight

Wer Weitwandern ohne Massen sucht, findet hier eine perfekte Alternative.