Lechweg wandern: Drachen und ein heiliger Weitspringer an einem der letzten wilden Flüsse

Den Lechweg wandern und in die Seele der Alpen eintauchen. Ab Mai ist der Fernweg mit seinen 125 Kilometer geöffnet. Es ist diese Mischung aus einem wilden Gebirgsfluss, idyllisch karger Berglandschaft und uralten Mythen aus den Alpen. Mit dem Lech haben die Wanderer einen Begleiter der sich von seinen unterschiedlichsten Seiten präsentiert. Mal still und sanft, ein anderes Mal völlig ungestüm und laut rauschend. Von der Quelle am Formarinsee bis zum Lechfall im bayerischen Füssen führt dieser Wanderweg.

Wer Höhenmeter sammeln will bei seinen Wanderungen, hört jetzt bitte hier zu lesen auf. Wer das Besondere sucht, der sollte unbedingt weiterlesen. am Lechweg kommt viel zusammen: Eine unberührte Natur, ein Fluss der die Landschaft gestaltet, ruhige Plätze, alte Sagen und unverfälschtes Essen. Durch Österreich und Deutschland führt der Lechweg. In sechs bis acht Etappen ist er eingeteilt. Auf der Reise bis zum Lechfall in Füssen erwarten die Wanderer Rätsel und Geschichten. Die Ohren offen halten dem Fluß und den Menschen am Ufer zuhören.

Lechweg wandern: Einzigartiger Start in wunderbaren Farbnuancen

„Unglaublich wie dieser See leuchtet!“ sagt ein Wanderer. Er steht am Formarinsee. Vielleicht ist der Name Aquamarinsee besser gewesen. Wie dieser Edelstein leuchtet der See in einem unglaublich satten Blau, je weiter das Auge vom Ufer weg wandert. Im flachen Bereich zeigt der Formarinsee, welche Grüntöne die Natur hervorbringen kann. So groß wie 22 Fußballfelder ist dieser See. Hier entspringt der Lech und 2015 erhielt der Formarinsee eine besondere Ehre: Schönster Platz Österreichs.  Der See sieht jdes Jahr anderes aus. Er ist ein Sammelbecken von Schmelzwassers  und sein Abfluss verläuft unterirdisch. Die Kelten nannten ihn Lik, der schnell Fließende, der Steinreiche. Nur zwölf Kilometer entfernt, direkt an der Lechschleife „Auf den Spuren der Walser am Tannberg“, liegt der stille Shootingstar Österreichs: das Naturjuwel Körbersee. Der kleine Bergsee im Hochtannberggebiet wurde 2017 zum schönsten Platz Österreichs gewählt und ist nur zur Fuß erreichbar. Unweit des Sees liegt das abgeschiedene Berghotel Körbersee. Als die Unterkunft an Weihnachten 1930 von Tourismuspionier Franz Xaver Strolz eröffnet wurde, war dort eine wintersichere Straße von Schröcken nach Lech geplant. Eine perfekte Lage für ein Hotel also, dachten sich clevere Unternehmer. Doch zum Bau der Straße kam es nicht. Der zweite Weltkrieg brauch aus und niemand nahm die ambitionierten Pläne wieder auf Das Hotel hingegen steht heute noch an diesem entrückten Ort. Der Körbersee ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Naturgenießer und lässt sich entlang der Lechschleifen entdecken.

Am Lechweg wandern: Der Drache vom Doser Wasserfall
Sagenhaftes ereignet sich bei Häselgehr im mittleren Lechtal: Dort befindet sich beim Weiler Luxnach der Doser Wasserfall. Sein Wasser entspringt aus einer Felsgrotte und fällt in die Tiefe, wo es früher eine Mühle antrieb. Der Wasserfall versiegt an St. Martin (11. November) und entspringt wieder an St. Georg (23. April). Schuld daran ist laut Sage ein Drache, der den Bach zur rechten Zeit öffnet und wieder verschließt. Wie wir alle wissen ist der Heilige Georg auch der einzige Heilige, den die Bildhauer und Maler mit seiner Schwiegermutter darstellen….Eine besondere Sage gibt es vom Frauensee. Das Gewässer liegt oberhalb von Lechaschau in der Naturparkregion Reutte. Dort soll einmal, so der Sage nach, ein Schloss, gestanden haben. Darin wohnten schöne, reiche Frauen. Heute nennt man das „Model-Villa“. Ihren Wohlstand wussten sie jedoch bald nicht mehr zu schätzen, vergeudeten Lebensmittel und sollen hartherzig gegenüber Armen und Bedürftigen gewesen sein. Twitter und Instagram gab es damals noch nicht, sonst hätte die Mädels dort auch Unruhe gestiftet. Da traf sie Gottes Strafe und Haus und Hof, samt der sündhaften Bewohner, versanken in der Tiefe des Sees. Heute steht am Ufer des mystischen Gewässers eine gemütliche Gastwirtschaft, die entlang des Lechwegs zur Einkehr lockt.

Heiliger Weitspringer: Magnussprung am Lechfall
Mystische Legenden ranken sich um den Lechfall bei Füssen, wie z.B. die Sage des Heiligen Magnus. Der Schutzheilige des Allgäus und Stadtpatron Füssens soll auf der Flucht vor wilden Tieren oder Heiden bei seinem kühnen Sprung über die Lechschlucht seinen Fußabdruck tief im Felsen hinterlassen haben. Der heute noch bestehende Abdruck im Fels wurde daraufhin als Mangtritt zum Wallfahrtsort. Wer sich ansieht wie weit der Heilige Magnus gesprungen ist, der kann über den aktuellen Weltrekord von Mike Powell mit 8,95 Metern nur milde wie eine gotische Marienfigur lächeln. Ganz ohne Tartanbahn und Spikes, aber dafür mit der Hilfe Gottes kam es zu dieser Weite. Diese und viele andere liebenswerte Sehenswürdigkeiten gibt es an einem der letzten Wildflüsse Europas zu entdecken. Über 125 Kilometer führt der Lechweg von der Quelle am Formarinsee bis zum Lechfall in Füssen. Klingt lang? Ist es auch. Aber durch den Höhenunterschied von knapp 1000 Metern bergab und die einfachen, aussichtsreichen Wanderwege ist der Lechweg in sieben Tagen gut machbar. Um die abwechslungsreichen Angebote am Wegesrand entspannt erleben zu können, empfiehlt es sich, ein bis zwei Puffertage miteinzuplanen. Und wer nicht so viel Zeit hat, kann den Lechweg auch aufteilen und in zwei Reiseaufenthalten in Angriff nehmen.

Saisonbeginn: Die verkürzte Frühjahrsvariante von Warth/Steeg bis Füssen ist ab Mitte Mai begehbar, der komplette Lechweg dann ab 22. Juni bis Mitte Oktober.
Weitere Informationen gibt es unter www.lechweg.com sowie beim Verein Lechweg unter Tel.+43-5672-62336-20.

 

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