Wandern mit Kinderwagen zu Geisterdörfern!

Wandern mit Kinderwagen kann auch völlig außergewöhnliche Ziele haben. Ein Geisterdorf ist alles andere als alltäglich. Wir haben zwei verlassene Dörfer gefunden zu denen sich eine Tour mit dem Kinderwagen lohnt. 

„Oh mei!“ erklärt ein Einheimischer „Ohne Strom und Wasserleitung do habm de koar Freid ghabt und sann olle wegazogn!“ So lässt sich in einem Satz erklären warum im Bayerischen Wald das Dorf Leopoldsreut ausgestorben ist. Mit dem Handporsche geht die Tour am Parkplatz beim Forstamt Bischofsreut los. Folgt dem Wanderweg mit der Numme 7 auf dieser Tour im Bayerischen Wald. Zuerst rollt Ihr auf einer kleinen Straße dahin, die später sandig ist. Verlaufen ist bei dieser Tour kaum möglich. Immer geht es auf dem Hinweg bergauf und Ihr folgt den Wegweisern nach Leopoldsreut und zum Haidel. Leider ist es kaum möglich mit dem Kinderwagen zu diesem wunderbaren Aussichtsgipfel mit seinem Turm zu wandenr. Zu sehen sind im ehemaligen Leopoldsreut nur noch die Kirche und die Schule. Alle anderen 33 Gebäude sind abgerissen und von manchen ist noch der Keller da. Die Schule ist lange Zeit die höchst Gelegendste in Deutschland gewesen. Weil die wirtschaftliche Lage für die Bewohner schwer gewesen ist, eine Strom- und Wasserleitung fehlte, zogen die 150 Dörfler für immer aus Leopoldsreut weg. Auf den Infotafeln seht Ihr alte Fotografien vom ehemaligen Dorf. Nun können sich die Kinder und Eltern mehr darunter vorstellen. Auf dem gleichen Weg wie Ihr nach Leopoldsreut gewandert seid, kommt Ihr auch wieder zum Parkplatz beim Forstamt zurück. Hier zeigt sich, wie sinnvoll eine Bremse am Kinderwagen sein kann.

Wandern mit Kinderwagen: Ins zerschossene Gruorn

Heute ist die Gegend um Münsingen auf der Schwäbischen Alb ein von der UNESCO anerkanntes Biosphärengebiet. Dort liegt auch das Geisterdorf Gruorn, von dem noch die alte Kirche und das Schulhaus stehen. Seit 1895 befand sich in Münsingen ein Truppenübungsplatz. Der Boden ist noch heute voll von gefährlichen Hinterlassenschaften: Ungefähr 500.000 Blindgänger, so schätzen Experten, liegen im Boden vom ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen. Deshalb weisen immer wieder Schilder eindringlich darauf hin, auf den Wege zu bleiben. Die Kinderwagentour nach Gruorn beginnt am Parkplatz Trailfinger Säge. Folgt dem Weg Nummer fünf. Er ist mit einer gelben Raute markiert. Auch mit weniger geländegängigen Kinderwagen kommt Ihr hier gut vorwärts, denn der Weg ist asphaltiert. Moderat steigt der Weg an, bis das Geisterdorf Gruorn erreicht ist. Kurz bevor Ihr das Ziel erreicht habt, geht es steiler bergauf. Von dem Ort selbst sind noch die Stephanuskirche sowie die ehemalige Schule erhalten. Der Rest fiel dem Militär zum Opfer. Vom 1.03.1937 bis 28.02.193 mussten über 600 Bewohner ihr Dorf verlassen. Zwangsweise. Vier Gasthäuser standen einmal in Gruorn: „Faß“, „Rössle“, „Lamm“ und „Hirsch“. Heute gibt es in der Wandersaison an Sonn- und Feiertagen von 11- 18 Uhr deftige schwäbische Spezialitäten und hausgemachte Kuchen im ehemaligen Schulhaus. Das Komitee Gruorn engagiert sich und versucht mit den liebevoll zubereiteten Speisen Geld für den Erhalt der alten Stephanuskirche zu sammeln. Wer möchte kann in der Heimatstube Platz nehmen oder sich auf die Ruhebänke im ehemaligen Dorf setzen. Die schönsten Stellen um einen ofenfrischen Kuchen oder Käse aus der Region zu essen, ist unter den alten Obstbäumen. Dieses verlassene Dorf ist ein gutes Beispiel für den Gemeinsinn der Älbler. Vom Mai 1971 bis Juni 1973 bauten die Gruorner ihre alte Dorfkirche wieder auf. Im Schatten der Obstbäume lohnt es sich ein wenig nachzudenken, über Sinn und Unsinn von Kriegen sowie dem Militär. 2006 endete die Zeit vom Truppenübungsplatz. Seitdem erobert sich die Natur ihren Platz wieder zurück und die Gruorner kümmern sich weiterhin um ihr Dorf. Auf demselben Weg geht es zurück zum Parkplatz Trailfinger Säge

Höhenmeter: 90 m

Wegstrecke: 3,6 Kilometer

Ausgangs-Endpunkt: Wanderparkplatz Trailfinger Säge

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