Christian Danner: „Oftmals herrscht Unsicherheit oder Unwissenheit bei Eltern über die Kindersitznormen“

Christian Danner ist ein anerkannter Motorsport-Experte. Von 1977 bis 1997 fuhr Danner aktiv Autorennen, davon 36 Starts bei der Formel eins und drei mal beim legendären 24 Stunden Rennen von Le Mans. Im Fernsehen ist Danner regelmäßig als Experte für Motorsport zu sehen und engagiert sich für die Aktion „Kleine Helden leben sicher“. Dieser Initiative geht es um die Sicherheit der Kinder im Alltag. Wir haben mit Christian Danner darüber gesprochen.

Kinderoutdoor.de Sie sind mit 19 im damaligen Renault Cup 5 angetreten. Wie begeistert war Ihr Vater von der Rennkarriere des Sohnes, schließlich ist er ein bedeutender Unfallforscher gewesen?

Christian Danner: Begeistert von der Idee, eine Karriere im Rennsport anzugehen, war mein Vater nicht. Er hat mich in meinem Streben danach nicht groß unterstützt, da er als Unfallforscher dem Thema natürlich kritisch gegenüber stand. Er hatte als Ingenieur und Professor an der Universität eine sehr analytische und wissenschaftliche Herangehensweise an das Thema. Ich bin meinen Weg jedoch treu geblieben und habe von ihm gelernt, das Risiko eines Unfalls so gut es geht durch das richtige Sicherheitsdenken zu managen.

Kinderoutdoor.de Wie entstand Ihre Leidenschaft zum Motorsport?

 Christian Danner: Mich hat Motorsport von Anfang an fasziniert. Und wenn man erst einmal damit begonnen hat, dann lässt es einen nicht mehr los. Ich war immer Rennfahrer aus Leidenschaft. Eine Karriere als Rennfahrer kann man auch nur anstreben, wenn man wirklich dahinter steht. Ich wusste, was ich will und habe daher konsequent diesen Weg eingeschlagen.

Kinderoutdoor.de Warum sind vor allem Jungen und Väter vom Motorsport so fasziniert?

 Christian Danner: Männer sind meistens doch recht technikaffin. Sie interessieren sich für Autos und was sie leisten können. Das beginnt bereits mit der Carrera-Bahn und den Spielzeugautos in der Kindheit. Außerdem besteht oftmals eine Faszination für Geschwindigkeit und das Thema Sport im Allgemeinen. Motorsport verbindet diese beiden Themen miteinander. Ich denke, es ist einfach spannend und aufregend, Formel 1 Rennen zu schauen. Ähnlich wie beim Fußball kann man dafür eine Leidenschaft für entwickeln.

 Kinderoutdoor.de Manche Buben und Väter bewundern die deutschen Formel 1 Piloten wie Sebastian Vettel oder Nico Rosberg. Sind das gute Vorbilder, wenn es um Sicherheit im Straßenverkehr geht?

 Christian Danner: Sebastian Vettel sowie Nico Rosberg befassen sich beide durch ihren Beruf als Formel 1 Fahrer mit dem Thema Sicherheit in ihrer täglichen Arbeit. Risikomanagement ist ein Teil ihres Lebens, damit sie sicher ankommen. Viele unterschätzen diesen Aspekt in der Formel 1 und sehen nur die Schnelligkeit. Ich sehe beide als gute Vorbilder, da sie ganz genau wissen, was in welchen Situationen gefährlich werden könnte und wie man der Gefahr vorbeugen oder richtig begegnen kann.

Kinderoutdoor.de Ihr Vater galt als einer der engagiertesten Befürworter für die Gurtpflicht. Erst 1976, es ist kaum zu glauben, führte man in der Bundesrepublik die Gurtpflicht ein. Dazu gab es die Kampagne „Klick – erst gurten, dann starten“. Warum lehnten damals viele Autofahrer in Deutschland den rettenden Sicherheitsgurt ab?

Christian Danner: Oftmals steht man Dingen skeptisch gegenüber, die man nicht kennt. Bis man sich an sie gewöhnt hat und sie ein Teil des eigenen Alltags geworden sind. Ich denke, so war das auch mit der Gurtpflicht. Man fühlte sich in seiner Freiheit eingeschränkt und hat sich wenig Gedanken um den Sicherheitsaspekt gemacht. Ganz oft ist es doch so, dass man davon ausgeht, schlimme Dinge wie Unfälle passieren immer anderen, aber nicht mir oder meinem Umfeld. Und dieses Bewusstsein für Sicherheit zu stärken, war damals ein ganz wichtiger Aspekt und ist es auch noch heute, wenn es um Sicherheit im Straßenverkehr geht.

"Oftmals steht man Dingen skeptisch gegenüber, die man nicht kennt. Bis man sich an sie gewöhnt hat und sie ein Teil des eigenen Alltags geworden sind," meint der Motorsportexperte und ehemalige Rennfahrer Christian Danner. Foto (c) kleine helden leben sicher. de

„Oftmals steht man Dingen skeptisch gegenüber, die man nicht kennt. Bis man sich an sie gewöhnt hat und sie ein Teil des eigenen Alltags geworden sind,“ meint der Motorsportexperte und ehemalige Rennfahrer Christian Danner. Foto (c) kleine helden leben sicher. de

 Kinderoutdoor.de Mittlerweile ist der Sicherheitsgurt selbstverständlich wie Zähneputzen. Was die Sicherung der Kinder im Auto angeht, da sind manche Eltern etwas nachlässig. Wie können Sie sich das erklären?

 Christian Danner: Zum einen liegt das sicher daran, dass Eltern oftmals unter Zeitdruck stehen und es schnell gehen muss. Und man unterschätzt die tatsächliche Gefahr – „Ich fahr nur schnell zum Bäcker um die Ecke, da passiert schon nichts“ – so denken viele. Aber gerade Kinder können aktiv zu ihrer eigenen Sicherheit im Auto wenig beitragen. Deswegen ist es ganz entscheidend, dass Eltern das Thema Sicherheit wahrnehmen und sich der Risiken bewusst werden. Wenn ich glaube, mir passiert sowieso nichts, agiere ich auch nicht entsprechend. Man ist es seinen Kindern schuldig, sich die möglichen Gefahrensituationen bewusst zu machen und sollte dementsprechend präventiv agieren.

Kinderoutdoor.de Ein Problem sind vielleicht auch die unübersichtlichen Normen für Kindersicherheitssysteme. Was könnte die EU oder der deutsche Gesetzgeber tun, damit hier Klarheit herrscht?

Christian Danner: Eltern aufklären. Oftmals herrscht Unsicherheit oder Unwissenheit bei Eltern über die Kindersitznormen. Wenn man mal genauer hinschaut, ist es aber gar nicht so schwer, die Unterschiede zu verstehen. Das ist auch einer der Gründe, warum ich die Initiative „Kleine Helden leben sicher“ unterstütze: Sie klärt Eltern über grundlegende Themen wie beispielsweise Kindersitznormen auf.

Ein Mann klärt auf. Christian Danner über den richtigen Autokindersitz: "Oftmals herrscht Unsicherheit oder Unwissenheit bei Eltern über die Kindersitznormen. Wenn man mal genauer hinschaut, ist es aber gar nicht so schwer, die Unterschiede zu verstehen. Das ist auch einer der Gründe, warum ich die Initiative „Kleine Helden leben sicher“ unterstütze: Sie klärt Eltern über grundlegende Themen wie beispielsweise Kindersitznormen auf." Foto (c) kleine helden leben sicher.de

Ein Mann klärt auf. Christian Danner über den richtigen Autokindersitz: „Oftmals herrscht Unsicherheit oder Unwissenheit bei Eltern über die Kindersitznormen. Wenn man mal genauer hinschaut, ist es aber gar nicht so schwer, die Unterschiede zu verstehen. Das ist auch einer der Gründe, warum ich die Initiative „Kleine Helden leben sicher“ unterstütze: Sie klärt Eltern über grundlegende Themen wie beispielsweise Kindersitznormen auf.“
Foto (c) kleine helden leben sicher.de

Kinderoutdoor.de Bald starten wieder viele Familien in den Winterurlaub ins benachbarte Ausland. Dort gelten oft andere Regeln, was die Sicherung der Kinder im Auto angeht. Was ist zu beachten, und wo können sich Eltern darüber informieren?

 Christian Danner. Im europäischen Ausland müssen Kindersitze nach der ECE R44 /04 oder 03 Norm zugelassen sein. Kindersitze, die in Europa auf dem Markt erhältlich sind, sind mit dieser Norm beschriftet. Wenn man allerdings in die USA, nach Kanada oder Neuseeland verreist, muss man genauer hinschauen. Hier sind Kindersitze nach anderen Normen genehmigt. Beispielsweise sind in der USA Kindersitze nach den Vorgaben der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) zugelassen. Auch dürfen bestimmte Systeme in anderen Ländern nicht verkauft werden. Beispielsweise sind Fangkörpersysteme in einigen Ländern wie in Australien oder Kanada nicht zugelassen. Meistens findet man länderspezifische Informationen bei den nationalen Automobilclubs.

Kinderoutdoor.de Oft sparen Eltern an neuen Kindersitzen und kaufen gebrauchte Modelle. Ist das sinnvoll oder entstehen dadurch möglicherweise Gefahren für die Kinder?

Christian Danner: Grundsätzlich möchte ich Eltern davon abraten, gebrauchte Sitze zu verwenden, da sie oft nicht mehr den neuesten Sicherheitsbestimmungen entsprechen. Zudem ist die Historie des Sitzes häufig nicht bekannt. Man kann zum Beispiel nicht immer herausfinden, ob der Sitz schon einen Unfall hinter sich hat. Außerdem werden Kindersitze stetig weiterentwickelt, und viele alte Sitze würden zum Beispiel bei aktuellen Sicherheitstests durchfallen, auch wenn sie vor einigen Jahren für den Verkauf zugelassen worden sind. Diesen stetigen Fortschritt sollte man nicht außer Acht lassen, denn in den letzten Jahren ist viel passiert im Bereich Sicherheit.

Christian Danner, Motorsportexperte und ehemaliger Rennfahrer:"Grundsätzlich möchte ich Eltern davon abraten, gebrauchte Sitze zu verwenden, da sie oft nicht mehr den neuesten Sicherheitsbestimmungen entsprechen. Zudem ist die Historie des Sitzes häufig nicht bekannt" Foto (c) kleine Helden leben sicher

Christian Danner, Motorsportexperte und ehemaliger Rennfahrer:“Grundsätzlich möchte ich Eltern davon abraten, gebrauchte Sitze zu verwenden, da sie oft nicht mehr den neuesten Sicherheitsbestimmungen entsprechen. Zudem ist die Historie des Sitzes häufig nicht bekannt“
Foto (c) kleine Helden leben sicher

 Kinderoutdoor.de Worauf sollen Eltern achten, wenn sie einen neuen Kindersitz kaufen?

Christian Danner: Das Wichtigste ist, dass der Sitz nach der Norm ECE R44/04 oder 03 zugelassen ist. Sitze, die einer älteren Norm entsprechen, sind nicht mehr gültig. Empfehlenswert sind außerdem Sitze, die mit ISOFIX befestigt werden können. ISOFIX erleichtert die Installation des Sitzes im Auto und minimiert dadurch Installationsfehler. Ich empfehle auch, Kinder so lange wie möglich rückwärtsgerichtet zu transportieren. Wenn es um die Frage nach dem nächstgrößeren Sitz nach der Babyschale geht, befürworte ich ein Fünf-Punkt-Gurtsystem. In der Formel 1 werden Rennfahrer mit sechs Gurten gesichert, und daher sehe ich aus meiner Erfahrung Gurtsysteme als die sicherste Option an. Bei Fangkörpersystemen bezweifle ich, dass sie ein Kind in jeder möglichen Unfallsituation, zum Beispiel im Überschlag oder in manchen versetzten Frontalzusammenstößen, sicher im Sitz halten. Und nicht zuletzt gilt: Vor jeder Fahrt mit den Kleinen genau prüfen, ob die Gurte fest genug am Brustkorb anliegen.

Kinderoutdoor. de Viele Unfälle auf der Autobahn entstehen dadurch, dass der Fahrer abgelenkt wurde. Bei einer langen Autofahrt ist den Kindern schnell langweilig, und es wird laut auf den hinteren Plätzen. Das lenkt die Mutter oder den Vater am Steuer ab. Was raten Sie den Eltern bei längeren Fahrten mit dem Auto? Worauf sollen sie achten und wie lassen sich die Kinder im Auto beschäftigen?

Christian Danner: Immer mal wieder Pausen einlegen. Das ist für Eltern und das Kind gut. Kinder können sich etwas austoben und die Beine vertreten, und Eltern können sich entspannen, um die Fahrt dann konzentrierter fortzusetzen. Außerdem sollte man genügend Spielsachen für die Kinder einpacken, genauso wie Trinken und Essen. Damit kann man sie dann während der Fahrt etwas beschäftigen.

Kinderoutdoor.de Zum Schluss noch die Frage, welche wir jedem unserer Interviewpartner stellen. Wo sollten Outdoor Familien unbedingt einmal gewesen sein? Was ist Ihr ultimativer Outdoor-Tipp?

Christian Danner: Mein ultimativer Outdoor-Tipp ist ein Spaziergang mit den Kindern über die Schynige Platte in der Schweiz. Bei fast 2.000 Höhenmetern hat man einen unfassbaren Ausblick. Wenn dann noch die Sonne scheint, ist es einfach ein perfekter Ausflug für Eltern und Kinder.

Vielen Dank Herr Danner für das Gespräch und Ihre Tipps!

 

 

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