Heimweh: Was hilft?

Heimweh trifft nur Kinder. Falsch. Auch Erwachsene bekommen Heimweh, nur sie geben es nicht zu. Doch was ist zu tun wenn Kinder im Urlaub oder dem Zeltlager plötzlich Heimweh bekommen? Wir stellen Euch mögliche Lösungen gegen Heimweh vor.

Heimweh startet bei mir sofort einen Film im Kopf. Vor „einigen“ Jahren bin ich als gerade mal 18jähriger Pfadfinderleiter mit meiner Wölflingsgruppe (das sind die ganz Kleinen) zum ersten Mal auf eine Hütte geradelt. An diesem Tag ging alles schief was schief gehen konnte: Diverse Fahrraddefekte, Wasserfallartige Regengüsse, aufgeweichte Wege und Heimweh. In der Hütte angekommen kochte ich für die Jungs was zu essen und alle sind froh gewesen endlich ins Bett zu kommen. Ich freute mich auf ein gutes Buch und kaum saß ich, kamen zwei Wölflinge angelaufen“ Der Tobias (Name geändert) hat Heimweh!“ Sche..e! Genau das ist für mich als junger Leiter der befürchtete  Albtraum gewesen. Ich ging zu Tobias ins Zimmer. Er saß auf der Bettkante und weinte was das Zeug hielt. Immer wieder murmelte er „Ich will nachhause!“ Teilweise bekam er schlecht Luft, so steigerte er sich in das Heimweh hinein. Was tun? Mitten im Outback kein Auto und es ist Nacht. Da fiel mir ein, dass mir seine Eltern einen Zettel mit zwei Telefonnummern gegeben hatten. Ein Handy gab es damals noch nicht und zum Glück hatte die Hütte ein Telefon. Ich rief die erste Nummer an, die seiner Eltern. Gut zwei Minuten ließ ich es läuten. Nichts. Da überlegte ich. Sollte ich Tobias anschwindeln? Ich ging zu ihm und sagte, dass ich niemanden erreichen konnte. Beim zweiten Mal rief ich bei seinen Großeltern an. Auch hier ließ ich es wieder lange klingeln und niemand ging ran. Nochmals versuchte ich es bei seinen Eltern. Wie sich später herausstellte sind diese mit den Großeltern auswärts essen gewesen. Was tun? Kein Auto und ein Kind das ganz furchtbar Heimweh hatte. Wieder ging ich zu Tobias und sagte ihm die Wahrheit. Seine Reaktion: „Gut dann schlafe ich eben hier!“ schlüpfte in seinen Schlafsack und meldete sich die ganze Nachtt nicht mehr. Leider habe ich bei anderen Zeltlagern oder Hütten auch erlebt, dass Heimweh bei Kindern weniger glimpflich ausgeht. Da kamen dann spät des nachts die Eltern angefahren.

Heimweh ist eine fiese Sache. Wir sagen Euch was helfen kann.  foto (c) Kinderoutdoor.de

Heimweh ist eine fiese Sache. Wir sagen Euch was helfen kann.
foto (c) Kinderoutdoor.de

Heimweh was ist das?

Heimweh ist völlig unabhängig vom Alter. Egal ob Grundschüler, Abiturient oder Familienvater: Heimweh können  alle bekommen. Doch was ist eigentlich Heimweh? Zum Glück gibt es Mediziner und die haben für alles ein Fachausdruck: Morbus Helveticus. Zu deutsch Schweizer Krankheit. Bereits 1688 hat der Arzt Johannes Hofer die Symptome von Heimweh beschrieben. Weil der Medicus in Basel lebte nannte man Heimweh die Schweizer Krankheit. Doch das hilft Euch als Eltern oder Gruppenleiter wenig weiter wenn Ihr ein Kind habt, dass von Heimweh geplagt ist. Alle die von Heimweh betroffen sind wollen nur das eine: Nachhause! Die fremde Umgebung, die vielen Eindrücke und die fehlende Sicherheit lösen diese Heimweh Attacken aus. Vor allem Kinder können die neuen Eindrücke nicht entsprechend „filtern“. Heimweh ist nicht nur auf Urlaub und verreisen beschränkt auch nach einem Umzug gibt es Heimweh: Nach der alten Wohnung, dem früheren Kindergarten/Schule und den alten Freunden. Erwachsene schaffen es, meistens, schneller sich mit dem Neuen zu arrangieren und es attraktiv sowie interessant zu finden.

Vorbeugen gegen Heimweh

Am besten bekommt Ihr Heimweh in den Griff, wenn Ihr vor der Reise das Kind auf die Zeit ohne Eltern einstimmt. Weniger hilfreich sind Sätze wie „Da ist die/der Mama/Papa aber traurig, wenn Du sooooo weit weg bist!“ Das Kind bekommt dadurch ein schlechtes Gewissen. Erzählt dem Kind wie toll es dort ist und welche schöne Erlebnisse warten.

  • Eine Nacht bei den Großeltern oder guten Freunden übernachten lassen, die in der Nähe wohnen
  • In den  Schlafsack der auch beim Zeltlager dabei ist, das Kind zuhause schlafen lassen
  • Lieblingskuscheltier einpacken. Der Bär, Stoffhase oder die Puppe wirken wahre Wunder. Sie sind Tag UND Nacht für die Kinder da.

Das sind alles Möglichkeiten, Heimweh vorzubeugen.

Wenn Heimweh akut ist

Das fiese an Heimweh ist, dass es meistens plötzlich da ist. Eben noch hat das Kind gescherzt und toll gespiel um in der nächsten Sekunde furchtbar vom Heimweh geplagt zu sein. Am wenigsten bringen Parolen wie „Jetzt reiß Dich mal zusammen!“ oder „Lass die blöde Heulerei!“ Wichtig ist, auf das Kind einzugehen. Ihm zuzuhören. Ungefähr so wie die beiden Sozpäds, welche sich in der Stadt trafen. Da fragte der eine den anderen „Weißt Du wie spät es ist?“ „Nö aber super, dass wir darüber gesprochen haben!“ Holt das Kind behutsam aus dem „dunklen“ emotionalen Loch Heimweh.

Akut Maßnahmen gegen Heimweh

  • Mit Vorlesen oder einem Spiel ablenken
  • Die tollen Erlebnisse des Tages malen oder aufschreiben
  • Sich erzählen lassen was dem Kind heute am besten gefallen hat
  • Eine Telefonat mit den Eltern
  • Kuscheltier

 

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