Sonnenschutz für die Outdoor Kids:" Keine Experimente!"

Sonnenschutz ist ein großes Thema. Wer viel mit den Kindern draussen unterwegs ist, muss die Kleinen mit einem Sonnenschutz gegen die UV-Strahlen schützen. Doch wie? Sonnencreme ist bei Kindern so beliebt, wie bei manchen Erwachsenen das Ausfüllen vom Formular für die Steuererklärung. Auch hält mancher Sonnenschutz nicht, was er verspricht. Was ist zu tun? Wir haben einen Experten gefragt: Daniel Rintelmann ist der Gründer von mawaii. Diese Marke stellt Sonnencremes her und Daniel Rintelmann gab uns einige überraschende Antworten was den Sonnenschutz von Kindern angeht. Wenn Ihr wissen wollt, wie Ihr einen Sonnenbrand vermeiden könnt, dann lest sein Interview!

Kinderoutdoor.de Auf der Schulnotenskala von eins bis sechs. Wie beliebt sind Sonnenschutzmittel bei Kindern?

Daniel Rintelmann, mawaii: Aus eigener Erfahrung eher unbeliebt, so bei 5-6.

Warum ist das so?

Das liegt vor allem an der sehr zähen Konsistenz der meisten Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor, also LSF 30 und 50. Oft ziehen die Cremes nicht richtig ein, sie kleben und schmieren. Kurz gesagt: sie nerven. Schon mal am Strand gespielt und ausgesehen wie ein paniertes Schnitzel?

Wieso brauchen Kinder einen besonderen Sonnenschutz? Die sollen die Sonnencreme von Mama und Papa nehmen! 

Bei Kindern bis zu einem Alter von ca. 3 Jahren ist der hauteigene UV-Schutz noch nicht ausgebildet, und die Haut ist wesentlich empfindlicher. Andere Pflegestoffe und ein hoher bis sehr hoher LSF (30-50) sind deshalb notwendig. Allerdings sollten Kinder generell erst ab einem Jahr eingecremt werden, da die Haut bis dahin sehr dünn und durchlässig ist. Daher ist es wichtig, dass die ganz Kleinen in jedem Fall UV-Schutzbekleidung tragen und sich so viel wie möglich im Schatten aufhalten.

Aber: Wenn nur Mamas und Papas Sonnencreme zur Hand ist, auf jeden Fall diese verwenden. Das ist immer noch besser, als gar keinen Schutz gegen die Sonne zu haben.

"Schon mal am Strand gespielt und ausgesehen wie ein paniertes Schnitzel?" Der Gründer von mawaii, Daniel Rintelmann, über den größten Nachteil von manchem Sonnenschutz. foto (c) mawaii

„Schon mal am Strand gespielt und ausgesehen wie ein paniertes Schnitzel?“ Der Gründer von mawaii, Daniel Rintelmann, über den größten Nachteil von manchem Sonnenschutz.
foto (c) mawaii

Was ist eigentlich ein Sonnenbrand und was bietet sich als erste Maßnahme an?

Unter Sonnenbrand versteht man die Verbrennung der Haut (1.-2. Grad) durch zu viel UVB-Strahlung. Die Folgen sind Hitzegefühl, Juckreiz, Schmerzen, gelegentlich auch Blasenbildung oder Ödeme an den bestrahlten Stellen. Ihr Maximum erreichen die Symptome nach 12-24 Stunden, innerhalb von drei bis sieben Tagen bilden sie sich dann zurück, die Haut schuppt sich. Bei großflächigem Sonnenbrand können zudem auch Fieber, Schwäche und Kopfschmerzen auftreten.

Grundsätzlich sollte man unbedingt schon im Vorfeld darauf achten, seine Kinder optimal zu schützen, da Sonnenbrand im Kindesalter als wichtigster Risikofaktor für den schwarzen Hautkrebs gilt. Falls doch mal ein Sonnenbrand auftritt, sollte man diesen mit einem After Sun Produkt behandeln oder feuchtkalte Umschläge auflegen. In schweren Fällen sollte ein Arzt hinzugezogen werden.

Auf vielen Sonnenschutzmitteln steht, dass sie auch vor UVB und UVA Strahlen schützen. Was hat es damit auf sich?

Generell verursachen UVB-Strahlen einen Sonnenbrand, während die UVA-Strahlen für die Zellveränderung in den tieferen Hautschichten verantwortlich sind. Bei europäischen Produkten muss das Verhältnis UVA zu UVB 1:3 betragen. Aber Achtung: Beispielsweise beim australischen Standard ist meist nur ein geringer UVA-Schutz enthalten, das heißt, diese Cremes schützen zwar vor einem Sonnenbrand, nicht aber vor einer Zellveränderung.

Eltern sollten auf die beiden Kreise (UVB und UVA) achten. Hierbei handelt es sich um normierte Zeichen, die nur jene Hersteller auf ihren Produkten anbringen dürfen, die auch die strengen europäischen Richtlinien einhalten. So findet man z.B. im angloamerikanischen Raum manchmal Sonnencremes mit einem Lichtschutzfaktor jenseits von LSF (bzw. SPF) 80. Das ist aus meiner Sicht Quatsch und vermittelt ein falsches und gefährliches Sicherheitsgefühl

Gibt es eine Faustregel, wie lange Kinder gut eingecremt mit Sonnenschutzmittel in der Sonne sein dürfen?

Gänzlich ohne Sonnenschutz haben Kinder ab 3 Jahren einen Eigenschutz von ca. 10-30 Minuten – in Deutschland im Sommer zur Mittagszeit. Mit LSF 30 kann man diese Zeit verlängern. Aber die allgemein verbreitete Faustregel, dass sich der Schutz um den Faktor des angegebenen Lichtschutzes verlängert (bei LSF 30 also um das Dreißigfache) ist aus meiner Sicht gefährlich! Jeder Mensch reagiert anders auf UV-Strahlung, unter anderem Hauttyp, Tageszeit oder Ort sind hierbei entscheidende Einflussfaktoren. Gerade auch am Anfang der Sommersaison, wenn die Haut noch nicht vorgebräunt ist, sollte die Haut dem Sonnenlicht deutlich kürzer ausgesetzt sein.

Bei den verschiedenen Lichtschutzfaktoren kennen sich auch nur wenige Eltern aus. Ich nehme am besten das Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 50 und bin fein raus! Stimmt das?

Im Prinzip ist das richtig. Der Lichtschutzfaktor sollte tendenziell eher zu hoch als zu niedrig gewählt werden. Allerdings sind UV-Filter in zu großen Mengen nicht optimal für die Haut und die Umwelt. Der LSF sollte somit vor allem nach Empfindlichkeit, Aktivitäten und Sonnzeit ausgesucht werden.

"Der LSF sollte somit vor allem nach Empfindlichkeit, Aktivitäten und Sonnzeit ausgesucht werden," meint der Sonnenschutz Experte Daniel Rintelmann.  foto (c) Kinderoutdoor.de

„Der LSF sollte somit vor allem nach Empfindlichkeit, Aktivitäten und Sonnzeit ausgesucht werden,“ meint der Sonnenschutz Experte Daniel Rintelmann.
foto (c) Kinderoutdoor.de

Wie finden Eltern den richtigen Lichtschutzfaktor für die Kinder? Gibt es dafür eine Formel?

Eine allgemeingültige Formel gibt es nicht. Bei Kindern mit heller, sonnenempfindlicher Haut empfehlen wir LSF 50, aber auch bei nicht so empfindlichen Kids raten wir mindestens zu LSF 30. Grundsätzlich sollten sowohl Kinder als auch Erwachsene die Mittagssonne zwischen 12:00 und 15:00 Uhr meiden – was natürlich in der Praxis, insbesondere im Urlaub, nicht so einfach umzusetzen ist. Dann sollte man aber zumindest zu einem sehr hohen Lichtschutzfaktor greifen.

Was ist dran, dass blonde oder rothaarige Kinder schneller einen Sonnenbrand bekommen, als dunkelhaarige Kids?

Kinder mit roten oder blonden Haaren haben in der Tendenz eine hellere, empfindlichere Haut als dunkelhaarige Kids. Allerdings sollte man sich nicht täuschen lassen: Auch ein dunkelhaariges Kind kann sehr empfindlich auf Sonnen reagieren.Wenn ich nicht weiß, zu welchem Hauttyp mein Kind gehört, lieber einen hohen Lichtschutzfaktor anwenden. Im Zweifel kann man immer auch den Kinderarzt hinzuziehen.

 Sprayen oder cremen? Was ist besser?

Unterm Strich ist das für den Menschen eine Geschmackssache und eine Frage der Verträglichkeit. Die meisten Sprays sind auf Alkoholbasis und deshalb nicht so verträglich. Außerdem sprüht man, gerade, wenn es draußen windig ist, sehr viel in die Natur und belastet so zusätzlich und unnötig die Umwelt. Und: Sprays können leicht in die Augen, die Nase oder den Mund geraten. Kinder bevorzugen jedoch oft Sprays, da eben nicht gecremt werden muss. Eine gute Alternative sind Cremes, die schnell einziehen und nicht so pastös (zäh) sind.

Kinderhaut ist ja besonders empfindlich. Wie reagiert sie manchmal auf Parfümstoffe, Emulgatoren, Farb- und Konservierungsstoffe die in manchen Sonnenschutzmitteln enthalten sind?

Die Kinderhaut kann gereizt reagieren mit Rötungen, trockener Haut bis hin zu allergischen Reaktionen als Folge. Dennoch kann ein Duftstoff  die Kinder motivieren, sich einzucremen bzw. eincremen zu lassen.

Was soll ich tun, wenn mein Kind im Urlaub allergisch auf das Sonnenschutzmittel reagiert? Den ganzen Tag im Keller sitzen und RTL gucken?

Es ist immer sinnvoll, einen Sonnenschutz im Vorfeld auszuprobieren und keine Experimente mit unbekannten Produkten zu machen – insbesondere, wenn es bereits bekannte Überempfindlichkeiten auf bestimmte Inhaltsstoffe gibt. Falls doch eine Reaktion auftritt, gibt es Sonnencremes, die besonders verträglich sind. Hierzu kann man sich beispielsweise in Apotheken informieren.Neben der Verwendung von Sonnenschutzmitteln empfehlen wir bei Kindern außerdem immer das Tragen geeigneter UV-Schutzbekleidung. Es gibt mittlerweile eine große Auswahl dieser schnell trocknenden Kleidungsstücke, und die Schutzwirkung ist hervorragend. Wichtig ist hierbei, auf den in Deutschland üblichen UV-Schutzstandard 801zu achten. Für diese Klassifizierung wird der UV-Schutz auch bei nasser und gedehnter Kleidung geprüft. Dies ist gerade beim australisch-neuseeländischem Standard nicht der Fall.

Warum sollen Eltern die Kinder nach dem Baden wieder mit Sonnenschutzmittel behandeln? Bei vielen steht doch wasserfest auf der Verpackung!

Das Prädikat „wasserfest“ darf jeder Hersteller auf sein Produkt schreiben, wenn nach zwei Mal 20 Minuten Baden noch die Hälfte des UV-Schutzes gegeben ist. Es sind darüber hinaus Produkte mit „hoher Wasserfestigkeit“ erhältlich, welche den Sonnenschutz länger aufrechterhalten müssen. Aber eine hundertprozentige Wasserfestigkeit existiert nicht. Durch Abtrocknen mit dem Handtuch, aber auch durch Sand, Salzkristalle und andere abrasive Substanzen – also alles, was scheuert, schmiergelt oder anderweitig auf der Haut reibt – verringert sich die Schutzwirkung. Optimal geschützt ist daher nur, wer sich nach dem Baden erneut eincremt.

Übrigens: Die maximale Zeit, die man sich in der Sonne auch mit Sonnenschutz aufhalten kann (bevor es zu Schäden kommt), verlängert sich nicht durch wiederholtes Auftragen! Wenn man – u.a. abhängig vom Hauttyp – zum Beispiel mit LSF 30 ungefähr drei Stunden in der Sonne verweilen kann, verlängert sich diese Zeit auch dann nicht, wenn man nach den drei Stunden erneut Sonnencreme aufträgt

Das Gründerteam von mawaii sind alles Wassersportler und jetzt wird es spannend. In unserer letzten Frage wollen wir immer wissen, wo sollten Outdoor Familien unbedingt gewesen sein? Schickt Ihr sie auf´s Wasser?

Outdoor Familien sind häufig eh genau da, wo wir sie gerne sehen: draußen. Ob am Meer, in den Bergen oder im Flachland, ob im In- oder Ausland, das ist Nebensache. Hauptsache, die Ausrüstung stimmt und der richtige Sonnenschutz ist dabei.Klar gibt es tolle Ziele überall auf der Welt, und man kann so ziemlich alles auch mit Kindern erleben – wobei gerade ein Tag im Stadtpark zum größten Outdoor-Abenteuer für die Kleinen und Großen werden kann.

Persönlich bin ich ein großer Fan von Neuseeland, wo ich eine Zeit lang leben durfte. Der Flug ist allerdings sehr lang, und man sollte wenigstens 3-4 Wochen Zeit haben…

Vielen Dank für das Interview

 

 

 

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