Selbstversuch: Gore Tex Wanderstiefel selbst schustern

Wanderstiefel mit Gore Tex gibt es überall zu kaufen. Doch sich seine eigenen Wanderstiefel schustern, dazu haben nur die Wenigsten eine Chance. Bei der Gore Tex Experience Tour auf Mallorca durfte ich für einen Tag bei der Wanderstiefel Marke Bestard mich als Schuster probieren. Einen Tag später musste sich bei einer Wanderung zeigen, was die selbst geschusterten Bergstiefel aushalten.

Meine Wanderstiefel von Bestard haben Gesichter: Die von Toni I, Toni II, Isabel, Pakko und vielen mehr. Sie alle haben mir geholfen aus einem Puzzle von einzelteilen den Triton zusammen zu schustern. Bisher bin ich immer als unbeteiligter Journalist bei diversen Schuhherstellern dabei gewesen und habe mir die Produktionen angesehen. Doch dieses mal saß ich auf Mallorca bei Bestard selbst an der Maschine und fertigte meinen eigenen Wanderstiefel. In diesem Fall ist Wanderstiefel in der Einzahl zu sehen, denn ich fertigten einen Schuh mit großer Hilfe der Experten von Bestard und den anderen die Schuhmacher der spanischen Marke. Seit 1940 gibt es auf Mallorca das Familienunternehmen Bestard, doch dass aus ganz Europa glückliche Gewinner der Gore Tex Experience Tour und Journalisten kommen um hier ihre eigenen Wanderstiefel zu schustern ist einmalig. Zuerst erklärten uns die Fachleute von Gore Tex und Bestard wie ein Bergstiefel entsteht. Das hinterließ bei allen Schuster-Neulingen mächtig Eindruck.

Kein anonymer Bergstiefel

In der Produktionshalle ist es laut. Es riecht nach Klebstoff. Auf einem Tisch sind sämtliche Einzelteile vom Wanderstiefel Triton ausgebreitet. Es beeindruckt aus wie vielen Stücken Leder, Nieten, Schaumstoff und anderen hochwertigen Materialien nur ein einziger Schuh besteht. Zuerst gilt es aus einem Stück Leder die einzelnen Teile zu stanzen. Das ist einfacher als es aussieht, denn Leder ist ein Naturprodukt. Mit kritischem Blick betrachtet der Mann an der Stanze das Material vor ihm. Bestard verarbeitet Leder aus dem deutschsprachigen Alpenraum und entsprechend wertvoll ist es. Möglichst ohne viel Verschnitt stanzt der Bestard-Mitarbeiter die Einzelteile mit einer Hochdruckpresse heraus. Weiter wandere ich mit meinen Einzelteilen zu den Näherinnen. Sie fertigen die Gore Tex Bootie´s. Das sind die „Innenschuhe“ der Wanderstiefel. Hier muss jede Naht sitzen. Alleine schon die Nähmaschinen beeindrucken mich schwer. Mit dem Modell, wie sie bei mir zu hause steht, hat dieses Teil nicht zu tun. Doch die nächste schwere Hürde wartet bereits auf mich: Die Gore Tex Innenschuhe müssen wasserdicht sein. Im Moment sind sie es nicht, denn durch die Nähte könnte Wasser eintreten. Deshalb kommen Tapes darüber. Doch diese sind heiß und müssen entsprechend schnell auf die Nähte kommen. Auch hier helfen mir wunderbar die Expertinnen von Bestard. Der Schaft für meine Wanderstiefel ist nun komplett, doch nun wartet der aufwändigste Teil auf mich: Der Schaft und die Sohle müssen zusammen kommen!

Zwickt´s mi!

Was nun folgt nennen die Experten zwicken. Dazu durchläuft der zukünftige Bergstiefel unglaublich viele Arbeitsschritte. Immer wieder kommt Leim darauf oder der Schuh landet in einer furchteinflößenden Maschine. Abschneiden, wegschleifen, trocknen und vieles mehr. Doch zum Glück gibt es die vielen Experten bei Bestard die jeden noch so kleinen Fehler von mir korrigieren. Langsam nimmt der Bergstiefel seine endgültige Form an. Auch das knallig rote Leder gefällt mir extrem gut. Doch was mir am meisten gefällt: Ich habe es geschafft, mir mit Hilfe von Fachleuten einen eigenen Bergstiefel zu schustern. Was aber noch schöner ist, ich weiß wer meine Stiefel gefertigt hat. Ich kenne die Gesichter der Mitarbeiter von Bestard und konnte sehen wie sie arbeiten. Es ist kein anonymer Schuh aus dem Laden. Anprobieren, zahlen und mitnehmen. Diese Bergstiefel haben jetzt Gesichter und ich verbinde eine einzigartige Erfahrung damit. Vor allem auch, die Geduld mit denen mit die Schuster und Näherinnen bei Bestard geholfen haben. Die Gore Tex Experience Tour ist für mich ein große Erfahrung gewesen.

Foto: (c) Kinderoutdoor.de

Foto: (c) Kinderoutdoor.de

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