Olympiamedaillen Gewinner Peter Schlickenrieder: " Sport ist viel mehr als nur Bewegung!"

Kindersport ist in Industrienationen wie Deutschland wichtiger als je zuvor! Wichtig ist dabei der Spaß an der Bewegung. Die Kinder leiden immer früher unter Wohlstandskrankheiten und Übergewicht. Ein Grund ist der fehlende Kindersport. Viele Kinder sind trotzdem erfolgreiche Sportler und gewinnen Medaillen: An der Spielkonsole. 2002 gewann Peter Schlickenrieder im Langlauf-Sprint die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City. Nach seinem Rücktritt als Spitzenathlet blieb Schlickenrieder dem Sport treu und überquerte als Ski-Abenteurer mehrmals die Alpen oder fuhr mit dem Mountainbike im Kaukasus. Doch Schlickenrieder liegt auch der Breitensport und die Kinder am Herzen und so engagiert er sich ehrenamtlich als DSV -Vizepräsident sowie als Schirmherr der DSV-Schulsportkommission. Seine Aufgabe ist es, Kinder bundesweit für den Sport zu begeistern. Eine schwere Aufgabe, denn der Sport steht in Konkurrenz mit Computern, Fernsehen und Spielkonsolen. Kinderoutdoor.de sprach mit dem sympathischen Vater aus Oberbayern.

Kinderoutdoor.de Wie viel Stunden verbringen zwei bis Fünfjährige pro Woche vor dem Bildschirm?

 

Peter Schlickenrieder: Etwa  50% der Kinder sieht jeden Tag fern – durchschnittlich ca. 42 min pro Tag

 

(Studie: Basisuntersuchung zum Medienumgang von 2-5 Jähriger in Deutschland, „miniKIM 2012“)

 

 

Kinderoutdoor.de: Warum verbringen die Kinder so viel Zeit vor dem Fernseher, Computer oder Spielkonsole?

Peter Schlickenrieder: Gegenüber der Vergangenheit besteht ein großes mediales Angebot. Es fehlen oft Anreize für Bewegung und Spielräume. Auch die Lebensumstände und Zeitmangel der Eltern trägt dazu bei. Viele Eltern bringen beispielsweise den Nachwuchs lieber mit dem Auto zur Schule oder zu Freunden.  Um selber ausspannen zu können  setzen Eltern ihre Kinder oftmals vorm Fernseher oder Spielekonsolen, etc. Und Kinder haben bereits in der Grundschule wenig Zeit für Freizeit und Sport

 

 

Kinderoutdoor.de Die Folgen von Bewegungsmangel sind Altersdiabetes bei Kindern, Übergewicht, Probleme in der Bewegungskoordination. Trotzdem werden Sportstunden an Schulen gestrichen. Wie kann man, Deiner Meinung nach, den Kindern wieder mehr Freude am Sport geben?

Peter Schlickenrieder: Kinder verfügen besonders im Vorschulalter über einen natürlichen Bewegungsdrang. Deshalb ist es wichtig,  Kinder bereits früh zu fördern und zu Spaß an der Bewegung heranzuführen.  Denn wenn sie immer wieder darin ausgebremst werden, dann verschwindet dieser Drang auch wieder.Herumtoben,  Rennen, Hüpfen, Springen, Klettern, etc.  muss  Spaß, Action und  Abwechslung bieten.  Kinder sollten zudem durch viel Lob motiviert werden. In erster Linie geht es um Spaß mit Freunden und nicht um Leistung!

Peter Schlickenrieder zum Kindersport:" Der Spaßfaktor muss für Kinder an erster Stelle stehen. Kindertraining soll positive Erlebnisse vermitteln, freudbetont und erlebnisreich durchgeführt werden." Foto: (c) Marco Felgenhauer / Leki

Peter Schlickenrieder zum Kindersport:“ Der Spaßfaktor muss für Kinder an erster Stelle stehen. Kindertraining soll positive Erlebnisse vermitteln, freudbetont und erlebnisreich durchgeführt werden.“
Foto: (c) Marco Felgenhauer / Leki

Kinderoutdoor.de Zu den beliebtesten Sportarten bei Jungen gehören Fußball, Basketball und Radfahren. Skilanglauf rangiert ziemlich weit hinten. Was sind die Gründe dafür?

Peter Schlickenrieder: Weil sich „Schinden“ noch nie in war und sich beim Fussball auf den ersten Blick der Spielcharakter offenbart. Und spielen tun wir alle einfach für unser Leben gerne. Allen voran Kinder. Den Langlauf, den man weithin medial präsentiert bekommt via TV und im Weg schaut meist nach großer Anstrengung oder Langeweile aus – was der Langlauf aber definitv nicht ist. Folglich versuchen wir mit dem Schulsportkonzept gerade den spielerischen Charakter des Langlaufs und des gesamten Skisports zu transportieren und zu nutzen, um die Kids in den Schnee zu bringen. Nur ein Beispiel im Schulsportkonzept ist der neue TeKo- oder besser gesagt Fun-Parcours in dem in einer Minute vom slalomfahren über Schanzenspringen, Rückwärtslaufen usw. mit Langlaufskiern absolviert werden und so maximalen Spieltrieb befördern

Kinderoutdoor.de Wie will der DSV Skilanglauf für Kinder und Jugendliche attraktiver machen?

Peter Schlickenrieder: Die Idee und Anliegen ist es vor allem im Kinder- und Jugendskilanglauf zahlreiche und vielseitige Bewegungsformen zu vermitteln, denn dies ist die Basis für einen effektiven Lernprozess.  Das bedeutet ein ganzjähriges, vielseitiges Training mit vielen Bewegungserfahrungen in allen Sportarten.  So haben sich auch viele Skivereine aufgestellt, die ganzjährig  mit Schulen und Kindergärten kooperieren. Der DSV gibt ihnen dafür mit seiner Nachwuchskonzeption einen praktischen Leitfaden an die Hand.Speziell im Skilanglauftraining sowie in Wettbewerben-  setzt der DSV auch auf  den Einsatz von Technikparcours.  Dies entspricht einem variantenreichen und spielerischen Techniktraining in einem extra dafür hergerichteten Gelände.  Technische und koordinative Inhalte können so am besten schnell, sicher und mit viel Spaß erlernt werden. Sie bieten einen besonderen Erlebniswert mit hohem Aufforderungscharakter.

Kinderoutdoor.de Ein Vorurteil gegenüber dem Skilanglauf ist, dass es nur in Süddeutschland möglich ist. Was hältst Du davon?

Peter Schlickenrieder: Auch viele Höhenlagen der Mittelgebirge werden sehr gut gespurt und sind schneesicher, so zum  Beispiel der Thüringer Wald, Sauerland oder auch der Naturpark Schwarzwald. Dort hat der DSV allein über 3500 Loipenkilometer vermessen und zertifiziert.

Kinderoutdoor.de Welche Rolle spielt das Elternhaus, ob ein Kind sich für Sport interessiert oder nicht?

Peter Schlickenrieder: Eltern sind Vorbilder, sie geben Bildung und Werte weiter und haben so auch Einfluss auf die sportlichen Aktivitäten ihrer Kinder. Auch die finanzielle Situation in den Familien spielt eine ausschlaggebende Rolle bei der Ausübung von Sportarten.

Kinderoutdoor.de Ist es sinnvoll ein Kind möglichst früh auf eine Sportart zu spezialisieren?

Peter Schlickenrieder: Der Spaßfaktor muss für Kinder an erster Stelle stehen. Kindertraining soll positive Erlebnisse vermitteln, freudbetont und erlebnisreich durchgeführt werden.  Dafür sind vielfältigste Bewegungsformen geeignet. Im Mittelpunkt steht die Schulung von koordinativen Fähigkeiten. Gute koordinative Fähigkeiten sind Voraussetzung für das Erlernen und Anwenden sportlicher Techniken. Sie bieten auch die Basis für ein späteres zielgerichtetes Training. Unter dem Motto: Alle Kinder lernen Alles. Unser Ziel ist es, die Kinder für ein lebenslanges Sporttreiben zu begeistern und ihnen die Freude an der Bewegung zu geben.  Eine zu frühe Spezialisierung führt zu Demotivation, Leistungsstagnation, einer einseitigen Entwicklung und letztendlich zum Aussteigen aus einer Sportart.

Kinderoutdoor.de Viele Kinder haben, wenn sie auf eine höhere Schule wechseln, wenig Freizeit. Manche Eltern streichen dann den Sport. Was bietet der Sport den Kindern, neben den gesundheitlichen Effekten?

Peter Schlickenrieder: Sport trägt vielfältig und ganzheitlich zur Bildung von Kindern und Jugendlichen. Zahlreiche Studien weisen positive Zusammenhänge zwischen der körperlichen Aktivität im Kindes- und im Erwachsenenalter nach. Sport ist viel mehr als nur Bewegung, denn er leistet seinen Beitrag zur Gesunderhaltung, fördert die körperliche Leistungsfähigkeit, stärkt die Leistungsbereitschaft und das Selbstbewusstsein. Gemeinsame Erlebnisse im Wintersport und in freier Natur, mit Freunden und Geschwistern sind unvergesslich und zugleich besonders wertvoll für die geistige und soziale Entwicklung von Kindern.

 

 

 

Vielen Dank Peter für das Interview!

 

Twitter Digg Delicious Stumbleupon Technorati Facebook Email