Standortfrage! Outdoor Kinder arbeiten mit Karte und Kompass

GPS Geräte sind nach wie vor bei Outdoorern der Renner. Warum so was altmodisches wie Karte und Kompass mitschleppen. Doch wer sich nur auf den elektronischen Pfadfinder verlässt, kann bei seinen Outdoor Aktivitäten schnell in Probleme geraten. Was passiert, wenn das GPS Gerät ausfällt, Karte und Kompass aber zuhause liegen? Egal ob beim Wandern mit den Kindern, Paddel- oder Fahrradtouren: Sich mit Karte und Kompass zu orientieren ist Kinderleicht und die Outdoor Kids haben auch ihren Spaß dabei. Wie sich Outdoorer ohne elektronische Navigation orientieren können und den sicheren Weg finden, zeigt Euch Kinderoutdoor.de.

„Wenn ich im Gebirge die Orientierung verliere wird mir wieder bewusst, dass meine Vorstellungskraft wohl nicht ganz so exakt ist wie technische Hilfsmittel. Glücklicherweise weiß ich mit diesen umzugehen“, berichtet Eiger-Rekord-Mann Dani Arnold. Immer mehr Outdoorer und Alpinisten vertrauen auf ihren Touren den GPS-Geräten. Der Kompass und eine passende Karte des Gebietes bleiben meistens zuhause. Ein verhängnisvoller Fehler, wenn aus technischen oder anderen Gründen das GPS ausfällt.

„Orientierung ist eine wichtige Fähigkeit des Bergsteigers im Gebirge, um eine Tour erfolgreich und sicher durchzuführen. Mit GPS, digitaler Geländedarstellung, Multifunktionsuhr und anderen technischen Hilfsmittel wird die praktische Orientierungsarbeit heute stark erleichtert, auch bei schlechten Sichtverhältnissen,“ stellt Stefan Winter, Ressortleiter Breitenbergsport beim Deutschen Alpenverein (DAV), fest. In der Praxis bietet das  Satelliten gestützte System etliche Vorteile: Exakte Angaben zum momentanen Standort, aktuelle Höhenermittlung, zurückgelegte Strecke und viele weitere Funktionen. In den letzten Jahren gab es bei den GPS-Geräten manchen Entwicklungsschub, so verlängerten sich die  Akkulaufzeiten, die Bedienbarkeit verbesserte sich, das Gewicht und die Geräteabmessungen gingen zurück. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung ist bei einigen GPS-Modellen die Anzeige auf dem Display lesbar.  In Europa gab es in den letzten 12 Monaten im GPS-Outdoor-Bereich ein Plus von 6%!” Eine Alternative zu den GPS-Geräten sind spezielle Applikationen (Apps) für das mobile Telefon. So lassen sich  auch topographische Karten auf das Handy laden. Diese Programme können, zum Teil, auch den eigenen Standort ermitteln und den Weg zum Ziel vorgeben. Ebenso sind Aufzeichnungen und Höhenmessungen möglich. Wer es versäumt hat, derartige Software rechtzeitig zu installieren, kann das  sogar während der Bergtour tun; Mobilfunkempfang vorausgesetzt. Ein Nachteil an dieser Technik sind die Qualtitätsunterschiede der Apps. Worin deren Schwächen liegen, stellt sich oft erst in der Praxis heraus. Auch ist die Akkulaufzeit von manchem Mobiltelefon deutlich kürzer, als die von einem GPS-Gerät. Trotz der Vielzahl an elektronischen Navigationsinstrumenten gibt es noch genug Bergunfälle, die wegen Verirrens passieren. In der DAV Unfallstatistik 2004/2005 führten 8% der Blockierungen beim Bergwandern wegen Orientierungsverlust zu Unglücken. 2008/2009 blieb die Zahl gleich. 3% der Notfälle beim Bergsteigen hatten 2004/2005, laut der DAV-Erhebung, Verirren als Grund. Vier Jahre später stieg diese Zahl auf 5% an. Vielfältig sind die Ursachen für das Verlaufen in den Bergen.

Wo bin ich? Wer gibt mir Orientierung?

Vorteile Kompass:

–       Nicht vom Strom abhängig

–       Preiswert

–       Klein und leicht

–       Widerstandsfähig

–       Unabhängig vom Strom

Nachteile Kompass:

–       Übung im Umgang erforderlich

–       Ablenkbarkeit durch Metall oder Magneten

–       Je nach Region: Missweisung

–       Gute Sicht notwendig

Vorteile GPS:

–       Exakte Positionsbestimmung

–       Anzeige der Höhenmeter

–       Unabhängig von der Wetterlage

–       Aufzeichnungsmöglichkeiten

–       Datenaustausch über das Internet

Nachteile GPS:

–       Teuer

–       Abhängig vom Strom

–       Spezielle Karten notwendig

–       Schwer bedienbar mit Handschuhen

–       Empfindlich

Standortsuche ohne Hilfe von oben

Das GPS ist jedoch kein Allheilmittel. Preiswerte und mittelklasse Geräte können in Schluchten, Wäldern oder Abschattungen ihre Kontakte zu den Satelliten verlieren. Dazu Andi Biberger vom Verband Deutscher Berg- und Skiführer (VDBS):“ Orientierung ist im Gebirge ein wichtiges Thema, gerade bei schlechter Sicht und im „weglosem“ Gelände Grundsätzlich ist das GPS ein wichtiges Hilfsmittel. Bevor ein Alpinist damit auf eine Tour geht, sollte er es beherrschen. Bei Hochtouren kommt hinzu, dass ein GPS auch mit Handschuhen bedienbar sein sollte. Auch ausreichend Ersatz-Akkus (Batterien) oder ein Solarpanel sind bei einer längeren Bergtour wichtig. Das beste elektronische Navigationsgerät hilft nichts, wenn die Batterien leer sind. Wer in einer solchen Situation keinen Kompass und die passende Karte dabei hat, kann schnell in Schwierigkeiten geraten.“ Doch auch beim Paddeln oder Radfahren mit der Familie ist es wichtig, immer zu wissen wo man sich im Moment befindet. „Eine wichtige Basis für die Wegfindung und Standort- und Zielbestimmung sind aber nach wie vor räumliches Denken und Kartenlesen. Diese Fertigkeiten kann man nicht im Outdoorshop kaufen,“ meint Winter vom DAV. Leider hatten manche Outdoor-Papas zuletzt beim Wehrdienst einen Kompass in den Händen. Das Wissen, wie dieser mit einer Karte anzuwenden ist, ging bei dem einen oder anderen verloren. Wer vom Weg abkommt, für den verwandelt sich schnell eine leichte Tour zu einem gefährlichen Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Was spricht gegen das seit über 2.000 Jahren bekannte Peilprinzip einer magnetischen Nadel? Kosten, Packmaß oder Gewicht sind keine Argumente gegen die Mitnahme von Karte und Kompass. Beides wiegt zusammen so wenig, wie zwei Müsliriegel und findet in der Deckeltasche vom Rucksack leicht Platz. „Wir als VDBS empfehlen, zusätzlich topographische Karten, einen Kompass und einen Höhenmesser (Uhr) mit einzupacken und mit diesen Hilfsmitteln auch geschult zu sein. Eine Investition, die Leben retten und Bergunfälle verhindern kann“ rät Biberger. Auch der Preis für einen Kompass ist kein Grund, auf diesen zu verzichten. Bereits ab 15 Euro sind für Outdoorer brauchbare Modelle erhältlich. Kompasse für 99 Cent sind Spielzeug. In Deutschland steht der Spiegelkompass hoch im Kurs. Dieser Richtungsweiser ermöglicht exakte Peilungen und ist zusammenklappbar. Weitere Qualitätsmerkmale für einen in den Bergen brauchbaren Kompass sind die hochwertige Kapsel. Hier ist die Nadel auf einem künstlichen Saphir gelagert und schwimmt in einer antistatischen Füllung. Weitere wichtige Ausstattungen von einem Kompass sind Maßstabsskalen, eine möglichst lange Anlegekante sowie eine durchsichtige Grundplatte um besser auf der Karte zu arbeiten.

Gute Karten für mehr Peilung

Besonders geeignet sind topographische Karten für Outdoor Familien. Meistens haben diese Karten einen Maßstab von 1:25.000 oder 1:50.000, darauf lassen sich auch kleinere Orientierungspunkte wie verfallene Gebäude, Wegkreuze oder Stege finden. Wer über ein Altimeter verfügt, kann sich auch mit Hilfe der Höhenlinien auf der Karte orientieren. Alle vollen hundert Meter sind darin markiert und lassen sich mit dem Höhenmesser ermitteln. Auch die Geländeform bilden diese Linien exakt ab: Bei steilen Abschnitten sind diese eng zusammen liegend eingezeichnet. Auch Grate, Mulden oder Rinnen lassen sich darauf erkennen. Der Vorteil von einem Höhenmesser: Während nur bei guter Sicht eine Peilung mit dem Kompass möglich ist, funktioniert ein Höhenmesser unabhängig davon. Mit dem Wissen aus Höhenlinie  Wer mit offenen Augen durch die Bergwelt marschiert und markante Punkte im Gelände wahrnimmt, kann sich leicht ohne Kompass orientieren. Wichtig ist deshalb, eine aktuelle Karte dabei zu haben. Nur so lässt sich exakt der eigene Standort finden. Ein weiteres Argument, was Kompass-Muffel gerne anführen, ist die angeblich komplizierte Handhabung. Mit ein wenig Routine ist das Einnorden einer Karte oder das Wandern nach Marschkompasszahl nahezu Kinderleicht. Ein Sonntagspaziergang ist ideal um das Können mit Karte und Kompass einzustudieren. Auch die Kinder haben ihren Spaß dabei. Wer die einfache Funktionsweise verstanden hat, verlernt es nicht mehr und findet bei Outdoor-Aktivitäten immer seinen Weg.

Standortbestimmung mit dem Kompass:

Trinkflaschen, Schlüssel, Trekkingstöcke,Eispickel, Steigeisen, Felshaken, Friends, Karabiner und andere Ausrüstung aus Metall beeinflussen den Kompass. Deshalb einen Abstand von mindestens fünf Metern halten.  Foto: (c) Kinderoutdoor.de

Trinkflaschen, Schlüssel, Trekkingstöcke,Eispickel, Steigeisen, Felshaken, Friends, Karabiner und andere Ausrüstung aus Metall beeinflussen den Kompass. Deshalb einen Abstand von mindestens fünf Metern halten.
Foto: (c) Kinderoutdoor.de

Nun die Karte einnorden. Den Kompass auf die Nordlinie oder parallel zur Kartenkante legen und solange drehen, bis die farbige Nadelhälfte auf der Skala zum N, für Norden, zeigt. Wer in Mitteleuropa unterwegs ist, kann auf die Einstellung der nördlichen Missweisung (Deklination) verzichten. Sie ist hier zu gering.

Voll die Peilung! Wer in Mitteleuropa unterwegs ist, kann auf die Einstellung der nördlichen Missweisung (Deklination) verzichten. Sie ist hier zu gering. Für eine Standortbestimmung (Rückwärts einschneiden) sind zwei Dinge wichtig:  Im Gelände sichtbare Orientierungspunkte und diese müssen auf der Karte identifizierbar sein. Für die Peilung den Kompass waagerecht halten und mit dem Visier auf einen markanten Punkt (z.B. Gipfel, Almhütte, usw.) zielen. Zum Ausrichten mit freien Hand die Skala solange drehen, bis der nach Norden weisende Nadelteil auf die Nordmarkierung (N) zeigt.  Foto: (c) Kinderoutdoor.de

Voll die Peilung bei der Standortbestimmung!(rückwärts einschneiden)
Wer in Mitteleuropa unterwegs ist, kann auf die Einstellung der nördlichen Missweisung (Deklination) verzichten. Sie ist hier zu gering. Für eine Standortbestimmung (Rückwärts einschneiden) sind zwei Dinge wichtig: Im Gelände sichtbare Orientierungspunkte und diese müssen auf der Karte identifizierbar sein. Für die Peilung den Kompass waagerecht halten und mit dem Visier auf einen markanten Punkt (z.B. Gipfel, Almhütte, usw.) zielen. Zum Ausrichten mit freien Hand die Skala solange drehen, bis der nach Norden weisende Nadelteil auf die Nordmarkierung (N) zeigt.
Foto: (c) Kinderoutdoor.de

Nun das Peilergebnis, die Marschzahl, auf die Karte übertragen: Dazu den Kompass so ausrichten, dass die Zeigermarken auf der Ringskala genau zum Kartennorden zeigen. Parallel die Kompasskante auf der Karte zu dem Punkt verschieben, der im  Gelände anvisiert wurde und einen Strich entlang der Kompasskante ziehen. Foto: (c) Kinderoutdoor.de

Nun das Peilergebnis, die Marschzahl, auf die Karte übertragen: Dazu den Kompass so ausrichten, dass die Zeigermarken auf der Ringskala genau zum Kartennorden zeigen. Parallel die Kompasskante auf der Karte zu dem Punkt verschieben, der im Gelände anvisiert wurde und einen Strich entlang der Kompasskante ziehen.
Foto: (c) Kinderoutdoor.de

 

Das Ganze mit mindestens einem zweiten Peilpunkt wiederholen. Durch einen weiteren anvisiertes Objekt in der Landschaft erhöht sich die Genauigkeit der Standortbestimmung. Dort wo sich auf der Karte die Linien schneiden, ist der aktuelle Standpunkt.  Foto: (c) Kinderoutdoor.de

Das Ganze mit mindestens einem zweiten Peilpunkt wiederholen. Durch einen weiteren anvisiertes Objekt in der Landschaft erhöht sich die Genauigkeit der Standortbestimmung. Dort wo sich auf der Karte die Linien schneiden, ist der aktuelle Standpunkt.
Foto: (c) Kinderoutdoor.de

 

Vorwärts einschneiden:

Um nach Kompassangaben einen bestimmten Geländepunkt zu erreichen, ist gute Sicht für die Peilung notwendig. Zuerst den eigenen Standort auf der Karte eintragen und die Marschrichtungszahl des Zieles bestimmen.  Dazu im Gelände diesen markanten Punkt (z.B. Gipfel) anvisieren. Die Kompassnadelskala drehen, bis der Nordteil der Nadel auf das N weist. Auf der Karte den Drehring zum Kartennorden ausrichten und  die Kompasskante durch den eigenen Standort verschieben. Mit einem Stift an der Kompasskante entlang fahren. Das anvisierte Ziel befindet sich auf dieser Geraden. Häufig reicht dieser Schritt bereits aus, um ihn auch auf der Karte zu bestimmen.

Ein Sonntagspaziergang ist ideal um das Können mit Karte und Kompass einzustudieren. Wenn Kinder und Eltern die einfache Funktionsweise verstanden haben, verlernen sie  es nicht mehr und finden bei den Outdoor-Abenteuern immer den richtigen Weg. Foto: (c) Kinderoutdoor.de

Ein Sonntagspaziergang ist ideal um das Können mit Karte und Kompass einzustudieren. Wenn Kinder und Eltern die einfache Funktionsweise verstanden haben, verlernen sie es nicht mehr und finden bei den Outdoor-Abenteuern immer den richtigen Weg.
Foto: (c) Kinderoutdoor.de

 

Himmelsrichtung ohne Kompass oder GPS finden

Mit einer Uhr lässt sich die Südrichtung ermitteln. Den Zeitmesser so halten, dass der Stundenzeiger auf die Sonne gerichtet ist. In der Winkelhalbierenden zwischen dem kleinen Zeiger und der 12 Uhr Marke auf dem Ziffernblatt ist Süden. Auch ein alte Lehrsatz kann bei der Orientierung weiterhelfen: Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen wird sie untergehn, im Norden ist sie nie zu sehn. Weitere Richtungsweiser finden sich in der Natur. Freistehende Bäume sind meistens an der Nordwestseite bemoost und sie neigen sich Richtung Südosten. Käfer halten sich hauptsächlich an der Südseite der Stämme auf, weil hier die Sonneneinstrahlung am höchsten ist. Eisbärte wachsen in entgegen gesetzter Windrichtung nach Nordwesten.

 

 


           

                      

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