Bio, öko und keiner kennt sich mehr aus

„Jeder hängt sich gerne ein grünes Mäntelchen für seine Produkte um. Davon profitieren weder die Verbraucher noch die Umwelt!“ polterte der Geschäftsführer von einer großen Outdoor-Marke bei der Pressekonferenz los. Grund für diese Reaktion ist die Frage von einem Journalistenkollegen gewesen, was in Zukunft das Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit tun will. Selbst die Medien haben mittlerweile den Überblick verloren, welches Öko-Siegel für was steht. Bei den Verbrauchern ist die Verwirrung auch perfekt.

Nachhaltigkeit. Auf der diesjährigen ISPO und sicher auch auf der OutDoor in Friedrichshafen ist die Umweltverträglichkeit das Thema  Nummer eins. Seit ein paar Jahren versucht sich die Branche einen grünen Anstrich zu verpassen. Anfänglich sind es nur wenige Outoor-Marken, wie Patagonia, gewesen die auf dieses Thema konsequent setzten. Mittlerweile überbieten sich die Hersteller an guten Nachrichten in Sachen Umweltverträglichkeit: Solarstrom kommt von den Firmendächern, Wasser sparen, Materialverbrauch reduzieren, weniger Strom, Bioheizanlagen, und vieles mehr soll den guten Willen der Outdoor-Branche zu mehr Umweltbewusstsein demonstrieren. Davon nehmen die Kunden, teilweise, nur wenig wahr. Sie wollen hochwertige Outdoor-Kleidung oder Ausrüstung haben, die qualitativ hochwertig und ökologisch einwandfrei ist. Dagegen erscheint der Job von Sysiphos als lösbare Aufgabe. Foto: (c) organic picture clothingUm den Verbrauchern zu zeigen, wie nachhaltig die Produkte sind bekommen sie Öko-Siegel. Damit fängt aber das Problem an. Denn mittlerweile gibt es im Alltag eine ganze Flut von derartigen Auszeichnungen und die Kunden blicken nicht mehr durch. Vom Kinderroller, bis zum Deo, von der Bratwurst bis hin zum Outdoor-Parka, für alles findet sich ein Aufkleber für Nachhaltigkeit. Regierungen, die Europäische Union, Institute und Verbände vergeben diese Öko-Siegel. Dazu kommen noch die einzelnen Hersteller, welche besonders ökologische Produkte auszeichnen. Bei VAUDE ist das Green Shape. Damit zeichnet VAUDE Artikel aus, die aus nachhaltigen Materialien und ressorucen-schonenden produziert sind. Hier kommen wir zum nächsten Problem: Es gibt, bisher, keine verbindlichen Kriterien, ab wann ein Outdoor-Produkt nachhaltig ist. Wer sich von Bluesign zertifizieren lassen will, muss bestimmte Auflagen erfüllen.

Was ist Bluesign?

Aus einer Projektinitiative entwickelte sich 1997 der Öko-Standard Bluesign. Seit 2000 besteht dazu ein unabhängiges Unternehmen mit Sitz in Sankt Gallen (Schweiz), das Outdoor-Produkte zertifiziert, wenn sie die weltweit strengsten Umweltstandards für Textilien erfüllen. Doch wie sehen diese Kriterien aus? Auf den Punkt gebracht: Alles was die Umwelt und den Menschen nicht belastet. Da käme eigentlich nur der selbst gestrickte Pulli von Oma in Frage und es stellt sich die Frage, ob das Schaf so glücklich drüber ist seine Wolle zu verlieren. Um den Herstellern den Eintritt in eine ökologische Produktion zu erleichtern, stuft Bluesign seine Standards in zwei Kategorien ab:

bluesign approved fabric:

Dieses Siegel erhalten nur Textilien von deren Fläche mindestens 90% aus einem Innen- und Außenmaterial bestehen, das bluesign zertifiziert ist. Beim Rest gelten ebenfalls strenge Regeln: Kein Hautkontakt und die Einhaltung von Grenzwerten. .

bluesign product:

Noch schärfer geht es bei dieser Kategorie zu.  95% der textilen Fläche von einem Produkt müssen aus bluesign zertifizierten Materialien sein. Bei den Komponenten, wie Reißverschlüsse, müssen mindestens 30%  die Zertifizierung haben.


In Zürich befindet sich Oekotex. Seit 1992 gibt es den Oeko-Tex-Standard 100. In vier Klassen sind  die Textilprodukte eingeteilt:

  • Textilien für Säuglinge und Kleinkinder bis drei Jahre
  • Textilien die einen Kontakt zur Haut haben
  • Textilien mit wenig oder keinem Hautkontakt
  • Textiles Dekomaterial

Für ein Jahr erhalten, nach Prüfung und Zulassung, die Hersteller das Öko-Tex-Siegel. Dabei müssen sie bestimmte Kriterien erfüllen. So dürfen die Textilien keine Pestizide oder Schwermetalle enthalten. Um sicher zu gehen, dass die vorgeschriebenen Grenzwerte nach der Zertifizierung eingehalten sind, überprüfen die angeschlossenen Institute regelmäßige die Textilien.

Von der Europäischen Union gibt es das EU Ecolabel. Es kennzeichnet umweltfreundliche Produkte vom Allzweckreiniger bis zum Zeitungspapier. Auch Textilien und Schuhe können das Siegel mit der Blume bekommen. 1992 begann die EU damit diese Kennzeichnung zu vergeben. Produkte aber auch Dienstleistungen die geringere Umweltauswirkungen als ähnliche Waren haben, bekommen das EU Ecolabel. Hersteller und Importeuere müssen das Siegel beantragen und bekommen es, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen.

Wie geht es weiter?

Auch in Zukunft hält der Trend Nachhaltigkeit im Outdoor-Bereich an. Schließlich sind in Deutschland ein Teil der Verbraucher umweltbewusst. Dabei müssen sich die Konsumenten auf die verschiedenen Öko-Siegel verlassen können. Zu viele derartiger Auszeichnungen und unterschiedliche Standards können aber das Gegenteil bezwecken und die Verbraucher verunsichern. Gefordert sind deshalb einheitliche Normen. Was die Verwendung von recycelten Materialien angeht oder die Wiederverwertbarkeit von gebrauchten Outdoor-Textilien hat sich viel getan, es gibt aber noch viel Luft nach oben!

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