Von der Wolle zum Pullover: Bei Dale of Norway hinter die Kulissen geguckt

Ein richtig hochwertiger Wollpullover ist für Kinder und Erwachsene etwas sehr Besonderes. Wer keine Oma hat die einen Pullover stricken kann, der kauft sich am besten ein hochwertiges Modell aus guter Wolle. Eine Investition an der jeder lange seine Freude hat. Bekannt ist Dale of Norway für seine Pullover und Mützen die modern sowie traditionell sind. Wir haben hinter die Kulissen geguckt, wie diese Teile gestrickt sind. 

Eine vollstufige Produktionskette von der ungesponnenen, rohen Wolle bis zum fertigen hochwertigen Pullover ist in Europa kaum noch zu sehen. Im norwegischen Dale geht das – beim Traditionsunternehmen DALE of Norway. Seit 1879 gibt es die Marke – und seit der Strickspezialist 1956 in Cortina seine Athleten mit dem legendären „Original 1956“ Pullover ausstatteten, stellen die Westnorweger die offiziellen norwegischen Team-Pullover für alle olympischen Winterspiele her. Hier wird gesponnen, gefärbt und gestrickt, vorwiegend auf modernsten deutschen Maschinen, aber mit dem ganzen Reichtum der norwegischen Pullover-Tradition. Fässer voller endloser, fein gekämmter Schafwolle – eine ganze Fabrikhalle voll: Das ist der erste Eindruck, den man in der Produktion bei DALE of Norway hat. Und ein feiner Geruch nach Schaf – Lanolin, genauer gesagt. Nicht unangenehm für eine Fabrik, wenn man dies einmal mit der Schuhproduktion vergleicht.

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Wolle ma loslegen? Diesen wertvollen Rohstoff, bester norwegischer Wolle, verarbeitet DALE of Norway.
Foto: DALE of Norway

Unzählige Spinnstationen holen sich die in Strängen gelegte Rohwolle (sog. Streckband) aus den Fässern und verspinnen sie zu sehr feinen Fäden. Die norwegische Wolle ist sehr langstapelig, die einzelnen Haare sind rund 10 cm lang und 33 micron dick (eine feine Merinowolle liegt unter 21 micron). Die Wolle ist entsprechend robust und langlebig. Sie wird vor dem Spinnen sorgfältig gesäubert und gekämmt, damit alle Wollfasern glatt und in Längsrichtung liegen. So stehen nur wenige Härchen ab, wenn die Wolle versponnen ist. Nur dieses spezielle Verfahren ergibt beim fertigen Produkt die typische klare Optik der DALE-Pullover und sorgt für weitgehende Pilling-Freiheit. Alternative zum Kämmen ist das sogenannte „Kardieren“, bei dem die Wolle über mit Häkchen bewehrte Walzen gezogen und so grob entwirrt wird. Hier ist die Ausrichtung der Fasern nicht so regelmäßig und das Endprodukt wirkt flauschiger, weil viele lose Faserenden aus dem Garn herausstehen.

Seit 1879 arbeitet DALE of Norway mit Ökostrom aus dem benachbarten Fluss.Foto: DALE of Norway

Seit 1879 arbeitet DALE of Norway mit Ökostrom aus dem benachbarten Fluss.
Foto: DALE of Norway

Energiewende geschafft; Vor über 130 Jahren!

Alle Maschinen laufen hier schon seit Gründung der Fabrik mit Ökostrom – der hinter dem Haus gelegene Fluss machte es schon 1879 möglich. Mehr noch, eignet er sich doch auch für den schnellen Angelausflug. Ein Mitarbeiter zog vor Jahren der Legende nach in einer Mittagspause einen rund 8 kg schweren Lachs aus dem Fluss… Flaggschiff und „typischste“ DALE-Wolle ist die Qualität „Heilo“, benannt nach dem Goldregenpfeifer, einem typischen Vogel der norwegischen Sumpfgebiete; und seit 1938 auf dem Markt. Bei dieser Wolle werden vier Spinnfäden zu einem strapazierfähigen Garn besonders fest verzwirnt. Der Zwirnprozess läuft gegenläufig zum vorherigen Spinnen, damit das Garn später glatt zu verstricken ist und sich der fertige Pullover nicht um den Körper „wickelt“. Wenn also im Uhrzeigersinn gesponnen wird, dreht sich die Zwirnspule im nächsten Schritt gegen den Uhrzeigersinn.

Vier Spinnfäden verzwirnen die Norweger zu einem Garn.Foto: DALE of Norway

Vier Spinnfäden verzwirnen die Norweger zu einem Garn.
Foto: DALE of Norway

Nach dem Spinnprozess muss das Garn befeuchtet werden, damit Färben und Stricken reibungslos funktionieren. Nachdem die fertig gesponnene Wolle einige Zeit unter feuchten Tüchern geruht und sich „entspannt“ hat, wird sie in der benachbarten Halle bei DALE gefärbt. In den großen Bottichen können bis zu 400 kg Wolle gleichzeitig eingefärbt werden – aber auch nur wenige Kilo, wenn es um die Entwicklung neuer Farbtöne geht. Das Naturmaterial Wolle ist ausgesprochen gut zu färben – mit unschädlichen Farben, die zudem fast vollständig von den Wollfasern aufgesogen werden und so keine problematischen Abwässer produzieren. Nicht nur die Produktion und Entsorgung von Wolle ist also weniger die Umwelt belastend als die von Synthetik-Materialien – auch die Verarbeitung.

Jetzt kommt Farbe ins Spiel. Wolle nimmt Naturfarben sehr gut an.Foto: DALE of Norway

Jetzt kommt Farbe ins Spiel. Wolle nimmt Naturfarben sehr gut an.
Foto: DALE of Norway

Das Designteam um Svanhild Strøm entwickelt die DALE-Kollektion, die mit den Mustern der norwegischen Trachten und Strick-Tradition spielt, aber auch moderne Einflüsse verarbeitet, wie der junge Pullover „Haukeli“, oder die neueste Version des klassischen „Original 1956“-Sweaters beweist. Svanhild gibt ihre Designs an die Stricktechniker weiter, die die Zeichnungen in Dateien für die Strickmaschinen übersetzen. Im nächsten Schritt entstehen die fertigen Pullover und Strickjacken, die allermeisten gestrickt auf Maschen made in Germany; die Reutlinger Firma Stoll ist hier nach wie vor dominierend und die DALE-Techniker haben allesamt längere Lehrzeiten direkt im Schwabenland hinter sich, um die komplexen Maschinen perfekt bedienen zu können.

Geheimnis der Handstrick-Optik

Fast 40 Minuten dauert es, bis ein Strickpullover hier entsteht. Beide Ärmel, Rücken- und Vorderteil werden hintereinander weg gestrickt und fallen aus der Maschine, sobald sie fertig sind. Im Gegensatz zu früher, als eine Maschine so eingerichtet wurde, dass sie einen Arbeitsgang lang nur Vorder- oder Rückenteile produziert hat und erst im nächsten Produktionsschritt die Ärmel, ist durch das neue Verfahren die Gefahr von Ausschussware sehr reduziert: Ein Kleidungsstück wird nur aus Wolle einer  Färbepartie gestrickt, so dass Farbabweichung der verschiedenen Schnittteile ausgeschlossen sind.

Der ganze Stolz der DALE-Techniker ist allerdings eine Maschine, die in ein und demselben Strickteil Wollen ganz verschiedener Stärke verarbeiten kann – eine sogenannte „Multi-Gauge“-Maschine. Mit ihr kann man beispielweise ein fein gestricktes, doppeltes Bündchen mit mehrfarbigem Muster mit einem Korpus aus Grobstrickwolle in Handstrick-Optik kombinieren – das eröffnet den Designern eine ganz neue, riesengroße Spielwiese!

Am Computer entstehen neue Muster, die am traditionellen Design angelehnt sind. Foto: DALE of Norway

Am Computer entstehen neue Muster, die am traditionellen Design angelehnt sind.
Foto: DALE of Norway

Aus dem unerschöpflichen Pool der fantasievollen Trachten der norwegischen Täler zu schöpfen, die eigenen Ideen direkt in der Produktion umsetzen zu können – von der speziellen Wunschfarbe bis zum ausgefallenen Strickmuster – das macht das Unternehmen DALE of Norway aus. So modern wie die computergesteuerten Maschinen, die den Übergang von DALE in die Neuzeit begründet haben, ist auch der neue Kollektionsaufbau. Eine Unterteilung der Kollektion in fünf Kategorien macht die Kundenansprache klarer. Mit dem neuen Kollektionsteil „Reworked“ sprechen die Norweger modische, junge Zielgruppen an, die die Qualität und Tradition von DALE in neuem, modischen Look suchen. Zur kommenden ISPO 2013 wird man neue Aspekte der bekannten Marke sehen können – Neuinterpretationen von Retro-Styles wie dem „Original 1956“ inklusive. Unter der Leitung des neuen CEO Øyvind Lauritzen, der vorher die Marke Kari Traa aufgebaut hat, hat der Traditionsstricker mit 133jähriger Geschichte alle Chancen, an alte Erfolge anzuknüpfen.

Fertig! So sieht der Original Retro 1956 wie handgestrickt aus. Foto: DALE of Norway

Fertig! So sieht der Original Retro 1956 wie handgestrickt aus.
Foto: DALE of Norway

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