PFC in Outdoor-Bekleidung: Stellungnahme der Fachgruppe Outdoor im BSI

 Von der Fachgruppe Outdoor, sie ist die Interessenvertretung der Outdoor Branche innerhalb des Bundesverbandes der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI) erhielten wir folgendes Statement zur Diskussion über Schadstoffe in Outdoor-Jacken. Der Fachgruppe gehören 34 führende deutsche Hersteller und Importeure von Outdoor-Ausrüstung an. Wir veröffentlichen hier, unkommentiert von uns, die Stellungnahme von diesem Gremium. 

Fachgruppe Outdoor (FGO):
Statement zur aktuellen Diskussion um PFC in Outdoor-Produkten 

Nach der Veröffentlichung des Greenpeace Reports zum Thema „Chemie für jedes Wetter – perfluorierte Schadstoffe in Outdoor-Jacken“ am 29. Oktober 2012 stand die Outdoor-Branche in den letzten Wochen im Fokus des öffentlichen Interesses, wobei der Gebrauch von per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) kontrovers diskutiert wurde.

Diese Chemikalien fallen in der Outdoor-Industrie als Nebenprodukt bei der Herstellung wasser-, schmutz-, fett-, und ölabweisenden Ausrüstung von Textilien sowie bei der Produktion von atmungsaktiven Membranen an. Auf diese Weise wird die hohe Funktionalität sowie die Wind- und Wetterbeständigkeit der Outdoor-Bekleidung garantiert – Faktoren, aufgrund derer Outdoor-Bekleidung inzwischen auch im Alltagsgebrauch so beliebt ist.

Aber die Kritik an diesen Chemikalien ist berechtigt. Wir wissen, dass PFCs umweltschädlich sind. Eine Gesundheitsgefährdung für Verbraucher ist jedoch nach jetzigem Wissensstand auszuschließen. Daher haben wir uns bereits im September dieses Jahres nach intensiver Diskussion dazu entschieden, langfristig auf PFCs zu verzichten.

Dieser Prozess lässt sich jedoch nicht von heute auf morgen bewältigen. Denn dies ist nicht alleine eine Ent- scheidung der Outdoor-Hersteller. Wir sind vielmehr auf die Unterstützung und die Zusammenarbeit mit der Textilchemie-Industrie angewiesen, damit umweltgerechte Alternativen zur Oberflächenveredelung von Textilien für unsere Produkte entwickelt werden und wir auch in Zukunft die gewohnt hohe Qualität und Funktionalität unserer Bekleidung garantieren können.

Wir haben in den letzten Wochen versucht, die an uns gestellten Fragen nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten und einen sehr offenen und konstruktiven Dialog mit der Öffentlichkeit geführt. Wir möch- ten Ihnen nachfolgend eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten geben:

1) Was sind PFC / PFOA?

Unter dem Begriff PFC werden per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) zusammengefasst. Es sind künst- lich hergestellte, chemische Verbindungen, in denen die Wasserstoffatome am Kohlenstoffgerüst vollständig (perforiert) oder teilweise (polyfluoriert) durch Fluoratome ersetzt werden. Sie kommen in der Natur nicht vor, sondern werden künstlich hergestellt. Die Bindung zwischen Kohlenstoff und Fluor ist so stabil, dass sie sich nur unter hohem Energieaufwand lösen kann. Deshalb sind viele PFCs in der Natur kaum oder gar nicht abbaubar und verbleiben dort über lange Zeiträume.1

In der aktuellen Debatte wird als PFC Untergruppe insbesondere über die sog. Perfluorcarbonsäure (PFOA – eine Verbindung mit 8 Kohlenstoffatomen = C8-Chemie) diskutiert. PFOA sind wasserlöslich und verteilen sich über Wasserströmungen. Sie sind daher weltweit verbreitet und finden sich beispielsweise im Schnee der Arktis.2

1 Umweltbundesamt: „Per- und Polyfluorierte Chemikalien – Einträge vermeiden – Umwelt schützen“, Juli 2009, S.6 2 Ebenda, S.5

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2) Wofür wird PFC / PFOA eingesetzt?

PFOA ist vor allem in Industrieprodukten und als Nebenprodukt in Restmengen in zahlreichen Verbrauchs- artikeln mit wasser-, schmutz- und fettabweisender Funktion enthalten, beispielsweise in Imprägniermit- teln, imprägnierten Teppichen und Fußbodenbelägen, Papierprodukten, Kochgeschirr (Teflon), Textilien und Schuhen, Farben und Lacken und Skiwachsen.3

Im Bekleidungsbereich spielen als Untergruppe der PFC wiederum vor allem Fluortelomeralkohole (FTOH) eine Rolle, aus denen Kunstfaserbeschichtungen für Textilen sog. fluorierte Polymere hergestellt werden. In der Outdoor-Industrie werden diese zur wasser-, schmutz-, fett- und ölabweisenden Oberflächenveredelung von Textilien eingesetzt. Die fertigen Produkte können FTOH als Rückstände enthalten, die in der Umwelt und im Organismus wiederum zu Perfluorcarbonsäuren (PFOA) abgebaut werden können.4

Für die Produktion von atmungsaktiven Membranen werden zum Teil ebenfalls fluorhaltige Verbindungen eingesetzt. Viele dieser Membrane bestehen aus PTFE (Polytetrafluorethylen), die unter Einsatz von PFOA als Hilfsstoff herstellt werden. Im fertigen Produkt kann sich PFOA als Verunreinigung wiederfinden.5

Grundsätzlich wird PFOA nicht direkt für die Imprägnierung von Textilien verwendet, sondern treten in geringen Mengen als Nebenprodukt oder Verunreinigung auf.6 verwendet.

3) Ist PFC / PFOA gesundheitsgefährdend?

Die Aufnahme von PFOA und Fluortelomeralkohole (FTOH) aus Bekleidungstextilien, wie Outdoor-Jacken, über die menschliche Haut stellt laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) keine Gefahr für den Ver- braucher dar.7 Auch Greenpeace stimmt in seiner eigenen Veröffentlichung dieser Einschätzung zu.8

PFOA können dagegen beim Herstellungsprozess der Textilien in die Abwässer gelangen und somit gegebe- nenfalls über den Wasserkreislauf auch in den menschlichen Körper. Weitere Quellen sind beispielsweise vorbelastete Nahrung (z.B. Fische) oder die Luft. Einmal im menschlichen Körper, bauen sie sich dort nur sehr langsam wieder ab (Halbwertszeit ca. 4 Jahre).9 In Deutschland, Belgien und Schweden liegen die mittleren PFOA-Konzentrationen zwischen 2 und 7 μg/Liter.10 (Mikrogramm/Liter – ein Mikrogramm ist ein Mil- lionstel Gramm). Als Referenzwert, des Umweltbundesamtes für Deutschland, der nicht überschritten wer- den sollte, gelten 10 μg/L.11 Wesentlich höhere Konzentrationen könnten nach neuesten Studienergebnis- sen möglicherweise gesundheitliche Folgen nach sich ziehen.12

3 Statens forurenstingstilsyn – Norwegian Pollution Control Authority, PFOA in Norway TA-2354/2007, S.41 ff.
4 M. J. A. Dinglasan, Y. Ye, E. A. Edwards, S. A. Mabury (2004): Fluorotelomer alcohol biodegradation yields poly- and perfluorinated acids. Environ- mental Science & Technology 38(10): 2857–2864.
5 RPS Advies in Delft, The Netherlands: “Analysis of the risks arising from the industrial use of Perfuorooctanoic acid (PFOA) and Ammonium Perfluo- rooctanoate (APFO) and from their use in consumer articles. Evaluation of the risk reduction measures for potential restrictions on the manufacture, placing on the market and use of PFOA and APFO.” Im Auftrag der Europäischen Kommission, DG Enterprise and Industry, 2009, S. 31
6 „Management of per-and polyfluoroalkyl substances (PFASs) according to bluesign® criteria”, bluesign, Fact sheet, PFAS management, November 2012.
7 Umweltbundesamt: „Per- und Polyfluorierte Chemikalien“, S.6
8 „Greenpeace testet Outdoor-Kleidung – Fragen und Antworten zum Report „Chemie für jedes Wetter“, V.i.S.d.P. Manfred Santen
9 Umweltbundesamt: „Per- und Polyfluorierte Chemikalien“, S.6
10 Bekanntmachung des Umweltbundsamtes: „Referenzwerte für Perfluoroctansäure (PFOA) und Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) im Blutplasma Stellungnahme der Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes“, Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheits- schutz 8 · 2009, S. 880
11 Referenzwerte für PFOS und PFOA der Kommission für Human-Biomonitoring des Umweltbundesamts, in: Umweltbundesamt: „Per- und Polyfluo- rierte Chemikalien – Einträge vermeiden – Umwelt schützen“, Juli 2009, S.13
12 Dr. Tony Fletcher: C8 Science Panel, “Epidemiology of PFOA and PFOS -new findings”, 17.06.2011, Fletcher bezieht sich auf einen Referenzwert von 82,9 μg/Liter, http://www.science.uva.nl/sites/perfood/images/stories/docman/tony%20fletcher%20perfood%20final.pdf (abgerufen am 16.11.2012)

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Wir nehmen diese Ergebnisse ernst und beobachten die weiteren humantoxikologischen Forschungen intensiv, sehen jedoch gleichzeitig keinen Grund zur Beunruhigung und möchten zu bedenken geben, dass PFC-beschichtete Kochgeräte (Teflon) sogar für die Lebensmittelzubereitung zugelassen sind. Eine Gesund- heitsgefährdung unserer Kunden beim Tragen von Outdoor-Jacken können wir daher ausschließen.

4) Ist PFC / PFOA umweltschädlich?

In der Natur kommt PFC nicht vor, sondern wird seit ca. 50 Jahren von Chemie-Unternehmen hergestellt.

In die Umwelt gelangen PFC entweder auf direktem Wege – während der Produktion – oder indirekt durch die Verwendung und Entsorgung PFC-haltiger Produkte. PFC wie PFOA enden – egal auf welchem Wege sie ursprünglich in die Umwelt kommen – vornehmlich im Wasser. Schädliche Wirkungen perfluorierter Chemi- kalien auf Lebensgemeinschaften in Gewässern treten jedoch erst in Mengen auf, die weit über den bisher gemessenen Konzentrationen liegen.13

Die Umweltauswirkungen von PFOA durch Outdoor-Produkte spielt in der Betrachtung der gesamten Umweltrelevanz von PFOA in Deutschland eine eher untergeordnete Rolle. Nach Berechnungen der Hochschule Fresenius gelangen hierdurch pro Jahr nur insgesamt 270g PFOA in die Abwässer.14

Da PFOA grundsätzlich jedoch sehr langlebig ist, sich in Organismen anreichert, sehr langsam wieder abbaut, und in Tierversuchen als fortpflanzungsgefährdend und mäßig toxisch wirkt, geht das Umweltbundesamt (UBA) davon aus, dass diese Kombination zu langfristigen Umweltschäden führen könnte – Grund genug für das UBA, PFOA in den nächsten Jahren auf die EU-Liste für verbotene Stoffe setzen zu lassen.15

5) Alternativen

Die chemische Industrie setzt seit Kurzem vermehrt kürzerkettige PFC ein, d.h. fluorierte Verbindungen mit 4-6 Kohlenstoffatomen (C4-C6 Chemie). Mensch und Tier nehmen diese anscheinend in geringerem Maße auf und bauen sie aufgrund der kürzeren Halbwertzeit wohl auch schneller wieder ab. In der Umwelt sind die kürzeren Ketten daher weniger giftig, aber trotzdem persistent. Sie sind zudem besser wasserlöslich als C8-Chemie und geraten damit schneller ins Grundwasser. Aufgrund der hohen Stabilität und möglichen Grund- und Trinkwasserverunreinigung bewertet das Umweltbundesamt die C6- und C4-Chemikalien derzeit nicht als umweltverträgliche Ersatzstoffe.16 Hier stehen abschließende Studien zur Bewertung dieser Chemi- kalien noch aus.

Als Alternative zur Oberflächenveredelung von Textilien gelten Wachse und Paraffine, Polyurethane, Dendrimere oder Silikone. Sie haben zwar alle wasserabweisende Eigenschaften, sind jedoch nicht schmutz,- fett- und ölresistent. Wissenschaftliche Forschungen zu den Umweltauswirkungen dieser Alterna- tiven sind bisher noch nicht abgeschlossen.

Als PTF-frei Membran wird eine aus Polyetherester, einer Verkettung aus Polyester- und Polyethermolekü- len, hergestellte Variante auf dem Markt angeboten.

13 Ebenda, S.12
14 Prof. Dr. Thomas Knepper, Vortrag Hochschule Fresenius am 21. Nov.2012
15„ECHA ruft zur Kommentierung von 54 Vorschlägen für besonders besorgniserregende Stoffe auf“ : in: Bundesumweltamt: Reach-Info-Website, http://www.reach-info.de/vorschlaege_svhc.htm (abgerufen am 16.11.2012)
16 Ebenda, S.15

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6) Ausblick: Was macht die Outdoor-Branche?

Abschließend möchten wir folgende Punkte festhalten:

  • Uns ist bewusst, dass PFOA (C8-Chemie) umwelt- und in hohen Mengen auch gesundheitsschädlich sein könnte. Von der Outdoor-Branche werden jedoch keine Produkte auf den Markt gebracht, von denen eine Gefahr für die Gesundheit des Benutzers ausgeht.
  • Die Umstellung auf C6-Chemie stellt aufgrund der bislang noch nicht abschließend bewerteten Umweltauswirkungen bislang keine dauerhafte Alternative dar, ist aber derzeit eine kurzfristige Maßnahme, um Verbesserungen zu erreichen. Daher wird in der Outdoor-Branche auch daran gearbeitet.
  • Als gemeinsames Ziel hat die Outdoor Branche den Ausstieg aus der PFC-Chemie beschlossen und diese Entscheidung bereits am 20. September 2012 in einer Pressemitteilung veröffentlicht. Die nächsten Schritte auf diesem Weg planen wir gerade gemeinsam in der Outdoor-Branche und werden die Öffentlichkeit in regelmäßigen Abständen über unsere weiteren Arbeitsergebnisse informieren.

 

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