Ab wann dürfen Kinder an die Kletterwand? Geburtstag in der Kletterhalle? Ein Fall für Stefanie!

Klettern ist in! Bei Kinder und Erwachsenen. Jetzt beginnt für die Kleinen die Saison in der Kletterhalle, weil das Herbstwetter einen Ausflug an die Felsen oder den Kletterwald zu schlecht ist. Als Expertinfür Euere Fragen stellte sich Stefanie Fink von Alpenstieg. Sie bietet mit ihren Berg- und Wanderführern Kletterkurse, Berg- und Individualtouren an. Wenn sich eine mit Fragen zum Klettern auskennt, dann sie. Ein Fall für Stefanie!

 

Svenja aus Hamburg: Wir wollen einen Kindergeburtstag in der Kletterhalle feiern, worauf sollten wir achten?
Stefanie Fink, Alpenstieg
: Mit meinem Patenkind und seinem Bruder habe ich auch schon Geburtstage in Kletterhallen verbracht und der Erfolg war immer riesengroß! Ich würde zunächst nachfragen, wer die Gruppe betreut. Wie gut ist der- oder diejenige ausgebildet. Zumindest einen Kletterschein vom DAV sollte der Betreuer schon nachweisen können. Außerdem ist es natürlich interessant zu wissen, wie oft die Halle so etwas schon organisiert hat und wie erfahren sie auf dem Gebiet sind. Auch der „Betreuungsschlüssel“ ist wichtig, also wie viele Betreuungspersonen passen auf wie viele Kinder auf. Je kleiner die Kinder, desto besser sollte hier das Verhältnis sein. Während unseres Kindergeburtstages war mein Patenkind 6 Jahre alt, es waren 8 Kinder und wir haben zu zweit gesichert. Das ging prima, so hatte jeder 2 Vierergruppen, also 2 „Seilschaften“ pro Betreuer, denn die Kinder konnten sich mit Hilfe schon gegenseitig sichern. Erfahrungsgemäß werden die Kinder nach einer Weile doch ein bisschen müde und die Kraft lässt einfach nach. Wenn hier ein Betreuer zusätzlich noch ein paar kleine Spiele anbieten kann, ist das sicher von Vorteil! Hilfreich ist dann auch ein separater Geburtstagstisch, an dem eine Pause eingelegt, etwas gegessen und getrunken werden kann.

Tina aus Lauf: Ab wie viel Jahren dürfen Kinder einen Kletterkurs belegen?
Stefanie Fink, Alpenstieg:
Die Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Das ist zum einen ein bisschen abhängig vom Kind und zum anderen auch von den Hallen oder Bergschulen, die das teilweise unterschiedlich handhaben. Wir sagen generell, dass ein Kind ungefähr ab 5-6 Jahren gut mit dem Klettern beginnen kann und auch an einem Kurs teilnehmen kann, wenn die Eltern dabei sind. Mein Patenkind war mit 4 zum ersten Mal in der Halle. Da ist Vieles noch Spiel, die Seile sind von höchstem Interesse, auch Bouldermatten zum Herumtollen, etc. und auch die Aufmerksamkeit ist natürlich noch nicht länger gegeben. Mit 6 Jahren hingegen konnte er schon ordentlich mitklettern und hat uns mit seiner Ausdauer wirklich beeindruckt! Wenn die Kinder ca. 10 Jahre alt sind, können sie dann auch an einem Kurs teilnehmen, in dem sich die Kinder gegenseitig sichern. Die Erfahrung zeigt, dass die Kinder in diesem Alter schon die Verantwortung für ein anderes Kind übernehmen können, wenn Betreuer entsprechend aufpassen. Auch hier würde ich es vom Kind abhängig machen, bei sehr verspielten Kindern, die sich auch der Gefahr noch nicht so bewusst sind, würde ich dann lieber noch 1-2 Jahre warten.

Anja aus Lahr: Was sollen Kinder zum Klettern anziehen?
Stefanie Fink, Alpenstieg:
Hier spielt ja auch die Frage mit hinein, ob Kinder spezielle Kletterkleidung brauchen. Ich denke gerade am Anfang ist das nicht nötig. Super geeignet sind bequeme Sportsachen, die sie auch im Sportunterricht in der Schule anziehen: Also eine möglichst dehnbare Sporthose, ein T-Shirt und ein bequemer Fleecepulli  oder ein Sweatshirt sind hier völlig ausreichend. Auch bei den Schuhen ist mein Patenkind die ersten Male einfach in bequemen Turnschuhen geklettert. Auch das geht sicher am Anfang gut. Wenn Ihr Kind jedoch Gefallen an dem Sport findet und regelmäßig(er) klettert, dann macht zunächst das Ausleihen und dann später auch der Kauf eines Kletterschuhs absolut Sinn, denn es klettert sich natürlich wesentlich einfacher darin. Und für diesen Fall würde ich dann noch ein Paar Flip-Flops oder bequeme Schuhe mitnehmen, denn die Kletterschuhe sind so unbequem, dass man sie am besten nur an der Wand beim Klettern trägt.

Stefanie Fink, Geschäftsführerin von Alpenstieg:“Mit meinem Patenkind und seinem Bruder habe ich auch schon Geburtstage in Kletterhallen verbracht und der Erfolg war immer riesengroß!“
Foto:(c) Alpenstieg


Miriam aus Berlin: Wie gefährlich ist Klettern für Kinder?
Stefanie Fink, Alpenstieg: Die Frage ist sehr berechtigt und sehr schwer zu beantworten… Generell muss man einfach sagen, dass Klettern eine Risikosportart ist und das berühmte „Restrisiko“ lässt sich einfach nicht wegdiskutieren, es wäre fahrlässig, das hier nicht zu erwähnen. Man muss jedoch zunächst  zwei völlig verschiedene Orte beleuchten, das Klettern in der Halle und das Klettern am Fels.Alle äußeren Rahmenbedingungen, die das Klettern draußen in der Natur (obwohl wesentlich schöner) gefährlich machen, fallen in der Halle natürlich weg. Dazu zählen Wetterumschwünge, Steinschläge, eventuell lose Bohrhaken, eine falsche Routenplanung, etc.  Das macht die Halle im Prinzip sicherer. Die meisten Unfälle, die in der Halle passieren, gehen leider auf  „menschliches Versagen“ zurück. Und leider gibt es auch in den Hallen ja immer noch viel zu viele Zwischenfälle. Wenn der Kletter-Partner Ihres Kindes nicht richtig sicher kann, ist das am Fels natürlich genauso riskant, wie in der Halle! Bei Kindern stellt sich dann immer noch die Frage, ob sie sich gegenseitig sichern oder ob es ein Erwachsener für sie übernimmt. Mein Patenkind ist inzwischen 9 Jahre alt, sein Bruder 11. Und ich habe bei meinen beiden verspielten Rabauken immer noch Bedenken, dass sie sich gegenseitig sichern! Persönlich bin ich hier lieber zu vorsichtig. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Klettern in der Halle, mit einem geübten Kletter-Partner, der weiß, wie man sichert, eher ungefährlich ist. Am Fels würde ich – gerade am Anfang –  in jedem Fall am besten einen Profi mitnehmen. Der kann nicht nur die Tour, das Wetter und die Schwierigkeit einschätzen, sondern auch noch Tipps und Tricks verraten, so dass man gleich noch etwas lernt!

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Lösungswort: Herbstlaub

Saskia aus München: Warum ist klettern für Kinder empfehlenswert?
Stefanie Fink, Alpenstieg: Klettern ist eine ganz tolle Sportart für Kinder! Nahezu alle Muskeln des Körpers werden hier trainiert und gekräftigt. Auch der Gleichgewichtssinn wird geschult, denn wenn man auf einem Fuß steht und sich nur schlecht festhalten kann, muss man das gut ausbalancieren können. Man muss sich dabei auch ein bisschen konzentrieren, welcher Griff wird für die Hände der nächste sein, wohin stelle ich meine Füße, aber die nötige Konzentration wiederum ist nicht so anstrengend, dass sie das Kind ermüden würde. Und die strahlenden Kinderaugen, wenn sie voller Stolz nach einer für sie schweren Route wieder Boden unter den Füßen haben, macht nicht nur Eltern glücklich, sondern ist für das Selbstvertrauen des Kindes sicher auch mehr als empfehlenswert.

Merle aus Kiel: Ist klettern ein teurer Sport?
Stefanie Fink, Alpenstieg: Hier kommt es sicher darauf an, wo und wie oft man klettert.
In der Natur, in einem Klettergarten, zahle ich natürlich keinen Eintritt, im Gegensatz zur Halle. Je nach Alter berechnen die Hallen in etwa zwischen 5,–10 ,- EUR pro Besuch. In Hallen des Alpenvereins können die Preise deutlich günstiger sein, wenn das Kind dort Mitglied ist. Wenn Sie für Ihr Kind die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände kaufen möchten, also einen Klettergurt, Schuhe und ein Sicherungsgerät, dann sollten Sie für den Gurt mit ca. 50,- EUR rechnen und für die Schuhe zwischen 35,- – 50,- EUR. Als Sicherungsgerät würde ich ein Grigri empfehlen (da es blockiert, auch wenn das Kind das Seil loslässt), das knappe 80,- EUR kostet. Im Vergleich zu Sportarten wie Reiten, Tennis oder Golf ist Klettern also sicher deutlich günstiger.  Hinzu kommt, dass man nach einem Einführungskurs, gemeinsam mit einem etwas erfahreneren Kletterer, schon recht selbstständig loslegen kann. Es muss also keine große Investition in Unterrichtsstunden erfolgen. Diese sind natürlich immer hilfreich, aber nicht zwingend nötig.

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